Inhalt

 

EMPELMANN ‑ FAMILIENGESCHICHTE AM NIEDERRHEIN.. 3

VON DER FRÜHGESCHICHTE. 3

DIE LANDESVERWALTUNG.. 5

CHRISTIANISIERUNG.. 6

ÖRTLICHE EINGRENZUNG - DIE NACHBARSTAATEN.. 6

1. Geldern. 7

2. Kleve. 7

3. Erzstift Köln. 8

Amt Rheinberg. 8

4. Grafschaft Moers. 9

5. Kloster Kamp. 10

DAS KIRCHSPIEL REPELEN.. 11

DER NAME EMPEL. 12

FRÜHE NAMENSTRÄGER "EMPEL - IMPEL - YMPEL". 15

ZUR BEDEUTUNG DER WACHSZINSIGKEIT AM NIEDERRHEIN.. 17

DER WOHNPLATZ "EMPEL" UNTER REPELEN.. 19

1. Wiedges oder der grosse Koolenhof 19

2. Plisshof 21

3. Mühlenbruchshof 21

4. Mühlenfeld. 22

AKTENMÄSSIGE ERWÄHNUNG DES HOFES. 24

Gerhard tho Impell I. 24

Gerhard tho Impell II. 27

Gerhard tho Impell III. 31

Familienüberblick der Bauern auf Impelman Hof bis 1600. 34

Vom Tod des Steuereinnehmers Mevis Wolters. 39

IN RHEINBERG.. 41

DAS MÄRTYRIUM DES WEISSEN HAMMELS. 45

DER IMPELMANHOF IM 30JÄHRIGEN KRIEG.. 47

Der Hof unter Johan, Beel und Wilhelm Impelman. 48

Theis Impelman und das Ende eines Familiensitzes. 52

Kool und Pliss auf Impelman. 56

Georg und Margarete Hilgers, genannt Impelman. 57

Gerhard Schuirman und seine Frau Jennecken Küppers. 60

Gerhard Dorman und Enneken Spoor 62

Henrich Stivemeurs und Maria Zenckelman. 64

In privater Hand - Lambert Heckes und Trin Frantzen. 65

Eine Eheberedung mit Hofübergabe. 66

Peter Impelman. 68

Klein - Impelmann. 71

Impelmans Kate. 72

Erbteilungen und Zerfall des Hofes. 73

Lötters Hof 74

Eine alte Karte. 76

IN BUDBERG.. 77

BUDBERG.. 78

Gerichtshoheit Budberg. 78

Bevölkerung und Bäuerliches Rechtsleben. 79

Die Budberger Kirche. 80

Christliche Gemeinden zu Budberg. 81

Parochialzwang und Kirchhofswesen. 83

Schulen. 84

Rheinläufe, Hochwasser und Katastophen. 85

Der 30-Jährige Krieg in Budberg. 86

ARNT IMPELMANN.. 89

Der Hof "Then Hummel Nist" oder Hummelten. 91

Das traurige Schicksal der Mechthild Dienis. 93

Kriegsende 1648  -  Arnts Brüder 94

KIRCHENSTREIT UND NEUES GEMEINDELEBEN AB 1648. 96

IMPELMANS IN BUDBERG.. 98

Familienüberblick. 98

Ein Fastnachtsunglück 1659. 100

Dorfleben nach 1660 - Ludwig XIV in Rheinberg. 101

NEBENLINIEN UM ARNOLD (I.) IMPELMANN.. 106

Die Nachkommen des Sohnes Johann. 106

Die Ehe der Tochter Margarete. 108

Der Neffe Kanonier Gerhard Impelmann. 108

NEBENLINIEN UM ARNOLD II. IMPELMANN.. 108

HUMMELTEN.. 108

DIE ZWEITE KATHOLISCHE EPOCHE IM EVANGELISCHEN BUDBERG.. 111

Ein rätselhafter Todesfall 115

Streiflicht über die weiteren Jahre. 116

Krankheit und Armut 119

DIE FAMILIE VOM 18. BIS INS 20. JAHRHUNDERT.. 123

UNTERM KRUMMSTAB IST GUT LEBEN.. 124

SPANISCHER ERBFOLGEKRIEG IN UND UM RHEINBERG.. 125

IMPELMANN AUF HUMMELACKER.. 128

Skandal und Verwilderung in Budberg. 131

Die tragische Geschichte vom verbrannten Kind. 132

Johann Henrich Hummelacker, der Schneider 133

Siebenjähriger Krieg und Erbhuldigung. 138

In der Franzosenzeit 141

Die Hummelacker Kate und ihre Einrichtung. 144

Räuberbanden am Niederrhein. 146

VON DER HUMMELACKER KATE ZUM EMPELMANN HOF. 149

Hochwasserkatastrophe 1855. 153

VERZWEIGUNGEN DER FAMILIE IN DIE HEUTIGEN ÄSTE. 154

Johannes der Hoferbe und seine Nachfahren. 154

Wessel Empelmann, der Schuhmacher 157

Anton und seine Nachkommen. 158

Heinrich Empelmann und seine Nachkommen. 161

Maria Katharina und ihre Familie. 162

Anna Gertrud. 163

Anna. 163

Jakob, der Nesthaken. 163

ANHANG – NEBENLINIEN DER EMPELMANNFAMILIEN.. 166

Zweig Peter Impelman, Schneider in Rheinberg. 166

Zweig Kelldonk. 167

Zweig Krins. 168

Zweig Kemken. 169

Zweig Grint - opt Grint - auffm Grint 170

Zweig Louven/Luven - Henneken. 171

Anhang. 173

Notariatsverzeichnis des Hausinventars in Budberg 1858. 173

Quellen. 179

Literaturverzeichnis zur Familiengeschichte Empelmann. 183


EMPELMANN ‑ FAMILIENGESCHICHTE AM NIEDERRHEIN

 

(auch : Empel, Impel, Ympel, van Impel oder Impelmann)

Unsere Vorfahren können einheimisch-germanischen Ursprungs, aber ebenso gut unter den Soldaten Roms, den Kriegern aus Sachsen, den Hunnen Attilas oder den Wikingern zu suchen sein; daneben sicher noch viele weitere Möglichkeiten.

Der Name, ein sogenannter "-mann" Name, ist typisch für den Nieder­rhein und Niedersachsen. Diese Art Namen sollen aus Ortsbezeichnun­gen entstanden sein und sind in der Regel nie länger als drei Sil­ben[1].

Unser zu betrachtender Familienname  findet sich an verschiedenen Orten des Niederrheins, gehäuft allerdings in der Gegend von Rees und in dem Landstrich zwischen Moers und Rheinberg wo wir auch zwei Ortsbezeichnungen "Empel" finden. Unter den Namensträgern finden sich Bauern, Geistliche, Adelige, Hörige und Freie. (s.Anhang)

Auch wenn der Name Empelmann  in seinen verschiedenen Formen noch des öfteren in mehreren Orten erwähnt wird, so müssen wir uns auf die mit unserer Familie beweisbar in Verbindung stehenden Personen und Orte beschränken: Hof und Berg "ter Impel" im Kirchspiel Repelen, Grafschaft Moers, sowie den Empelmann- oder Hummelackerhof in Budberg bei Rheinberg, beide Orte ziemlich nahe beieinander.

Die nachfolgend geschilderten Verhältnisse sind nicht typisch für Deutschland im allgemeinen; am Niederrhein galten auf Grund der vielfältigen Grenzlage unterschiedlicher Einflußzonen andere Bedin­gungen.

 

 

VON DER FRÜHGESCHICHTE

 

Der linke Niederrhein -ein immer schon gefragtes Siedlungsgebiet- war schon in der Jungsteinzeit relativ dicht bewohnt. Es sind sehr viele Fundstücke aus den verschiedensten Epochen vorhanden.

In der Römerzeit gehörte das hier interessierende Gebiet zur Provinz "Germania Inferior" und war mit Straßen gut erschlossen. Den ersten Impelmannhof finden wir dicht an der Hauptheeresstraße, die von der Schweiz bis an die Nordsee führte, nahe dem Lager Asciburgium. An den beiden Rheinufern wohnten damals die Menapier, die zum Volk der Kelten gehört haben sollen. Ortsnamen in Verbindung mit dem Wort "Donk" weisen angeblich auf Menapierwohnplätze hin. Im Jahre 55 v. Chr. dringen in das Rheinland die Usipeter und Tenkterer ein, die jedoch von Cäsar zur Abschreckung in einem Vernichtungsfeldzug un­terworfen wurden. Die Römer hatten zur Sicherung ihrer Provinz ne­bern den Heerstraßen auch ein ausgeklügeltes System von Lagern, Stützpunkten und vor allem Signaltürmen (Warten) jeweils in Sicht­weite voneinander entfernt aufgebaut. Tiberius, Stiefsohn des Kai­sers Augustus siedelt um das Jahr 0 angeblich 40000 Sugambrer aus der Gegend zwischen Ruhr und Sieg in die linksrheinischen Gebiete um; ihr Name verschwindet und sie werden später nur noch die Guger­ner[2] genannt.

Nach Beginn des 4. Jhdts setzen verschiedene Volksgruppen den Römern stark zu und der Niedergang des Imperiums erfolgte nach dem Jahr 366 n.Chr. sehr schnell. In Folge der zahllosen Kämpfe mußten die Römer immer mehr Truppen aus Germanien abziehen und die Franken konnten im Gegensatz zu ihren früheren blutigen Einfällen die Römer einfach verdrängen. Zu den damaligen Gegenern der Römer gehörten auch die Goten, die Alemannen und die Sachsen. Die Franken (="die Freien"), ein Zusammenschluß aus verschiedenen Völkern, drang in mehreren Strömen über den Rhein: die Chatten zogen wahrscheinlich die Lahn abwärts und dann die Mosel hinauf. Die Ripurarier, auch Rheinfranken oder Uferfranken, gingen zwischen Sinzig und Nimwegen über den Rhein und gründeten im 5. Jhdt beidseitig des Flusses -ungefähr in glei­cher Größe des späteren Erzstiftes Köln-  das "Königreich Köln", mit der gleichnamigen Hauptstadt. Die Chamaven, die den Nördlichen Teil dieses Landes bewohnten, blieben dabei unabhängig. Die salischen Franken, welche aus Batavern und Gugernern hervorgegangen sein soll­ten, wohnten in der heute mit "Over Issel" bezeichneten holländi­schen Landschaft und trugen ihren Namen von dem dort vorherrschenden Salland. Später finden wir sie auch in den Landschaften Nord- und Südbrabant. Nach dem Zeugnis des "Gregors von Tours" hatte der König dieser Franken, Clodio, seinen Sitz in Dispargum, dem heutigen Does­burg (NL). Wahrscheinlich war er der Vater jenes Mero oder Merowigs, Gründer und Namensgeber der Dynastie der Merowinger, der seinen Kö­nigssitz in Tournay hatte. Seinem Enkel wiederum, Clodwig genannt, gelang es alle fränkischen Stämme (mit Gewalt) zu einer Gesamtmonar­chie zu vereinigen, nachdem er 510 n.Chr. den König von Köln, Sig­bert, hatte umbringen lassen; allerdings genoß das Land der Ripurarier eine Sonderstellung und wurde als besondere Provinz der fränkischen Monarchie eingegliedert.

Die früheren Einfälle der Franken in die Gebiete des Niederrheins hatten schlimme Verwüstungen herbeigeführt, doch was erhalten geblieben war fiel jetzt den Hunnenstürmen zum Opfer dieaus der Ge­gend des heutigen Ungarn an den Niederrhein drängten. Eine verei­nigte Streitmacht von Römern, Westgoten und Franken hatte den An­sturm durch einen Sieg bei Chalons an der Marne im Jahre 451 zum Stehen gebracht. Auf Grund dieser Einfälle waren verschiedene Städte und ehemalige Römerlager am Niederrhein völlig verwüstet worden, u.a. Xanten, Köln, Neuß sowie Asberg bei Moers.

Clodwig, Einiger der Stämme, trat nach Unterwerfung der Alemannen bei Zülpich im Jahre 496 zum Christentum über, daß in verschiedenen Städten schon praktiziert wurde. Nach Chlodwig wurde das Franken­reich durch innere Unruhen sehr zerrissen und konnte erst unter Chlotar II. wieder vereinigt werden.

In der Folgezeit waren die fränkischen Könige wohl recht kraftlose Persönlichkeiten, die die Regierungsgeschäfte ihren Hausmeiern über­ließen. Einer davon, Pippin der jüngere, Sohn des Karl Martell, setzte auf Anraten von Papst Zacharias bei der Reichsversammlung zu Soissons im Jahre 752 den hilflosen König Childerich III ab und ließ sich statt diesem auf den Schild heben. Er war der Vater Karls des Großen, der der neuen Dynastie der Karolinger seinen Namen gab. Un­ter dessen Herrschaft stiftete der Bischof von Münster, Ludger, spä­ter der heilige Ludger genannt, die Abtei Werden an der Ruhr. Dieser Abtei wiederum stiftete Karl der Große aus dem Kronland etliche Gü­ter, viele davon auch in dem Gebiet zwischen Rheinberg und Moers. Auf Karl folgte sein Sohn Ludwig der Fromme, der ebenfalls zum Kai­ser gekrönt wurde. Er starb 840 als letzter König der Franken. Seine Söhne bekämpften sich drei Jahre lang und regierten nach Abschluß des Vertrages von Verdun 843 drei getrennte Reiche: Karl II der Kahle das Westfrankenreich, Ludwig der Deutsche das Ostfrankenreich und Lothar, der älteste Sohn dem der Kaisertitel zugefallen war, den mittleren Teil, das Lotharische Zwischenreich. Neben Lothar I. ken­nen wir als weiteren Regenten Lothar II., der diesem Land seinen Na­men gab: Lotharingen mit der Hauptstadt Aachen. Diesem Land, der Heimat unserer Vorfahren, war nur eine kurze Eigenständigkeit ge­gönnt. Nach verschiedenen Abspaltungen und Teilungen kommt der Rest 925 als fünftes deutsches Herzogtum endgültig zum Reich. Letzter Re­gent war König Zwentibold, Urenkel Ludwigs des Frommen und "Bastardsohn" des deutschen Kaisers Arnolf von Kärnten.

Im 9.Jahrhundert fielen von Norwegen und Dänemark her die Wikinger oder Normannen ein. Mit ihren schnellen Schiffen befuhren sie nicht nur die Küsten, sondern kamen auch die Flüsse heraufgefahren und überfielen die Städte. Im Jahre 864 Xanten, 880 Birten und Nimwegen sowie 882 mit großen Heerscharen Utrecht, Maastricht, Lüttich und Tongern. Angriffe erfolgten auch  gegen Städte wie Köln, Zülpich, Bonn und Neuß. Karl der Dicke versuchte vergeblich sie zu bekämpfen. Erst seinem Nachfolger Arnolf von Kärnten gelang es nach der Schlacht bei Löwen 891 den Frieden wieder herzustellen.

 

 

DIE LANDESVERWALTUNG

 

Schon in ganz früher Zeit hatten die Bewohner das Land in Gaue und diese wiederum in Hundertschaften eingeteilt. Die Gegend um Rhein­berg und Moers gehörte zum Hattuariergau, südwestlich davon der Mühlgau, westlich Massau, nordwestlich lag Toxandrien. Rechtsrhei­nisch finden wir den Brukterergau  und nördlich von diesem den Gau der Chamaven, Hamagau oder Hamaland genannt. Der Begriff Hundert­schaft stammt aus dem Heerwesen und war aber schon zu Zeiten der al­ten Germanen laut Tacitus ohne zahlenmäßige Bedeutung und ein reiner Verwltungsausdruck. In der fränkischen Zeit finden wir neben der Gaueinteilung eine Gliederung in Grafschaften. Mehrere dieser Graf­schaften bildeten eine Provinz oder ein Herzogtum. Der König wählte sich unter den begütertsten Bewohnern einer Grafschaft einen Beam­ten, den Grafen (comes), der zur Verwaltung, zur Rechtpflege (Grafengericht), zur Anführung des Heerbannes und zur fiskalischen Erhebung beauftragt war. Diese Grafenämter waren mit festen Dotatio­nen verbunden, in der Regel mit Lehngütern. Auf Grund tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen vor allem im 11.Jhdt., dem Entste­hen des niederen und des ministerialen Adels, wandeln sich diese Äm­ter. Der König ernennt keine Grafen mehr, sondern die Ämter werden vererbt und ihre bisherigen Inhaber stiegen zu unabhängigen Gebiets­herren auf; sie brachten ihren Privatbesitz (freier Besitz = Allodi­algut) ein und vereinten ihn mit dem Amtsbezirk zu gesonderten Ter­ritorien.

Durch die teilweise erheblichen Stiftungen an die Kirchen und Ab­teien bildeten sich eigene geistliche Herrschaften, deren Gebiete auf Grund von Previlegien aus den Gaugrafschaften ausschieden und sich selber verwalten sowie Gericht halten durften. Folglich finden wir auch hier einen Beamten mit den Aufgaben eines Gaugrafen; dieser trug den Titel "Vogt" und durfte nicht gleichzeitig Graf sein. Ihm standen als Entlohnung ebenfalls die Erträge von Bauernhöfen sowie Teile der Gerichtsgelder zu. Die Bevollmächtigung mit der Hochge­richtsbarkeit, "Blutbann" genannt, konnte auf Grund kanonischer Hemmnisse nur vom König verliehen werden.

Die Gaugrafschaften zerfielen in Unterabteilungen, die Centenen oder Honschaften genannt wurden. Die einzelnen Honschaften zerfielen wie­derum in mehrere Bauerschaften. Der Vorsteher einer Honschaft nannte sich Honne, ihm wurde die niedere Gerichtsbarkeit, die Polizeigewalt sowie die Durchführung von Verwaltungsmaßnahmen anvertraut. Oft hat­ten kleine Adelige das Amt inne. Im Laufe des Mittelalters lösten sich die ursprünglichen Bezirke auf und der Begriff Honschaft ging auf die einzelnen Bauerschaften über.

 

 


CHRISTIANISIERUNG

 

Der christliche Glaube wurde durch römische Soldaten an den Rhein gebracht, denn dort, im Heer, erfreute er sich besonderer Beliebt­heit. Zeitweise bestanden ganze Einheiten nur aus Christen wie die "legio fulminea" oder die thebäische Legion. Laut Auskunft des Irenäus, Bischof von Lyon (177-202), muß es zu seiner Zeit schon Kirchen am Rhein gegeben haben, allerdings nur in den Städten wäh­rend sich auf dem Lande der alte germanische Götterglaube hielt. Nach Übertritt Chlodwigs zum Christentum 496 erhielt der neue Glaube wachsenden Einfluß und Karl der Große bemühte sich ebenfalls der christlichen -teilweise unter Androhung der Todesstrafe- zum Durch­bruch zu verhelfen. Über einen recht langen Zeitraum bestanden meh­rere Religionen nebeneinander und erst im 7. und 8. Jhdt. konnte sich das Christentum am linken Niederrhein entgültig durchsetzen, wobei oftmals die alten germanischen Kultstätten in christliche Kir­chen umgewandelt wurden. In der noch jungen christlichen Kirche gab es keine Diakonate oder Archidiakonate sondern nur Bischöfe und Pfarrer. Zehn erwachsene Christen reichten zur Gründung einer Ge­meinde aus, die oftmals schon bald einen eigenen Versammlungsort aber noch keine eigene Kirche hatte. Die eigentlichen seelsorgeri­schen Dienste wurden vom Bischof in einem der Hauptorte verrichtet. Später wurde dann auf Grund der teilweise ungeheuer großen Entfer­nungen mit der Einrichtung von Taufkirchen (ecclesia baptismalis) begonnen. Die Priester, die anfänglich ihren Beruf reisemäßig ausüb­ten, predigten und feierten mit der Bevölkerung das Meßopfer und hielten wo Notwendig Nottaufen ab. Die Taufe an sich war bischöfli­che Aufgabe. Dieser reiste durch seinen Amtsbezirk, visitierte und taufte die Neugeborenen. Tauftermine waren früher nur Ostern, Pfingsten sowie das Fest der Hl. drei Könige. Erst allmählich setzte es sich durch, daß den Kirchen Kirchen eigene Priester zugeteilt wurden die am Ort wohnten und deren Dotationen von den Gemeindeglie­dern aufgebracht wurden. Ein wichtiger Unterschied liegt in der Gründungsart der Kirche: wurde sie auf Kirchen- oder Königsland er­richtet oder geht ihre Einrichtung auf private Initiative zurück? Letztere, die damals recht häufige Gründung als Patronats-, Hofes- oder Eigen- Kirche, versetzte den Stifter in die Rolle eines Kir­chenpatrons, der für sich und seine Nachkommen das erbliche Recht auf Benennung des Pfarrers hatte und auch über die Bestimmung des Kirchenvermögens zu entscheiden hatte. Eine weitere Unterscheidung ist zu den Kapellen zu ziehen. Sie waren anfänglich rein private Bet- und Meditationsstätten und erst nach dem Konzil von Adge (506) wurde es erlaubt, dort auch das Meßopfer zu feiern. In späterer Zeit wurden sie meist als Filialkirchen eingesetzt.

 

 

ÖRTLICHE EINGRENZUNG - DIE NACHBARSTAATEN

 

Für uns und unsere Familiengeschichte sind zwei direkt bei einander­liegende Gebiete von Interesse: zum einen die "Zweiherrlichkeit Bud­berg", heute Rheinberg-Budberg genannt, sowie zum anderen derjenige Teil des Kirchspiels Repelen in der Grafschaft Moers, der mit einem Zipfel in das Amt Rheinberg hineinragt und heute die Bezeichnung "Kohlenhuck" trägt. Politische Gemeinde ist heute Moers, davor war dieser Bezirk unter dem Namen Rheinkamp selbständig.


In dieser Gegend stießen früher mehrere Herrschaftsgebiete zusammen:

            die Grafschaft Moers

            das Kurkölnische Amt Rheinberg

            die Vogtei Geldern

            das Herzogtum Kleve

wobei kleinere Herrschaften wie Alpen unberücksichtigt bleiben.

 

Rechtsrheinisch finden wir in dieser Höhe ungefähr die Nordgrenze des Herzogtums Berg. Zu erwähnen ist auch das Kloster Kamp, das bald nach seiner Gründung 1123 zu einem wichtigen Machtfaktor in dieser Gegend wurde. An festen Plätzen, d.h. hier Städte mit Burg bzw. spä­ter Festung finden wir in dieser Gegend Rheinberg, Orsoy und Moers als die wichtigsten.

 

1. Geldern

Gegründet 1061 durch Otto von Nassau durch Heirat. Es Bestand an­fänglich aus der Stadt Gelre mit Umland und der Grafschaft Zutphen und wurde dann um Arnheim, Nimwegen, Venlo, Roermond, Goch, Erkelenz und Emmerich vergrößert. Nach Aussterben des dortigen Hauses Nassau endete der Erbfolgestreit 1379 zu Gunsten Jülichs; nach 1423 an das Herzogtum Berg und 1472 an Burgund. Kurzzeitig 1538-1543 an Kleve, wodurch sich für wenige Jahre eine "niederrheinische Großmacht" bil­dete. Während der Reformationszeit und dem niederländisch-spanischen Krieg kamen große Teile Gelderns an die Niederlande. Die verbliebe­nen spanischen Teile kamen 1713 an Preußen.

 

2. Kleve

Leitet seinen Ursprung von Elias Grail dem Schwanenritter der Sage ab der sich mit Beatrix verehelichte, der Erbin von Teisterband-Kleve. Kaiser Heinrich II. machte den Herrn Rutger von Flandern 1020 zum erblichen Grafen von Kleve. Die Grafen wohnten dort aber nicht, sondern bis ins 13.Jahrhundert hinein in Monterberg. Um 1200 hatten sich die Klever Herren wie einige andere ihrer Standesgenossen dem Beruf des Raubritters verschrieben, wogegen der Kölner Erzbischof zu Felde zog. Dabei wurde auch zwischen 1216 und 1220 die Burg Monter­berg zerstört und ihre Bewohner siedelten nach Kleve um. Nach dem 15.Grafen Johann starben die Herren aus dem Hause Flandern im Jahre 1368 aus und die Herren von der Mark erhielten die Grafschaft Kleve. Unter dem Grafen Adolf II. wird die Grafschaft im Jahre 1417 zum Herzogtum erhoben. Eines der wichtigsten Ereignisse des Klever Lan­des war sicherlich die Hochzeit des Johann III. von Kleve-Mark mit der Maria von Jülich-Berg-Ravensberg im Jahre 1510. Durch den Zusam­menschluß aller niederrheinischen Gebiete (zeitweise sogar mit Geldern) entstand ein sehr großes Machtgebilde. Johann III., sowie sein Sohn Wilhelm V. "der Reiche", regierten damit zeitweise ein Land das vom Isselmeer (Zuidersee) bis an die Sieg reichte. Landes­hauptstadt war damals Düsseldorf. Nachfolger Wilhelm des Reichen wurde dessen Sohn Johann Wilhelm. Dieser, letzter niederrheinischer Herzog, blieb kinderlos und erwies sich als geisteskrank. Seine sehr agile Frau, Jakobäa von Baden, wurde am Düsseldorfer Hof den Machtansprüchen einiger Leute gefährlich und deshalb heimlich ermor­det. Der Vorfall erregte so großes Aufsehen das der Kaiser sich die Aktenunterlagen zu diesem Fall kommen ließ. Selbst heute ist dieser Fall noch von Interesse und es wurde anläßlich umfangreicher Reno­vierungsmaßnahmen in der Düsseldorfer Lambertuskirche die Gelegen­heit benutzt, die Fürstengruft zu öffnen und insbesondere Jakobes Leichenreste eingehend zu untersuchen[3]. Eine weitere Ehe des Johann Wilhelm blieb ebenfalls kinderlos; seine Krankheit verschlimmerte sich und er mußte sich mehreren Exorzismen unterziehen, die aber er­folglos blieben. Nach seinem Tod im Jahre 1609 stritten sich Johann Sigismund Kurfürst  von Brandenburg und der Pfalzgraf Wolfgang Wil­helm, auf Grund von Verwandtschaftsverhältnissen erbberechtigt, um das Klever Erbe. Der Streit zog sich endlos in die Länge und fand erst 1666 mit einer Gebietsteilung sein Ende (Brandenburg: Kleve-Mark; Pfalz: Jülich-Berg). Selbst der arme Verblichene hatte unter diesem Streit zu leiden. Unter der Behauptung von Geldmangel blieb der Sarg 20 Jahre lang unbestattet bis dann im Jahre 1629 eine Beer­digung stattfand.

 

3. Erzstift Köln

Die Stadt stammt aus der Römerzeit, das Bistum aus christlicher Frühzeit; 745 Umwandlung in ein Erzbistum. Gebietsmäßig hauptsäch­lich auf der linken Rheinseite, dazu Länder im Westfälischen Raum und an der Ruhr. Die Erzbischöfe stammten meist aus den Rheinischen Adelshäusern Moers, Wied, Sayn und vor allem Berg. Nach der Reforma­tion aus den Häusern Bayern und Österreich.Der offizielle Name war "Erzstift Köln", eingeteilt in Ober- und Niederstift und das "Vest Recklinghausen"; dazu Streubesitz und Ländereien die häufig in Per­sonalunion mitverwaltet wurden, z.B. das Bistum Münster. Sitz der Erzbischöflichen Regierung war bis zur Reformation Köln, danach Bonn und Brühl. Unter den Erzbischöfen, die ständig im Streit mit der Reichsstadt Köln lagen, finden wir auch Sigfried von Westerburg, der den Kampf der Erzbischöfe um die Vormachtstellung am Niederrhein in der Schlacht von Worringen am 5. Juni 1288 austrug. Das ereignis gilt als größte Ritterschlacht des Mittelalters am Niederrhein und forderte innerhalb von 5 Stunden allein unter den Adeligen 2000 Tote. Der Erzbischof wurde geschlagen und als Gefangener der Grafen von Berg weggeführt. Den erbeuteten Streit- bzw. Fahnenwagen des Erzbischofs bewahrte man als Siegeszeichen sorgsam auf, bis er von napoleonischen Truppen Anfang des 19.Jhd. zerstört wurde.

 

Amt Rheinberg

Das Kurfürstentum Köln blieb, auch wenn das Vormachtstreben gebro­chen war, bis zum Ende des Alten Reiches ein wichtiger Machtfaktor am Niederrhein. Zur Sicherung ihrer nördlichsten Zollstelle am Rhein bauten die Erzbischöfe Rheinberg zu einer befestigten Stadt aus. Ge­gen Ende des 16.Jhd. galt Rheinberg als eine vorbildliche Festung ersten Ranges mit einer Burg. Die Festungsanlagen wurden 1714 durch Preußen geschliffen, die Stadttore 1777 wegen Baufälligkeit abgeris­sen. Die Stadt bildete mit ihrer näheren Umgebung zusammen das "Amt Rheinberg". Der Bischof hatte außer seinem Amtmann, dem bischöfli­chen Repräsentanten, einen Schultheißen dort, dem mit der Verwal­tungsoberaufsicht und der Rechtpflege das einflußreichere Amt oblag. Ein weiterer wichtiger kurfürstlicher Beamter war der Kellner, der die Natural- und Geldabgaben einzuziehen hatte. Der letzte der höhe­ren Kurfürstlichen Beamten war der Kommandant der Garnison bzw. der Burggraf.

Für die Stadt selber waren der Rat und der Bürgermeister zuständig. Der Rechtspflege dienten verschiedene Gerichte: das Schöffengericht mit der Hochgerichtsbarkeit, das Militärgericht für die Garnison und eine Latengericht, das für Grundbesitz, Verpachtungen und Abgaben zuständig war. Letzteres trug den Namen Erb-, Bau- und Hofgericht. Zur Besoldung des Richters gehörte u.a. eine Abgabe aus dem Impel­mannhof bei Repelen.

In früheren Zeiten, noch bevor es feste Städte gab, bedienten sich die Kölner Erzbischöfe als Landesherren einer besonderen Art von Le­hensleuten zur Verwaltung, die wegen ihrer Tätigkeit "Ministerialen" genannt wurden. Aus diesen Leuten entwickelte sich eine hochprivile­gierte, von fast allen Steuern und Abgaben befreite Landadels­schicht, der Ministerialadel. Unruhen führten später (in RHeinberg um 1500) zur Beschneidung der Privilegien. Viele dieser Familien dieser Ministerialen-Schicht stammten aus der Rheinberger Gegend, auch aus Budberg. Wir finden die Ritter von Budberg, die Familie von Wolfskuhlen, die Familie von Husen, die Ritter von Hummelnist (siehe den gleichnamigen Hof in Budberg) und auch die Familie von Ruberg

 

4. Grafschaft Moers

Ein Jahr bevor in Holstein die Bauernrepublik Dithmarschen mit ihren 48 Regenten entsteht, tritt im Jahre 1226 erstmals in einer Urkunde ein "Graf von Moers" als Landesherr in Erscheinung. Nachdem im 11.Jhd. das ursprüngliche Grafenamt verkommen und auch jeder geist­liche Grundherr der eine ehemalige Gaugrafschaft oder Teile davon besaß, seinerseits wiederum kleine oder größere Teile davon mit ei­nem Grafentitel versehen verleihen konnte, traten überall kleinere Herrschaften hervor, die sich mit dem Grafentitel zierten. So werden wir uns auch das Entstehen der Grafschaft Moers, einem wirklich kleinen Ländchen, zu verdeutlichen haben. Die Herren von Moers stammten anscheinend aus der Ministerialenschicht, besaßen wohl eine kleine unbedeutende Allodialherrschaft und übten möglicherweise das Honnenamt aus. Im 11. oder 12. Jahrhundert erhielten sie wahrschein­lich vom Kölner Erzbischof den Grafenbann verliehen. Da in dieser Grafschaft unsere ersten nachweisbaren Impelmannfamilien in der Ah­nenreihe lebten, so soll hier eine Liste der Landesherren folgen in der Reihenfolge ihrer Regentschaft. Als Landesherren waren ihnen un­sere Vorfahren nicht nur untertan und zur Zahlung von Abgaben ver­pflichtet, sie waren auch oberste Gerichtsherren, die mittels Gna­denakt über Leben und Tod entscheiden konnten.

 

Theodor I           ca. 1226 - 1260

Theodor II          ca. 1262 - 1294  Sohn des Vorigen

Theodor III    v.Moers  1294 - 1346  Sohn des Vorigen

Friedrich I    v.Moers  1346 - 1356  Sohn des Vorigen

Theodor IV     v.Moers  1356 - 1372  Sohn des Vorigen

Friedrich II   v.Moers  1372 - 1417  Sohn des Vorigen

Friedrich III  v.Moers  1417 - 1448  Sohn des Vorigen

Vinzenz        v.Moers  1448 - 1493  Sohn des Vorigen

Wilhelm von Wied        1493 - 1500  Gatte der Enkelin des Vinzenz

Bernhard       v.Moers  1500 - 1501  Enkel des Vinzenz

Johann und Jakob        1501 - 1510  Onkel des Bernhard durch
  von Saarwerden                     Erbschaft

Wilhelm von Wied        1510 - 1519  Gatte der Enkelin des Vinzenz

Wilhelm von Neuenahr    1519 - 1553  Schwiegersohn des Wilhelm

Hermann von Neuenahr    1553 - 1578  Sohn des Vorigen

Adolf   von Neuenahr    1579 - 1586  Schwager des Vorigen
        und Alpen

Spanische Besetzung     1586 - 1597

Walburga v.N.und Moers  1597 - 1600  Witwe des Adolf

Moritz von Oranien      1600 - 1625  durch Erbschaft

Wilhelm II von Oranien  1625 - 1650  Sohn des Vorigen

Wilhelm III v.Oranien   1650 - 1702  Sohn des Vorigen

Fried. Wilh.v.Preußen   1702 - 1713 

 

Prominentester Vertreter der Familie von Moers war Diedrich, Erzbi­schof von Köln. Er wurde durch die sogenannte "Soester Fehde" 1444-1449 bekannt.

 


5. Kloster Kamp

Durch die vielfältig wechselnden Rheinläufe, die häufigen Über­schwemmungen, die Altarme, war das Niederrheingebiet mit vielen Sümpfen, Mooren sowie Bruchland überzogen. Daneben gab es urwaldähn­liche große Waldlandschaften und öde Heiden. Häufig finden sich Ortsnamen die auf -bruch oder -heide enden, oft auch solche die mit der Endung -rade oder -rode von der mühseligen Kultivierungsarbeit zeugen.

Der Investiturstreit zwischen Kaiser und Papst wurde 1122 zu Worms beendet; Raubrittertum und Verbrechen waren an der Tagesordnung, Re­formen und Neuerungen dringend erforderlich. In diese Zeit fallen die Kreuzzüge sowie die Gründung der großen Ritter- und Mönchsorden, unter anderen auch die des Zisterzienser Ordens. Im Jahr des Wormser Konkordats 1122 wurde die erste deutsche Niederlassung  des Zister­zienser Ordens durch Arnulf und Heinrich, den Brüdern des damaligen Kölner Erzbischofs Friedrich I. von Schwarzenburg, auf einem abgele­genen Stück kurfürstlichen Tafelgutes mit Namen "Alten Feld = Alten Camp" gegründet. Der erste Abt, des Erzbischofs Bruder Heinrich, be­zog mit 12 Mönchen 1123 die ersten wohl recht armseligen Unterkünfte und begann entsprechend den Ordensregeln, die auch für den Abt einen Teil körperlicher Arbeit vorsahen, mit den Kultivierungsarbeiten des Klostergeländes. Neben der eigentlichen Landwirtschaft betrieben die Mönche Garten- und Obstkulturen. Angeblich soll es ihnen zu verdan­ken sein, daß in Deutschland Salat angebaut wurde. Auch führten sie die "graue Reinette", eine Apfelsorte, ein. Das Wissen über den Um­gang und die Zucht von Gemüse und Obst gaben sie an die Bevölkerung weiter. Später kam noch Weinanbau hinzu, dessen Ergebnis aber wohl ein rechter "Säuerling" gewesen sein muß. Großes Gewicht lag auf der Viehzucht: Schweinemast wurde in großem Stil betrieben und hunderte von Schafen gaben Wolle und Ermöglichten die Beschickung fremder Märkte. Rinderzucht trieb man auf den Rheinauen, deren gutes Gras für die für hohen Erträge in der Milchwirtschaft sorgte. Bienenzucht brachte den Honig, den man Stelle des damals noch unbekannten Zuc­kers zum Süßen benutzte, darüber hinaus auch noch das Wachs für die Kerzen. um Ausgleich für das in den Anfangsjahren des Klosters streng gehandhabte Fleischverbot wurden in der Abtei Kamp Fischtei­che angelegt sowie die Zucht von Weinbergschnecken betrieben.

In der Umgebung der Abtei wurde das ertragreiche Wirken der Mönche mit Interesse und Neugier aufgenommen und die Klosterleute gaben ihr Wissen gerne an die Bevölkerung weiter. Die Mönche waren zur Kran­ken- und Armenpflege angehalten und so war das Hospital, das bis zu seiner Zerstörung 1585 vor dem Kloster lag, in den frühen Jahren me­dizinischer Mittelpunkt der Gegend. Bewunderung, Dankbarkeit, die persönliche religöse Einstellung und entsprechendes Predigen und Wirken ließen große und kleinere Schenkungen an die Abtei zu einer recht häufigen Praxis werden. Teile der Bevölkerung wollten ihre persönlichen Güter dem segensreichen Werk angliedern und damit irdi­sche Werte gegen geistliche eintauschen; auf diesem Weg fiel der Ab­tei eine ansehnliche Zahl von Häusern und Grundstücken zu. Auch kauften und pachteten die Mönche Ländereien zur Abrundung ihres Be­sitzes und verpachteten ihrerseits wieder alles, was sie nicht be­wirtschafteten. Das Kloster war auch der Sammlung und der Verbrei­tung von Wissen verpflichtet, was heißt, daß eine große Bibliothek geführt und durch Abschriften vermehrt wurde. Im Truchsessischen oder Kölnischen Krieg wurde fast die gesamte Anlage zerstört und das Kloster anschließend annähernd 50 Jahre nicht mehr bewohnt. Ab 1642 finden sich dort wieder die ersten Mönche aus ihrem Exil oder aus anderen Zisterzienser Klöstern ein und ab dem Jahr 1683 wird ein Wiederaufbau der Anlage im Barockstil als großartige Terassenanlage betrieben. Erneut eingeweiht 1700 und nach weiteren hundert Jahren unter Napoleon 1802 saekularisiert mit anschließendem Verfall. Heute wieder Heimat von Mönchen, allerdings Niederländern (Karmelitern?). Im Jahr 1988 Einweihung eines Klostermuseums, 1990 Wiederherstellung des barocken Klostergartens.

 

 

DAS KIRCHSPIEL REPELEN

 

Hier lebten unsere Vorfahren vor dem Jahr 1600, in einer der älte­sten Pfarrgemeinden des Niederrheins, die in ihrer Frühzeit sehr große Ausmaße hatte. Über die Kirchengründung gibt es verschiedene Ideen, doch scheinen sie im Kerne eine wichtige Gemeinsamkeit zu ha­ben: Das christliche Heiligtum wurde über einer germanischen, kelti­schen oder römischen Kultstätte errichtet.

Einer Überlegung zu Folge soll der alte Ortsname "Rapil ara hesi" gewesen sein und die Bedeutung "Altar des Hesus" gehabt haben. Hesus war keltischer Kriegsgott und sein Kult war gerade am Niederrhein recht verbreitet. - Nach anderen Ideen soll der Vorläufer der christlichen Kirche ein römisches Heiligtum gewesen sein. Dafür spricht ein Fund aus dem Jahr 1788, als bei Grabungen unter dem Kirchturm ein kleines Gewölbe gefunden wurde in dem eine Art Satyr­kopf lag. Dies deutet auf römische Gebräuche hin, wo es üblich war beschädigtes und unnützes Gottesdienstgerät in derartigen Gewölben zu "Entlagern".

Der Bau der Kirche soll zwischen 687 und 714, zu Zeiten Pippin des Mittleren stattgefunden haben. In einer Urkunde die spätestens in das Jahr 726 zu datieren ist, erklärt der (später heilige) Willi­brord dem Kloster Echternach, daß ihm ein freier Franke, Heinrich genannt, große Schenkungen an Grundbesitz in "Replo" gemacht habe, was für eine Hofs- oder Patronatskirche spricht. Aus dem Jahre 855 oder 856 stammt eine Urkunde in der der reichbegüterte Edelmann Hattho dem Kloster Echternach einen Herrenhof zu Reple mit allem Zu­behör schenkt (das waren: Wiesen, Wälder, Gewässer, Mühlen, 42 Höh­rige sowie eine von Willibrord selbst geweihte Kirche). Eigenkirchen des lokalen (Klein-) Adels als Zubehör von Höfen finden sich beson­ders häufig in der Kölner und Maastricher Diözese. Sie sind oftmals der Vorgänger der heutigen Dorfkirchen und ihr Aufkommen steht in direktem Zusammenhang mit der Verchristlichung des Totenkultes. Das Gehöft zog die Kirche und diese den Friedhof nach. So entstand oft­mals das uns geläufige Bild von der Dorfkirche mit umliegendem Friedhof.

Diese frühe Kirche, in der möglicherweise schon Willibrord unsere Vorfahren taufte, war wohl schon aus Stein gebaut denn sie blieb bis ins 12.Jhd erhalten. Eine danach gebaute einschiffige Saalkirche war dem Martin geweiht und wurde schon im 14.Jhd zerstört. Beim Wieder­aufbau wurden die alten Bauteile in den Neubau einbezogen. Einen Be­weis, daß sich die Kirche immer an der gleichen Stelle befunden hat, bieten Skelettfunde bei Reparaturarbeiten sowie die Entdeckung eines Baumsarges, der leider nicht geborgen werden konnte aber zeitlich zwischen dem 8. und 11. Jhd datiert wurde[4].

Bis zur Ankunft des Willibrord frönten unsere Vorfahren dem "dunkelsten Heidentum"; auch benutzten sie für ihren Totenkult einen Friedhof, der erst im Jahre 1957 bei Bauarbeiten wiedergefunden wurde, im heutigen Ortsteil Eick gelegen. Dieser heidnische Franken­friedhof weist ca. 300 Gräber aus dem Zeitraum von 300-500 n.Chr. auf. Gefunden wurden in erster Linie Kammergräber, dazu noch ein Baumsarg; verschiedene Kreisgräber, wie sie bei den Sachsen üblich waren, wiesen darauf hin, daß Franken und Sachsen hier friedlich ne­beneinander gelebt haben[5]. Den Toten gab man eine Münze in den Mund, damit sie den Fährmann in der Unterwelt bezahlen konnten. Schon in fränkischer, -vielleicht auch erst in frühchristlicher Zeit, brachen unbefugte Hände die Gräber an den Kopfseiten auf und raubten den To­ten den Schmuck. Da aber nur wertvolle Teile mitgenommen wurden, konnte vieles jetzt noch gefunden werden: Waffen, Hausrat, Gürtel­schnallen. Vornehmen Kriegern wurde ihr -bei den Germanen heiliges- Pferd mit in Grab gelegt. Es wurde ein Tier ohne Kopf gefunden, der wahrscheinlich zu kulturellen Zwecken benutzt wurde; ihm wurden hohe Zauberkräfte zur Abwehr böser Geister zugesprochen. An die Stelle der Grabbeigaben trat in christlicher Zeit die fromme Stiftung zum Heile der Seele.

Es ist nicht unwahrscheinlich, daß auch aus unserer Familie schon ei­nige Verblichene auf diesem Friedhof ihre letzte Ruhe fanden, wäh­rend deren Nachkommen schon neugierig in der ersten Kirche saßen und den Predigten des Willibrord zuhörten.

 

 

DER NAME EMPEL

ORTSBEZEICHNUNG UND ERSTE URKUNDLICHE ERWÄHNUNGEN

 

In einem älteren Artikel der Zeitungsbeilage "Land und Leute"[6] fin­det sich eine interessante Erklärung des Namens Empel. Danach ist der Name Empel aus den zwei Worten "Em" und "pel" zusammengesetzt, wobei die Deutung der Silbe "pel" nicht schwer fällt, denn sie er­scheint in verschiedensten Wörtern und Namen und bedeutet Wasser. So wird Hoennepel als "das Wasser bei Hoen" gedeutet, wobei mit "Hoen" eine jetzt verschwundene ehemalige Rheininsel gemeint ist, und Aspel als "Waldwasser" eXE. Eine klare Deutung für die Silbe Em-, Im- oder Ym- konnte der Schreiber des Artikel auch nicht bieten. Die einfach­ste Erklärung ist für ihn die Übersetzung des Namens als "am Wasser gelegen". Dafür spricht die Tatsache, daß der Rhein oder einer sei­ner Arme früher tatsächlich an dem heutigen Empel vorbeigeflossen ist. Der jetzige Mörsbach ist wie auch das Strommoerser Meer ein Überbleibsel davon. Noch zwischen 1155 und 1165 war dieser Arm so gut erhalten, daß der damalige Herr des nahen Gutes Strommoers, der Abt der Benediktiner Abtei Deutz, dort sein Schiff in die Nieder­lande besteigen konnte. Nach einer anderen Quelle[7] soll sich der Name Empel vom Namen des Baumes Ulme herleiten; aus "Ask" (Esche) und "Embla" (Ulme) sind nach der Edda die ersten Menschen hervorge­gangen; auch hier wird die Endung -pel als Sumpf, Flaches Gewässer, Pfuhl gedeutet.

Wer waren aber nun die frühen Bewohner dieses "am Wasser gelegenen" Wohnplatzes? Der bekannte Niederrheinische Heimat- und Kirchenge­schichtsforscher Pfr.Dr.Mooren (Die alte und neue Erzdiözese Köln) schrieb schon im Jahre 1883 in den Annalen für den Historischen Nie­derrhein[8] dazu:

"In dem Striche zwischen Moers und Xanten lassen sich Spuren einer jetzt verschwundenen Markengenossenschaft, welche den Namen Buch­holtz (Boichholte) führte, aufs bestimmteste nachweisen. Urkundlich steht fest, daß es unter ihren Gerichtsgenossen freie Leute gab, welche behaupteten, keinem Menschen untertan zu sein. Daß sie von Uransiedlern abstammten geht aus folgendem hervor: Gelduba und Xan­ten waren durch die rheinabwärts führende Hauptheerstraße miteinan­der verbunden. Ohne Zweifel haben auch hier viele Urbewohner vor den andringenden Römern sich in die westwärts gelegenen Urwälder zurück­gezogen, um unter ihrem natürlichen Schutze den Sitten und Gebräu­chen ihrer Vorfahren nachleben zu können. Als eine solche abge­schlossene Niederlassung scheint Buchholtz aufgefaßt werden zu müs­sen. Aus der Natur der Verhältnisse ist anzunehmen, daß die Einge­sessenen, als die Römer im 3. und 4. Jahrhundert abziehen mußten, ihre Niederlassungen wieder mehr östlich nach dem Rheine hin ausge­dehnt haben. Denn zur Markengenossenschaft Buchholtz gehörte u.a. auch das östlich gelegene Dorf Repelen mit einer der ältesten Pfarr­kirchen der Gegend, ferner ein großer Teil der Grafschaft Moers, ferner Stromoers, Menzelen, wahrscheinlich auch Rheinberg, Bönninghardt, Kloster Camp, Neukirchen, Vluyn, Alpen, Issum, Bauer­schaft Wolfshag bei Winnenthal, zudem Teile des alten fränkischen Haupthofes bei Birten, auch die Bauerschaft Boichholte bei Geldern usw. Die Franken nahmen, als sie die Römer vom Niederrhein verdräng­ten, die verlassenen Landgüter für sich in Anspruch, überließen da­gegen die nicht urbar gemachten Strecken und die Gemeindegründe den Eingeborenen. So ist es erklärlich, daß wir an der Römerstraße nach Xanten zu eine Reihe kleiner gutsherrlicher Gerichte antreffen, wel­che offenbar aus den Gütern entstanden sind, die aus römischen in fränkische Hände übergegangen waren. Zwischen Uerdingen und Xanten trifft man nachweisbar solche Gericht zu Hochemmerich, Friemersheim oder Asterlagen, Capellen (judicum Capellae St. Ludgeri), zu Ruberg, Bensheim, Blitz, Eversael, Winterswick, Ossenberg, Borth, Wallach, Veen u.a. Dagegen wird im Westen der ausgedehnte große Gerichtsbe­zirk im Buchholtz, und zwar nicht als Forum für gutsherrlich Hörige, sondern als Volksgericht im vollen Sinne des Wortes angetroffen. Nach altgermanischer Sitte hatte es seinen Sitz im Freien, woher sein Name `ter Eke' (zur Eiche) rühren mag.".. ...."Die Einwohner oder Markengenossen von Buchholtz können zu den Nachkommen von Höri­gen schon deshalb nicht gerechnet werden, weil sie bis ins Mittelal­ter, noch im 13.Jahrhundert, nachweisbar eine durchaus selbständige, von jeder Gutsherrschaft unabhängige Volksgemeinde bildeten."...  ..."Von großer Bedeutung ist die Erscheinung, daß Bewohner des Nie­derrheins in vielen Urkunden von sich selber bezeugen, daß sie und ihre Nachkommen sich unter den Schutz eines Heiligen begaben und sich in Dankbarkeit verpflichteten, einer ihm geweihten Kirche eine bestimmte jährliche Abgabe, gewöhnlich in Wachs zu entrichten. Die Schenkungsgeber betonten dabei ausdrücklich, daß sie von freier Ab­kunft, Freigeborene sind." .... "Wenn wir in der Markengenossen­schaft Buchholtz viele Zinspflichtige der heiligen Jungfrau Maria und ihrer Kirche zu Kloster Camp urkundlich antreffen, so rührt dies nur daher, weil sie sich selber als solch bekannt haben."  soweit Pfarrer Mooren.

Trotz dieser möglichen Erklärung liegt die genaue Geschichte des Wohnplatzes Empel und seiner frühen Bewohner im Dunklen. Daß es sich um einen Wohnplatz bzw. um eine zusammenhängende landwirtschaftlich Nutzfläche handelte, die im frühen Mittelalter als ein Ganzes gero­det und kultiviert worden war, läßt sich schon aus dem Begriff "Impelsches Feld" entnehmen, der nicht als Name eines einzelnen Ac­kers sondern als Oberbegriff und Ortsangabe benutzt wurde[9]. Die Form als geschlossener Wohnplatz muß aber schon vor 1300 aufgebrochen sein und ihren Niedergang gefunden haben; möglicherweise durch Grün­dung der nahen Stadt Rheinberg im Jahre 1232, die sicherlich etliche Familien dazu brachte ihr Landleben aufzugeben und in die aufkei­mende Siedlung zu ziehen. Auch weist die Bezeichnung "Impelscher Zehnt" auf einen Zehntbezirk, auf eine fest umrissene Anbaufläche hin, aus der der Zehnt geschöpft wurde und dem durchaus ein "Hof ter Impel" vorstehen konnte. Hatte auf diesem Hof vielleicht einmal die Zehntscheune gestanden, als der Zehnt noch vom Xantener Stift selber erhoben wurde? Das Viktors-Stift in Xanten war noch 1447 Eigentümer dieses "Impelschen Zehnten" und verpachtete die Nutzungsrechte an diesem Zehnten jahresweise[10]; später ging das Bestimmungsrecht an diesem Zehnten an die Abtei Camp, die die Einkünfte z.B. 1666 und 1667 an Johan Plis, oder 1757 an die Witwe Pliss vom Plisshof ver­pachtet hatte[11]. Johan Plis hatte als Pachtabgabe für den Impelschen Zehnten jährlich auf Martini in der Abtei abzuliefern:

 Roggen 7 Malter 

 Weizen 2 Malter     

 Buchweizen 5 Malter  

 Gerste 3½ Malter    

 Hafer 3 Malter      

 Erbsen ½ Malter     

 Rübsamen 1 Spint     

   

Es finden sich auch tatsächlich Erwähnungen als "Wohnplatz Empel", teilweise in Zusammenhang mit den Gütern Plissenhof, Wietjeshof und Molenveld, die zusammen mit Impelmann diesen Wohnplatz bildeten, oder mit unbestimmter Hofnennung (z.B. "Hof in Empel").  Die Abtei Camp hatte 1256 den Deutzer Abteihof Strommoers erworben und mußte stark am Erwerb von Ländereien interessiert sein, die einerseits Strommoers direkt benachbart und andererseits auch in unmittelbarer Nähe des Klosters lagen; die Geschichte des Wohnplatzes Empel, ins­besondere die des "Hof ter Impel" ist darum eng mit der Geschichte des Klosters verbunden. Trotz reichlich überlieferten Akten- und Ur­kundenbestandes bleiben aber viele Zusammenhänge zwischen Kloster und Wohnplatz ungeklärt, sicher ist aber, daß die Abtei Camp im Laufe der Geschichte das Eigentumsrecht an verschiedenen Liegen­schaften, darunter dem Impelmannshof erlangen konnte. Bisher liegen dazu zwei mögliche Daten vor. Im Jahre 1292 kaufte die Abtei Camp "unseren Hof in Empel bei Stromoers"[12], wobei es sich wahrscheinlich um den Impelmannshof handelte. Eine weitere Erwerbungsmöglichkeit liegt in dem Tauschgeschäft, daß das Kloster Camp am 24.2.1306 mit der Äbtissin des Stiftes Essen abschloß[13]: Gegen Güter in Baerl, Walsum und Mülheim/Ruhr erhielt Kamp "eine Hufe aus dem Hof in Empel nebst einigen Ländereien bei Rheinberg" (in anderer Quelle[14] des gleichen Vorgangs: das Gut in Empel mit allem Zubehör, das außerhalb Rheinbergs liegt); auch hier kann der Impelmannhof gemeint sein. So unsicher nun auch alle Angaben sind, als wahrscheinlichstes Datum gilt noch immer der Kauf aus dem Jahre 1292 der uns in der Camper Chronik überliefert wird aber zu dem keine Urkunde existiert. Hatte der Eigentümer auch gewechselt, so blieben die eigentlichen Besitz­verhältnisse -sprich: Lehen oder Leibgewinn- davon völlig unberührt. Leheninhaber (hier vielleicht auch Bauer) des Landes und wohl auch des Hofes waren damals die Brüder Bernhard und Geneken von Mühlen­feld (de Moleveld): Theoderich, Graf von Moers, befreite auf Bitten Bernhards von Molenvelde und dessen Bruders Genekin[15], mit Zustim­mung seiner Gemahlin Margaretha, die Güter von Empel auf welchen Genekin saß[16], von seiner Gerichtshoheit und seinen sonst auf ihnen haftenden Rechten, vorbehaltlich jedoch des Hochgerichts und Blut­bannes[17]. Dieser Genekin war anscheinend recht einflußreich und auch Mitbesitzer an anderen Höfen des Wohnplatzes Empel. Als 1320 auf Plissenhof der Verkauf des Luttellynmoyllenueld-Hofes[18] (Lüttelmolenfeld) mit allem Besitz und einer daraufliegenden Mühle durch Sweder von Vriemershem an den Abt von Camp getätigt wurde, be­durfte dieser Akt der Zustimmung der Ehegattin, der Witwe des Genekin, und deren gemeinsamer Tochter Konigunde. Möglicherweise finden wir einen Lehensnachfolger in dem Knappen Heinrich von Alpen, aus dessen Händen der Hof 1337 an Gerhard de Hesa unterbelehnt wor­den sein kann. Diese Interpretationsmöglichkeit bietet nämlich fol­gende Urkunde: Heinrich von Alpen, Knappe, belehnt Gerhard de Hesa mit dem Hofe zu Hees (ter Hese), mit den Gütern Tilmans an der Hesa, desgleichen mit dem Hofe den der blinde Geneken besitzt (besaß!?), mit den Gütern ter Vore, mit den Gütern opper Louwen, die Henrikus ten Torne innehat und die der verstorbene Arnoldus de Hesa von Jako­bus de Empel gekauft hat, sowie mit den Gütern zu Drüpt[19]. Als Lehen muß der Hof zu Empel dann weitergereicht worden sein bis er an die Familie von Götterswick gelangte. Diese finden wir als Lehennehmer schon 1256 in der Gegend um Empel. 120 Jahre später, am 5.1.1371, vergaben Vater und Sohn, Everwijn und Arnold von Götterswick, den Hof "ter Impel" im Land Köln und Mörs und in der Herrschaft von Nie­derbudberg gelegen an den Neffen Hermann von Braibeek als Lehen. Va­ter Everwijn von Götterswick -bis dato eine unbedeutende Kleinadels­familie aus dem gleichnamigen Dorf am rechten Rheinufer-  heiratete die Erbin der Grafschaft Bentheim und verschaffte seiner Familie da­mit einen glänzenden Aufstieg. Die Ortsbezeichnung Niederbudberg läßt einerseits die Grenzlage des Hofes erkennen und bezeugt darüber hinaus die ursprüngliche Größe des Budberger Gerichtsbezirks. Nach dem Jahr 1500 ist eine Vergabe des Impelmannhofs als Lehen nicht mehr genannt; das Gut wird anscheinend direkt von der Abtei als Leibgewinn vergeben. Möglicherweise war der Hof durch Teilung zu klein geworden.

 

 

FRÜHE NAMENSTRÄGER "EMPEL - IMPEL - YMPEL"

 

Bei der Suche nach den Bewohnern des Impelmannhofs, den Vorfahren meiner Familie, müssen wir uns auch den frühen Namensträgern "Impel, Impelman, van Impel" zuwenden.

Wir finden einem anderen Ort Empel (bei Rees am Niederrhein) einen Gutshof und eine Mühle, die in alten Urkunden erwähnt sind. Diese Familie von Impel ist Lehensträger der Grafen von Kleve, und wird auch Hönnepel von Impel genannt. In einer Urkunde des Xantener Stifts wurde am 24.7.1376 erwähnt: Yde, Witwe von Rutgher von der Ympel, und ihre Söhne, die Knappen Lutze und Johann von Hunipel. Lutze oder Lysse erhielt 1384 die o.g. Mühle zu Lehen, gemeinsam mit seiner Ehefrau Katharina von der Ahr. Den Gutshof hatte er wohl erst später erhalten, eine schriftliche Erwähnung findet sich 1423. Als klevischer Lehensmann nahm er mit seinem Bruder Johann an der großen Lütticher Fehde teil. Im Fehdebrief von 1406 heißt es: Herr Luesse von der der Empel, Ritter, und Johann von der Empel, sein Bruder.

Interessant an dieser Familie ist, daß sie zusätzlich Ländereien nahe unsere Ort Empel in der Grafschaft Moers bessen hat. Diese Län­dereien werden in einer Rheinberger Urkunde von 1399 erwähnt und la­gen im alten Gerichtsbezirk "ingen Bucholt". Ritter Lysso von der Impel gab diese Ländereien im Jahre 1400 dem Grafen von Moers als Pfand. Zwischen dieser adligen Familie und dem "Hof ter Impel" bei Repelen sowie unseren Vorfahren konnte ich nur eine örtliche Über­einstimmung feststellen. Sollte da eine tatsächliche Verbindung be­stehen, so wäre sie weit vor dem Jahr 1400 zu suchen; allerdings fehlt auch von dieser Adelsfamilie vor dem Jahre 1376 jeder Hinweis. Später finden sich Nachfahren davon in den Herrn von Diepenbroich genannt von der Impel.

Neben den anderen Orten in denen "Impel's" leben finden wir in Neuß einen Peter Impel (Ympel), im Jahre 1485 als Kuchenbäcker und Schöffe, und im Jahre 1522 als Weinzapf erwähnt. Von 1493-1512 war er sogar Bürgermeister; ein Johan Impel wird als Weinzapf und für die Jahre 1509-1517 als Schultheiß genannt.

Auch im nahegelegenen Orsoy fanden sich zum Ende des 16.Jahrhunderts ebenfalls Namensträger mit Namen Impelman Nach einem Stadtbrand be­stand im Jahre 1595 die Notwendigkeit ein neues Bürgerbuch anzulegen und es wurde für das dortige Gruitviertel ein Mr (Meister?) Thönnies Impelman als Bürger und im Rheinviertel ein Friedrich Impelman als geborener Bürger, wahrscheinlich ein Sohn des Meister Anton, einge­tragen. Ein anderer, Derich Impelman, ging von "Orsoy im Lande Kleve" nach Cölln an der Spree. Er wurde dort 1565 Bürger; dessen Sohn wiederum erhielt dort dort 1590 die Bürgerrechte.

Einen anderen Namensträger, einen durchaus denkbaren Vorfahren, fin­den wir am 18.8.1320 in "Jakobus de Empel", als Zeuge eines Vertra­ges[20]; scheinbar war er ein sogenannter "Freier" der aus der Gegend stammte -dieser Vorname wurde in unserer Familie noch öfter benutzt. Jakob  wurde auch in einer Urkunde des Jahres 1337 erwähnt[21].

Knapp 70 Jahre später, am Weihnachtsabend 1405 wurde eine Urkunde ausgestellt, von der ich überzeugt bin, daß sie das erste sichere schriftliche Zeugnis von Bewohnern des Impelmanhofes und dazu die erste schriftliche Nennung unserer Vorfahren ist. Der Inhalt dieser schlecht erhaltenen Urkunde lautet:                       
"Die Geschwister Gerit, Jakob, Arnd, Johan, Griete und Mechelt von Empel
entsagen auf die dem nichtgenannten Abt und dem Konvent des Zisterzienser Klosters zu Camp, Diözese Köln, von ihrer Muhme (muyme) Bela  von Empel; zugewendeten Renten usw. und bekennen sich für ihr Geschlecht und ihre Nachkommenschaft als Hörige und Wachszinsige der Abtei Camp und verpflichten sich für Heiratslizenz 6 Pfennige Rheinberger Währung an die Küsterei des Klosters zu zah­len, ferner bei jedem Todesfall in der Familie, wenn der Gestorbene über 12 Jahre alt ist [Volljährigkeit!], als Kurmede das beste Kleid, vorbehaltlich der Wiedereinlöse mit 2 Schilling Rheinberger Währung.     Am heiligen Christabend 1405."  

Mit dem Siegel Gerhards  von Empel;; das Siegel Jakobs war ebenfalls angehängt, ist jetzt verschwunden.[22]

Es gibt keinerlei eindeutigen Beweis, daß diese Geschwister von Empel vom Hof stammten oder ein Zusammenhang mit unserer Familie be­steht, allerdings bin ich persönlich davon überzeugt, daß wir es hier mit Verwandten zu tun haben, denn verschiedene Anhaltspunkte deuten darauf hin. Hätte es sich um Mitglieder der Adelsfamilie Ho­ennepel von Empel gehandelt, wäre mit Sicherheit die Urkunde pompö­ser ausgefallen, -zumindest wäre die Herkunft der Personen deutlich herausgestellt worden. Anders die Bewohner des Impelmannhofes. Sie sind (noch) "Freie", leben auf dem klostereigenen Hof, dessen Namen sie tragen, in direkter Nähe der Abtei. Es liegt eigentlich auf der Hand, daß gerade diesen Leuten die Wachszinsigkeit entsprechend schmackhaft gemacht werden konnte. Wie schon Pfarrer Mooren in sei­nem Artikel schrieb (s.o.) fanden sich tatsächlich bis in diese Zeit dort Menschen die persönlich vollständig frei waren. Ein weiteres Indiz sind die Vornamen der Geschwister und deren Reihenfolge. Es handelt sich exakt um die Namen, die auch später über Jahrhunderte hinweg in unserer Familie üblich waren. Der Name des erstgenannten und wahrscheinlich damit ältesten Bruders, Gerrit, finden wir später in unserer Familie immer wieder als Namen des erstgeborenen Jungen. Besonders interessant ist aber die Abbildung auf dem Siegel des Ger­rit von Empel: neben einem kleinen Stern findet sich dort ein großer Winkel. Diesen Winkel finden wir später in abgewandelter Form bei der Unterschrift des Gerhard (III.) Impelmans, der zwei gekreuzte Winkel mit kleinem Mittelstrich als Hausmarke ausführt, und dann wiederum abgewandelt bei Arnold (I.) Impelman, der eine Obligation mit seiner Hausmarke unterzeichnete: zwei gekreuzte Winkel, ohne Mittelstrich aber mit zusätzlichen Haken, ähnlich einem Hakenkreuz. Die Wahrscheinlichkeit, daß die in der Wachszinsurkunde genannten Geschwister vom Hof stammen und unseren Vorfahren zuzurechnen sind, ist meiner Überzeugung nach sehr groß.

 

 

ZUR BEDEUTUNG DER WACHSZINSIGKEIT AM NIEDERRHEIN

 

Gerade am Niederrhein finden wir in besonders hohem Maße das Phäno­men der Wachszinspflichtigen, einer besonderen Form von Hörigkeit, obwohl gerade hier der Anteil der persönlich freien Menschen recht hoch war. Laut W.Holland[23] gab es dafür zwei Hauptgründe: Zum ersten den Schutz vor Repressalien und willkürlicher Ausbeutung durch die Obrigkeit. Die wachszinspflichtigen Menschen, gerade die Armen, ge­nossen als "Eigentum" eines Heiligen oder eines Gotteshauses beson­deren Schutz[24]. Übergriffe konnten mit hohen Kirchenstrafen belegt werden. Ein anderer Grund war ein überzogenes Frömmigkeitsdenken. Zum Erwerb himmlischer Güter, als Dankbarkeitbeweis für himmlische Hilfe, als Erfüllung eines Gelübtes usw. schenkte man sich und seine Nachkommen auf ewig an die Kirche, an einen Altar oder an einen Hei­ligen. Die Wachszinsigkeit war absolut klassenlos wir finden unter den Hörigen selbst regierende Fürsten oder Geistliche wie beispiels­weise 1225 den Erzbischof Engelbert von Köln. Voraussetzung zur An­nahme als Wachszinspflichtiger war die persönliche Freiheit. Nur ein Mensch der frei von aller anderen Hörigkeit und persönlicher Ver­pflichtung war konnte sich der Kirche schenken. Menschen die in Hö­rigkeit standen mußten vorher in einem Rechtsakt freigelassen wer­den, der in aller Form und in Anwesenheit der örtlichen Schöffen stattfand. Später ging sogar die Kirche aus wirtschaftlichen Gründen dazu über, einen Großteil ihrer Eigenhörigen in Wachszinspflichtige umzuwandeln. Ein vollkommen Höriger konnte selber kein Eigentum er­werben, denn aller Besitz fiel bei seinem Tod an den Leibherrn was mit Sicherheit kein Ansporn für hohe Produktivität war. Im Gegensatz dazu war die Todesfall Abgabe aus der Wachszinsigkeit heraus wesent­lich niedriger und die Familien hatten Gelegenheit Eigentum zu er­werben und "Vermögen" zu bilden.

Waren nun alle Voraussetzungen erfüllt, gingen die Menschen, die die Wachszinsigkeit anstrebten, zur entsprechenden kirchlichen Stelle und ließen dort ein Dokument über ihre Verpflichtung aufsetzen. Sie selber erhielten ebenfalls eine Ausfertigung dieses Briefes um über­all ihren Rechtsstand beweisen zu können. Die Dokumente wurden ge­siegelt und oftmals schloß sich noch ein feierlicher Akt in der Kir­che an, bei dem als Schenkungssymbol die Hand auf den Altar gelegt wurde[25]. Die Schenkung hatte, wenn auch die direkten Abgaben recht mäßig waren, weitreichende Folgen. Das Hörigkeitsverhältnis aus dem Wachszins erstreckte sich fortan (ewiglich) auf alle Nachkommen der schenkenden Person sobald diese volljährig geworden waren, was bei Knaben immerhin schon mit Erreichen des 12. Lebensjahres der Fall war. Da diese Vererbung immer über die mütterliche Linie lief, waren die Kinder aus der Ehe eines Freien mit einer Wachszinspflichtigen unfrei, dagegen die Kinder eines Wachszinpflichtigen mit einer Freien, frei. Für die Nachkommenschaft bestand keinerlei Möglichkeit aus dieser Verpflichtung befreit zu werden, ausgenommen der Freilas­sung.

Die Verpflichtungen dieser Wachszinsigkeit bestanden in der Regel aus Kopfzins (jährlich) sowie der Kurmede im Sterbefall und der sehr seltenen Abgabe für die Heiratserlaubnis. Wurden bei ehemaligen Hö­rigen die in die Wachszinsigkeit überführt worden waren bestimmte Standardwerte benutzt, konnten diejenigen, die sich vollständig freiwillig in die Wachszinsverpflichtung eingebracht hatten, ihre Abgaben selber bestimmen. Eine Vergünstigung bestand noch darin, wenn das Familienoberhaupt den Zins für die gesamte Familie gesam­melt abgeben durfte. Ein recht seltener Sonderfall war, wie auch im Jahr 1405 bei den Geschwistern von Empel, von einer jährlichen Ab­gabe abzusehen. In der Abtei Camp ging der Zins immer an die Küste­rei an der Klosterpforte (Kirche zur Pforte) zu den Terminen 8. und 14. September. Überbrachte man die Abgabe ursprünglich als Naturalie zur Beleuchtung der Altäre, wurde sie doch schon im 14./15. Jahrhun­dert üblicherweise mit Geld abgelöst. Einen gewaltigen Pferdefuß hatte die jährlich Abgabe schon. War die (wenn auch nicht übermäßig hohe) Leistung aus welchem Grund auch immer in drei aufeinanderfol­genden Jahren nicht erbracht worden, was bei den durch Natur- und Kriegsereignisse stark schwankenden bäuerlichen Einkünften nicht un­gewöhnlich war, so verfiel der Wachszins­pflichtige "aus Strafe" der vollständigen Hörigkeit.

Trat in einer Familie ein Sterbefall einer volljährigen Person (ab 12 Jahren) ein, verfiel das "beste Stück" der Kirche. Nachdem an­fänglich das "Beststück" aus dem Besitz der verstorbenen Person ge­nommen worden war, erstreckte sich später der Zugriff auf das Eigen­tum der ganzen Familie. Als Beststück kamen unter Berücksichtigung damaliger Wertvorstellungen in der Regel nur Vieh oder Textilien in Frage. Pferd und Waffen blieben fast überall durch landesherrliche Vorschriften davon ausgeschlossen, die Landesverteidigungfähigkeit durfte nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Fiel eine abgabe­pflichtige Familie damit auf, daß sie statt des besten Stückes nur eine minderwertige Gabe brachte, so galt das als Betrug an der Kir­che bzw. des Himmels; das minderwertige Stück wurde ersatzlos einge­zogen, die Gabe mußte erneut gebracht und Kirchenstrafen konnten verhängt werden.

Die nur selten getroffene Vereinbarung einer Abgabe bei Erteilung einer Heiratslizenz finden wir in Kloster Camp schon in einer Ur­kunde des Jahres 1160. Damals wurde exakt die gleiche Summe von 6 Pfennigen gefordert wie 1405 in der Urkunde der Geschwister von Em­pel.

Wachszinsige waren mit anderen Hörigen tauschbar. Es spielte dabei keine Rolle, ob beide Teile wachszinsig waren oder ob ein Tauschob­jekt voll eigenhörig war. In letzterem Fall erfuhren die Tauschob­jekte jeweils eine Verbesserung oder Verschlechterung ihrer Rechts­situation. Der Wechsel war aber abhängig von der Zustimmung der zu vertauschenden Personen; er erstreckte sich nicht auf die Nachkom­menschaft. Die legale Ausscheidung aus der Wachszinsverpflichtung konnte in dreierlei Form erfolgen: einmal in das Verhältnis als Dienstmann, wobei nur alle Abgabeverpflichtungen gestrichen wurden, aber die Wachszinsigkeit für die Nachkommenschaft weiter bestand. Die Gründe dafür waren oftmals persönlicher Gunsterweis, Dankbar­keit, oder der Wunsch der Kircheneinrichtungen, selber ein gottge­fälliges Werk zu tun. Des weiteren konnte ein Abhängiger in die vollständige persönliche Freiheit entlassen werden. Zum dritten gab es den Loskauf des Abhängigen, vorausgesetzt die Kirche war damit einverstanden. Der Wegzug oder die Flucht in eine Stadt konnte die Wachszinsigkeit nicht beenden. Auf Grund landesherrlicher Verordnun­gen wurde zwar oftmals die Abgabenlast bei der Kurmede gemildert, in der Regel jedoch nicht aufgehoben. Eine Ausnahme bildet da jedoch Rheinberg. Zur Stärkung seiner Stadt befreite der Erzbischof 1254 alle wachszinspflichtigen Neubürger aus ihrem Abhängigkeitsverhält­nis.

Mit der Wende zum 16. Jahrhundert ist die Wachszinsigkeit überholt und wird von der Reformation vollständig weggefegt. Das mächtige Stift Xanten legte letztmalig im Jahre 1546 eine Liste seiner Wachszinspflichtigen vor, die nur noch wenige Einträge enthielt. Noch im Jahre 1430 besaß allein das Stift Xanten in Repelen 32, in Budberg 18, in Eversael 3 und in Rheinberg 71 Wachszinspflichtige.

 

 

DER WOHNPLATZ "EMPEL" UNTER REPELEN

 

Der Impelmanhof oder auch "Gut ter Impel" genannt hatte früher, d.h. vor 1300, sicher eine besondere Bedeutung. Die Benutzung des Be­griffs "villa" für diesen Hof in einem Dokument von 1306 (Urkunde 302) deutet auf einen Oberhof oder Fronhof hin, auf einen Hof von dem aus andere kleinere Höfe verwaltet wurden; möglicherweise stand diese Bedeutung im Zusammenhang mit dem Impelschen Zehnt. Durch häu­figen Besitzerwechsel und Aufspliss wegen Überschuldung verlor der Impelmanhof gegen Ende des 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts stark an Bedeutung. Die letzten Reste wurden zwischen 1790 und 1850 zerteilt. Trug bis dahin der Wohnplatz seinen Namen, Empel, Impel oder Impelsches Feld, trat stattdessen zu Beginn des 19.Jahrhunderts der Name Kohlenhuck in den Vordergrund. Dieser Name erschien schon in der Karte von Tranchot und Müffling (1803-20) und erhielt auf dem Preußischen Urmeßtischblatt von 1843-44 noch die Bezeichnung "Bauerschaft". Zu dieser Bauerschaft Kohlenhuck oder Wohnplatz Empel zählten im Kernbereich folgende Höfe: Impelman, Wiedges, Pliss. Je nach Sichtweise lassen sich auch noch die Nachbarn Hausmann (nordöstlich), Mühlenfeld (südlich des Anraths Kanal) und Mühlen­bruchshof dazurechnen. Auf einer alten Karte[26] die zwischen 1698 und 1710 gezeichnet wurde, lassen sich die Besitzverhältnisse um 1700 genau ablesen und wir erhalten folgendes Bild:

 

1. WIEDGES ODER DER GROSSE KOOLENHOF

Während sich die Ländereien von Pliss auf zwei Schwerpunkte vertei­len, nämlich südöstlich und südwestlich, getrennt duch Mühlenfeld Grundstücke, nehmen die Ländereien des Wietges und des Impelmannho­fes nahezu den gleichen Platz ein. In schöner Regelmäßigkeit wech­seln sich die Grundstücke der beiden Höfe ab, fast jedesmal auch in gleicher Größe, so daß die Idee aufkommen kann, daß der Wietgeshof[27] -auch Weithijn genannt- möglicherweise durch Teilung aus dem Impel­manhof hervorgegangen ist. Allerdings muß das dann schon recht früh geschehen sein, denn Impelmanshof wurde 1292 an Kloster Kamp ver­kauft, während der Wietgeshof noch 1491 im Besitz des Grafen von Mo­ers war, der ihn an Sybert von Eyll verkaufte[28]. Wurde in einem Zeu­genverhör am 4.11.1606 Johan  Wiedges; als Impelmans Nachbar genannt, so wohnte spätestens zum Ende des 17.Jahrhunderts die Familie Kool auf Wiedgeshof[29] und es verdrängte der Name Kool in den nächsten 100 Jahren nicht nur die Erinnerung an Wiedges Hof, sondern er wurde prägend für den gesamten Wohnplatz. Schon 1618 wird im Prozeß um einen Schafdiebstahl[30] als Zeuge ein Jan Colen benannt der mit Si­cherheit aus der Gegend stammte; wegen der fehlenden Angabe des Wohnsitzes ist leider nicht sicher, ob sich nicht schon im frühen 17.Jahrhundert hinter dem Namen Wietgens ein Kohl verbarg. Am 21.Mai im Jahre 1760 fand eine Hofübergabe statt. Jan Kohl und seine Ehefrau Grietgen übergaben das Anwesen an ihren Sohn Johan und des­sen Braut Sibille Fiegen. Die anderen Kinder, Enneken, Lisbeth und Gerhard, der damals gerade im Felde war, wurden abgefunden. In die­ser Zeit besaß der Kohl Hof eine Größe von 105¼ Morgen 7½ Ruten; ei­ner späteren Größenschätzung nach, die ggf. geschönt war, läßt sich für den 7.2.1778 eine Größe von 133¼ festmachen. Eine alte Akte[31] aus den Jahren 1772-83 schildert den Versuch der Inhaber des "Kohlen Hofes", Johann Kohl und Lambert Kamann, Ländereien dieses Hofes, die vermeintlich an das Gut Strommoers geraten waren, zurückzuerkämpfen. Die Bauern beriefen sich dabei auf einen alten Kaufakt von 1569, der also damals schon über 200 Jahre alt war und in dem der Bauer Henrich Wietgens und seine "Huißfrauw" einen Streubesitz von 25 Mor­gen Land, alles im Bereich des Wohnplatzes Empel gelegen[32], von Wilhelm van der Leuwen und seiner Ehefrau Margarethe Speen aus Ca­pellen im Lande Geldern erwarben. In diesem Prozeß berief sich Kohl mehrmals auf diesen Vertrag den seine "Vorsassen" abgeschlossen hat­ten. Er verlor trotz anfänglichen Erfolges den Prozeß, weil die strittigen Grundstücke weder in der Natur noch auf Karten mit den in dem alten Vertrag geschilderten Ländereien in Übereinstimmung ge­bracht werden konnten. In einer anderen Akte[33] finden wir weitere Informationen aus dieser Zeit. Kohls Hof oder auch "der große Kohlen Hof am Impel" war Eigenbesitz des Bauern Johann Kohl und seiner Frau Sibilla, jedoch sehr hoch verschuldet. Als eine größere Summe Geldes notwendig war, mußte ein privates Darlehn mittels einer Obligation über 3333 Rtlr 20 St Berliner Münze bei der verwitweten Hofrätin Rappardt aufgenommen werden. Ältere Schulden bestanden bei den Ehe­leuten Tremöhlen in Höhe von 300 Dlr und bei einem Hochkommissar Schöpplenberg in Höhe von 3500 Dlr. Als drei Jahre später ein wei­teres Darlehn notwendig wurde, reichte es nicht mehr Ackerland als Sicherheit zu geben, sondern halbe Hof wurde als Versicherung gebo­ten. Die andere Hälfte hatte Kohl an seinen Nachbarn Kamann ver­kauft, der bereits schon längere Zeit mit auf dem Hof gewohnt und einen Teil bewirtschaftet hatte. Am 26.5.1783 nahm ein vereidigter Geometer die Teilung vor und teilte den Hof in zwei Teile gleicher Größe und Güte. Dabei waren als Gutachter vier "ackerverständige Zeugen" anwesend: Peter Hellen, Theodor Giess, Peter Himmelbachs und Gerhard Speemanns. Alle Ländereien wurden sorgfältig aufgezählt un­ter Angabe von Lage, Größe und Eigenart; auffällig: ein Rebengarten. Nach dieser Teilung besaß der Kohlhof nur noch eine Größe von 48½ Mrg und 13 Quadratfuß. Später lies Kohl ein Grundstück, das ihm bei Aufteilung der Repelener Heide im Werte von 550 Rtlr zustand, gegen einen Teil seiner Schulden verrechnen. Aus der Eintragung des Lambert Kamann (Caamann) und seiner Frau Annecken ins Hypothekenbuch erfahren wir den Preis den er an Kohl zahlen mußte, 6500 "Meursische" Taler. Auch Kamann mußte Geld aufnehmen. Er ließ eine Obligation zu Gunsten des Ehepaares Verhotzer aus Capellen ausferti­gen. Nur wenig später geriet Kohl wieder in die Fänge des Behörden­apparates. Verschiedene Ländereien waren nicht in den Grundbüchern aufgeführt und er sollte die Rechtmäßigkeit seines Besitzes nachwei­sen. Kohl wehrte sich verzweifelt und bot die Teilungsurkunde, alte Übergabekontrakte und Aussagen seiner Nachbarn als Beweismittel an. Auch wollte er eine eidesstattliche Versicherung darüber abgeben, daß die strittigen Ländereien seit weit über hundert Jahren von sei­ner Familie auf Kohls Hof besessen worden waren. Leider findet sich kein Vermerk über den Ausgang des Verfahrens. Heute besteht dieser Wiedges/Kool Hof noch unter dem Namen Metschenhof[34]. Dort waren vor wenigen Jahren bei Umbauten im Hause Ausschachtungsarbeiten notwen­dig geworden, die ein altes Kieselmosaik zum Vorschein brachten, ein Stück Geschichte des Wiedgeshofes. Aus dem Kohlhof ging auch der heutige Hermeshof hervor. Nach der Teilung der Ackerflächen bewohn­ten die Bauern Kohl und Kamann den alten Hof gemeinsam. Als Kohl aber schuldenhalber seinen Hofteil um 1794 an Friedrich Hermes aus dem Kirchspiel Friemersheim (* 1775 Hoch-Emmerich) verkaufen mußte, blieb Kamann im Altbau wohnen, während Hermes eine neues Hofgebäude südlich davon erbaute. Der alte Kohl Hof (Kamann) ging 1842 an Balthasar Meetschen über, dessen Nachkommen noch heute dort wohnen. Der "neue" Kohl Hof ist noch in Hermes' Familienbesitz, obgleich die Eigentümer auf Grund einer Weitergabe in weiblicher Linie heute Giesen heißen.

 

2. PLISSHOF

Der südliche Nachbar, Plisshof, lieh anscheinend einem Geschlecht von Rittern oder Landadligen seinen Namen, die namensmäßig -ohne di­rekten Bezug zum Hof- zwischen 1200 und 1350 genannt wurden. Dazu kam noch in den Jahren 1360-79 ein Abt des Klosters Kamp der sich Vullingus von Plize nannte und möglicherweise aus diesem Hof stammte. Schon im Jahre 1320 wurde der Hof, der noch heute seinen "Originalnamen" trägt, namentlich erwähnt, als dort am 19.8. Ver­kaufsverhandlungen über ihn und den südwestlichen Nachbarhof, den Lüttelmolenveldhof mit seiner Mühle stattfanden. Ob der Plissenhof ursprünglich der Abtei Deutz gehörte, was in einigen Quellen be­hauptet wird[35], konnte ich bisher nicht an Urkunden bestätigt fin­den. Obwohl er doch schon 1320 an das Kloster verkauft worden war, verzeichnet Dicks[36] nochmals einen Verkauf des Plisshofes im Jahre 1467 durch Vinzenz von Moers an das Kloster Kamp. Die Bewohner von Pliss waren wie Ihre Nachbarn Leibgewinnspächter, die in der Regel immer den Hofnamen trugen. Im Jahr 1606 wurde in einer Zeugenaussage festgehalten, daß "Geret zu Baecken uff Pliß Hoff wohnhaft in ver­gangenen bauw" war, daß also der Pächter, der im vergangenen Anbau­jahr(?) auf Pliss gewohnt hatte, Gerhard Baken gewesen war. Die Bau­ern auf Pliss Hof hatten entweder bessere Arbeitbedingungen oder ein besseres Geschick, sie treten im 17. und 18. Jahrhundert sogar ver­schiedentlich als Pächter des Impelschen Zehnten auf.

 

3. MÜHLENBRUCHSHOF

Der Mühlenbruchshof ist eine jüngere Gründung als Kate auf abge­splissenen Grundstücken des Impelmanhofes[37], erste Nennung 1719, ausgehend wohl auf die Zerteilung des Impelman Hofes im Jahre 1674. Der Träger der Hypothek die 1719 in Moers eingetragen wurde und da­mit erster (oder zweiter) Besitzer der Kate und deren Namensgeber ist Jan Mühlenbruch. Die Bewohner des Mühlenbruchhofes (Kate) haben anscheinend zusätzlich den Namen Impelman geführt, denn wir finden Jan als Bräutigam im Repelener Kirchenbuch als er am 25.November 1716 unter dem Namen Impelman die Enneken Horsten heiratete.

Eine weitere Ehe die sicherlich mit dem Mühlenbruchshof in Verbin­dung steht, ist Lambert Impelman, der am 17.2.1704 eine Trin Franßen heiratete, die ihm am 20.6.1704 eine Tochter Metgen schenkt. Er ist möglicherweise der Vater des Jan in einer zweiten oder dritten Ehe; anderenfalls kann er aber auch identisch sein mit dem Lambert Heckes der ebenfalls mit einer Trin Franßen verheiratet war und 1749 den Impelman Hof von der Abtei kaufte. In der Akte des Impelman Hofes[38] tritt am 29.3.1753 ein Lambert Impelman "sonst genannt Mullenbrucks" an das Kloster heran und bittet um Überlassung von

1. "alte Landmaeß des ganzen Hofes"

2. "die jüngere Vermessung desjenigen, waß vormahls darauß dem Mül­lenbruk verkauft worden".

 

4. MÜHLENFELD

Der Mühlenfeld Hof, südlich des Anrath Kanals und am Nordrand der Repelener Heide gelegen, war ursprünglich Rittersitz oder Sitz einer "freien" Familie und neben dem landwirtschaftlichen Betrieb noch mit einer Mühle, wohl einer Wassermühle, ausgestattet. Die Hofanlage mit der Mühle wurde wie schon bereits erwähnt im Jahre 1320 an das Klo­ster Kamp verkauft. Da die Mühle schon bald in Vergessenheit geriet, muß sie wohl als Opfer kriegerischer Auseinandersetzungen angesehen werden oder bei einer Naturkatastrophe zerstört und nicht wieder aufgebaut worden sein. Im der zweiten Hälfte des 18.Jhd war der Hof ein Leibgewinn des Hauses Winnenthal.

 

Auf die Frage, wie nun der Wohnplatz Empel konkret ausgesehen hat, kann die bereits erwähnte alte Karte gute Auskünfte geben. Diese Karte ist so genau gezeichnet, daß man auch den Eintragungen der Hausplätze sichere Aussagekraft zugestehen muß. Danach bestand Wiedgeshof aus drei, Impelman aus zwei und Plißhof wieder aus drei Gebäuden. Bei diesen Bauwerken läßt sich ohne Zweifel genau erken­nen, was Haupt- und was Nebengebäude waren und in welcher Richtung der Eingang lag. In einer anderen Karte[39] die etwas später, anläß­lich der Teilung der Repelener Heide entstanden war, finden wir diese Behauptung bestätigt. Der Plisshof besteht auch dort aus einem Haupt- und zwei Nebengebäuden, wobei die Lage der Gebäude in beiden Karten identisch ist. Aus dieser etwa 80 Jahre jüngeren Karte erfah­ren wir, daß der Mühlenfeldhof damals nur aus zwei Gebäuden bestan­den hatte.

Bei den Hauptgebäuden handelt es sich immer um den Typus des soge­nannten freischiffigen niederrheinischen Hallenhauses, wo unter ei­nem First die Wohn- und Wirtschaftsräume, die Stallungen und ein Teil der Vorratsräume beherbergt waren[40]. Es handelt sich dabei um einen Gerüstbau im wahrsten Sinne des Wortes, dessen Fachwerkkon­struktion rein zweckmäßiger Natur und bar jeder Verzierung war. Alle Tragebalken waren aus Eiche, einer seltenen, teuren, aber zu diesem Zwecke notwendigen Kostbarkeit in der waldarmen Gegend. Die wenigen Natursteinbauten waren Luxus allererster Kategorie, mußten doch die Steine über einen beschwerlichen Transportweg aus der Eifel oder vom Drachenfels herbeigeschafft werden. Bis zur Mitte des 13.Jahrhunderts war es üblich, bei den Fachwerkbauten die Fächer mit Geflecht zu füllen und dieses anschließend mit einem Lehm-Strohge­misch zu verschmieren. Bauholzmangel und reiche Tonlagerstätten lie­ßen ab Mitte des 14.Jahrhunderts überall Ziegelöfen entstehen. In die herkömmliche Fachwerktechnik wurden die neuen Steinziegel inte­griert und es entstanden die Bauernhäuser mit den ausgemauerten Fachwerksfächern. Noch viel später, im 18. und 19. Jahrhundert kamen dann am Niederrhein die vollständig gemauerten Ziegelbauten in Mode, die jetzt fast ausschließlich zu sehen sind. Eine heute schon ver­gessene Erinnerung an die Zeit der Holz-Lehm-Häuser war die bis ins vorige Jahrhundert gepflegte Gewohnheit Ziegelbauten weiß zu kälken, kombiniert mit grünen Fenstern und Türen. Waren die mittelalterli­chen Bauernhäuser ursprünglich noch mit einem Strohdach versehen, hatten die gebrannten Dachziegel schon im 17. Jahrhundert einen all­gemeinen Durchbruch erreicht. Holzschindeln spielten eine unwesent­liche Rolle, während die teuren Schieferplatten den Kirchen und Bür­gerbauten vorbehalten blieben.

Befand sich an der einen Stirnseite der Eingang für den Wohnbereich, öffnete an der anderen Giebelseite ein großes Tor den Stall- und Speicherbereich. Dieses Tor führte auf die Tenne (Deele), eine Art von sehr breitem Gang, der mit einem Wagen befahren werden konnte und an dessen beiden Längsseiten sich die Unterkünfte für Pferde, Schweine, Rinder und das Gesinde befanden. Im Dachbereich dieses Ge­bäudeteils, er hatte 1/2 - 2/3 der Grundfläche des Hauses inne, wur­den Getreide und Futtermittel gelagert, den Rest der Fläche nahm der Wohnbereich ein. Betrat man das Haus durch die Türe in der Giebel­wand des Wohnbereichs, so befand man sich in der Regel in der Küche. Im Unterschied zu allen anderen Räumen des Hauses war der Fußboden hier traditionell mit einem Steinmosaik aus Rollkiesel gefertigt (s.Wiedgeshof), dessen Darstellung meist Bezug zum Erbauer des Hauses hatte. In dieser Küche befand sich die Herdstelle, ursprüng­lich ein ausgemauertes Loch im Boden, die sich dann zu einer in Ar­beitshöhe aufgemauerten Feuerstelle an der Rückseite zur Diele ent­wickelte, überwölbt vom Rauchfang, dem "Bussem". Später, in der Neu­zeit, verlagerten sich Küche und Feuerstelle oft in einen der Sei­tenteile des Wohnbereichs und seit dem Beginn des vorigen Jahrhun­derts wich die offene Herdstelle allmählich geschlossenen Herden. Von der Küche führten Türen in die Kammern und Stuben links und rechts davon. Hinter der Küche war oftmals die Spülküche, der Ort wo die Pumpe stand und wo das Viehfutter zubereitet wurde. Natürlich wurde dort auch Wäsche gewaschen und Käse und Butter hergestellt (Hundetretrad). Wanderte im Laufe der Zeit die Spülkücher immer wei­ter in den Stallbereich hinein, so verlagerten sich die Schlafkam­mern in entgegengesetzte Richtung und kündigen die Symbiose von Mensch und Tier auf. Gab es ein oberes Stockwerk, so waren dort in der Regel Schlafkammern, vor allem aber der Speicherraum zu finden. Dieser, allgemein "Söller" genannt, diente zur Aufnahme der Ernteer­träge: über dem Stall lagerte das Viehfutter, über dem Wohnbereich befand sich der Fruchtspeicher (Getreide). Wenn heute am Niederrhein vielfach Bauernhäuser in Haken oder T- Form zu finden sind, so han­delt es sich in der Regel um Bauwerke oder Umbauten des 18. und 19. Jahrhunderts. Die Nebengebäude auf den Höfen waren meist Scheune, Schuppen, Spiecker, Backhaus und Brauhaus, wovon die Scheune fast immer vorhanden war, denn hier wurden alle Feldfrüchte gelagert die keinen Platz im Haupthaus fanden; hier wurde auch das Getreide aus­gedroschen. An kleineren Nebengebäuden gab es verschiedene Ställe für Schafe und Geflügel oder auch den Pferdegöpel, eine Roß- oder Tretmühle, zu finden; seltener war schon ein Taubenhaus, der Tauben­pfahl. Gab es im Innern des Bauernhauses keine Pumpe, so war auf dem Hof ein Brunnen anzutreffen, in der Regel ein Wippbrunnen, wo ein Hebelbalken in einer Gabel ruhte. Dicht beim Haus der Gemüsegarten und der Baumgarten. Der Spiecker war ein befestigtes, oftmals etwas abgelegenes Speichergebäude, das auf kleiner Grundfläche hoch gebaut eher an einen Turm erinnerte. Meist lag er an erhöhter Stelle und konnte bei Hochwassergefahr Mensch und Tier aufnehmen (ähnlicher Zweck: das Wasserhaus). Oftmals war der Spiecker auch auf dem Kirch­hof des Ortes aufgestellt, um in den vollen Schutz der Kirchenimmu­nität zu kommen. Eine Eigentümlichkeit des Wohnplatzes Empel war die Sicherung der Höfe durch Wassergräben, die den vorüberziehenden Heerhaufen den Appetit auf leichte Beute stark verdarb. Über eine Brücke war es jeweils möglich den Hof zu betreten oder den Zugang zu verhindern. Das diese Art der Sicherung früher oft geübt wurde, läßt der Bericht von A.Steeger erkennen[41] sowie die Ausführungen von A.Zippelius[42]: Es darf als erwiesen gelten, "daß einmal im ganzen niederrheinischen Raum zu dem Gebäudebestand eines mittleren Bauern­hofes jeweils ein mehr oder weniger isoliert stehendes Speicherge­bäude gehörte, und daß dieses in vielen Fällen durch einen Rundgra­ben und durch weitere künstliche Anlagen befestigt war, und daß dar­über hinaus auch teilweise der ganze Hof durch Gräben und Einfrie­dungen nicht nur in einem abgrenzenden, sondern auch in ausgespro­chen wehrhaften Sinne umschlossen war."

 

 

AKTENMÄSSIGE ERWÄHNUNG DES HOFES

 

Im Aktenbestand des ehemaligen Klosters Camp, der heute im Haupt­staatsarchiv in Düsseldorf lagert, findet sich auch eine umfangrei­che Akte die ausschließlich Unterlagen des Impelmanhofs enthält[43]. Das liegt vor allem daran, daß im Laufe der Zeit immer wieder Strei­tigkeiten und Prozesse um die recht hohen Abgaben und Hypotheken­schulden geführt worden sind und die Nachfolger unserer Familie auf dem Hof oft schnell abgewirtschaftet hatten und vom Hof gewiesen wurden.

Eine der ersten und immer wiederkehrenden Streitfragen war die Natu­ralabgabe von 6 Maltern Hafer, die Bestandteil der Einkünfte des Hof- und Baurichters (Vorsitzender des Latengerichts) in Rheinberg gewesen war. So soll noch im Jahre 1771 im Archiv der Kurkölnischen Hofkammer das Rheinbergische Latenbuch (an anderer Stelle: Lehnbuch) von 1466 vorhanden gewesen sein, in das der damalige (nämlich 1466) Baurichter Johannes von Drüpt seine Einkünfte eingetragen hatte, darunter auch die erwähnten 6 Malter Hafer aus dem Hof ter Empel der Herren zu Camp. Diese Eintragung wurde in den folgenden Jahrhunder­ten immer wieder als Grundlage des Anspruchs auf die 6 Malter Hafer genommen. Schon zu der Zeit unserer Familie auf Impelmanshof war kaum zu beweisen, das die Abgabe zu Recht bestand, und so weigerten sich die Bauern immer wieder diese Abgabe zu leisten. Mit der glei­chen Regelmäßigkeit bestätigte aber das Kloster die Rechtmäßigkeit der Abgabe und verloren die Bauern den Prozeß gegen den Richter. Eine Ausnahme machte aber ein Schriftstück aus dem Jahre 1694. Dort heißt es: "Über diese Malter zweifeln wir sehr, weil sich keine Er­wähnung derselben in allen Briefen (Pachtbriefe) gefunden hat, aus­genommen in dem dereinstigen Register des Jahres 1575 finden diese Erwähnung, also sollten wir es gewissenhafter untersuchen und nicht unverdient loslösen."

Zur Beweisführung in den verschiedenen Prozessen benötigte man Ab­schriften aus den Behandigungs- und den Lagerbüchern die Auskunft gaben, wer wann den Hof besessen und was als Abgabe abgeführt hatte. Durch diese Abschriften aus heute nicht mehr existierenden Büchern war es möglich, weit über die Kirchenbücher hinaus die Stammfolge der Familie Impelman klar und eindeutig aufzustellen.

 

 

GERHARD THO IMPELL I.

 

Dieser erste namentlich bekannte Impelman - Bauer wird mit seinem Sterbejahr 1541 erstmalig erwähnt. Er mag zwischen 1470 und 1500 ge­boren worden sein und war möglicherweise ein Urenkel des Gerhard von Impel der sich 1405 zum Wachszinsigen des Klosters Camp erklärt hatte. Seine Kindheit fiel in eine unruhige Zeit, denn Karl der Kühne, Herzog von Burgund, versuchte in einer gewaltigen kriegeri­schen Anstrengung eine Verbindung zwischen seinen burgundischen und seinen niederländischen Besitzungen herzustellen. 1473 kommen die Burgunder nach Camp und ins Moerser Ländchen und morden, rauben, plündern und schänden in so  außergewöhnlicher, auffallend grausamer Art, daß das Leben dort nachhaltig gestört war; Kontribution und Schatzungen hielten bis ins Jahr 1483 an. Als Karl von Burgund nun im Jahr 1477 gestorben war und der Sohn des Kaisers, Erzherzog Maxi­milian sein Erbe antreten wollte, geriet er darüber mit dem franzö­sischen König in Streit. Dieser, Ludwig XI., führte einen Seekrieg auf der Nordsee und raubte die niederländische (= damals also noch deutsche) Fischfangflotte mit der Folge, daß es im Rheinland in den Jahren 1479/80 für kein Geld das Volksnahrungsmittel Hering zu kau­fen gab.

1482 beraubte dreistes Diebesgesindel die Camper Mönche in ihrer Ab­tei; 16 Kelche, darunter einer aus massivem Gold, fielen ihnen in die Hände. Sie hatten eine Mauer durchbrochen um an die Wertgegen­stände zu gelangen während sie gleichzeitig die Mönche in ihrem Schlafsaal mit Schwert und Bogen in Schach hielten. Obwohl Raub und Mord an der Tagesordnung waren, war dieser Diebstahl so ungewöhn­lich, daß ein Tipgeber unter den Mönchen vermutet wurde.

Schon 1466 beklagte sich der Herzog von Kleve beim Grafen von Moers, daß auf der "Hohen Straße" (sicherlich nicht weit von Impels Hof) seine Untertanen geplündert worden waren.

Die Jahre 1483 und 1484 trugen wieder eine schreckliche Pestepedemie an den Niederrhein, von der auch Rheinberg und seine Umgebung nicht verschont blieben. Ob die Impelmanfamilie Pesttote zu beklagen hatte, ist nicht überliefert; im Kloster fand die Seuche jedoch ihre Opfer und neben verschiedenen Mönchen starb am 20.9.1483 der Abt Heinrich von Ray. Als Hilfsmaßnahme wurde schon um das Jahr 1400 in sogenannten Pestschriften gottesfürchtiges Leben, schnelle und weite Flucht aus den betroffenen Gegenden, häufiges Händewaschen sowie reichlicher Essiggenuß empfohlen.

Nur wenige Jahre später wird das Leben der Bewohner des Impelmanho­fes durch eine Naturkatastrophe ungeheuren Ausmaßes gestört. Mit sintflutartigen Wolkenbrüchen und Orkanen werden am Niederrhein bis nach England hin die Menschen geschlagen.

Unzählige Häuser, allein über hundert Mühlen werden zerstört. Rhein, Issel, Waal und Maas durchbrechen die Deiche. Möglicherweise war diese Katastrophe auch das Ende für die Mühle die zum Wohnplatz Em­pel gehörte und auf dem Gut Lüttelmolenfeld (Mühlenfeldhof) stand. Wahrscheinlich wurde auch in diesem Jahr (1486) das Dörfchen Ruberg bei Budberg vom Wasser verschlungen. Menschenmassen, entwurzelt und verarmt, durchzogen das Land, strömen in die Städte und stellten diese damit vor fast unlösbare Probleme. -War solch großes Elend überwunden, oder auch blutige Fehden beendet, wurden am Niederrhein unter Mitwirkung möglichst aller Pfarreien -ungeachtet der Landeszu­gehörigkeit- sogenannte "Viktorstrachten" veranstaltet. Hunderttau­sende von Pilgern, darunter sicherlich auch Bewohner unseres Hofes, einschließlich hoher Prominenz kamen in Xanten zusammen und beglei­teten die sterblichen Überreste des heiligen Viktors auf einer Pro­zession vom Viktorsdom bis zum Kloster Fürstenberg und wieder zurück nach Xanten. So auch 1487 nach Überwindung der Hochwasser Katastrophe. Der damalige Landesherr unserer Familie, Graf Vinzenz von Moers trug persönlich zusammen mit den Kollegen Landesherrn aus der Nachbarschaft den Schrein. Die späteren Amtsnachfolger des Gra­fen Vinzenz stellten die Teilnahme an der Viktorstracht unter Strafe, nachdem sie vom katholischen ins reformierte Lager gewech­selt waren. -Vinzenz von Moers beging einen großen Fehler als er sich in die Erbauseinandersetzungen um die Grafschaft Geldern des Hauses Egmont mischte. Er geriet zwischen die Fronten die vom deut­schem Kaiser, dem französischen König und dem Burgunderreich gebil­det wurden und mußte darum zur Abwendung drohenden Unheils beim Köl­ner Erzbischof um Asyl nachsuchen; dort starb er 1499. Zwischen dem Thronerben, dem Enkel Bernhard des Grafen Vinzenz umd seinem Schwa­ger, dem Grafen Wilhelm von Wied, Ehegatte der Maria von Moers, brach ein heftiger Streit um die Führung dieses kleinen Ländchens aus. Für die Nachkommen des alten Grafen Vinzenz endete dieser Streit tötlich: Maria verlor ihr Kind durch Totgeburt und starb selbst kurz darauf, ihr Bruder Bernhard wurde 1501 in Nimwegen ver­giftet. Durch Erbschaft fiel darauf die Grafschaft an die Grafen von Saarwerden, zwei ältere alleinstehende Herren, die wenig später von Wilhelm von Wied entthront wurden. Durch diesen Frevel beschwor Wil­helm Krieg mit Burgund sowie dem deutschen Kaiserhaus herauf, den er nur dadurch abwenden konnte, daß er die Regierungsgeschäfte im Jahre 1519 seinem Schwiegersohn Wilhelm von Neuenahr überließ.

Doch auch das Leben auf dem platten Lande bot Überraschungen und so bewegte 1503 ein Kriminalfall das Moerser Ländchen. Theodor Dairman, ein Mann aus Kempen, wurde am Tage vor Martini in Moers ergriffen und man fand die "Werkzeuge eines Brandstifters" bei ihm. Beim Ver­hör gestand er, in der Nacht vom 26. zum 27. Oktober 1503, ebenso wie am gleichen Tag im Jahre 1500, in Eversael die jeweils gut ge­füllte Zehntscheune des Klosters Camp angezündet zu haben. Es kam ans Licht, daß er dort einst Klosterdiener gewesen aber wegen angeb­licher Unehrlichkeit und Untauglichkeit entlassen worden war. Aus Rache war er nun aufs Zündeln verfallen. Im Sinne des damaligen Rechtsverständnisses wurde Feuer mit Feuer bestraft und der arme Sünder hatte darum an der Landstraße von Moers an einen Pfahl geket­tet den Feuertod erlitten. Selbstverständlich wurde größter Wert auf Öffentlichkeit gelegt, denn eine Hinrichtung war nicht nur recht kostspielig sondern sollte auch erzieherisch auf die Bevölkerung wirken, für Abschreckung sowie die rechte Demut und Gottesfurcht sorgen. Darum ließ man die hingerichteten Sünder in der Regel über etliche Jahre an der Hinrichtungsstätte liegen oder hängen, bis sie völlig verwest waren. Auch aus diesem Grund waren die Richtstätten immer an wichtigen Straßen und besonders herausragenden Plätzen an­gesiedelt. Unter den Zuschauern die im November 1503 teils neugie­rig, teils entsetzt der Hinrichtung des Theodor Dairman beiwohnten, dürfen wir mit ziemlicher Sicherheit auch die Bewohner des Impelman Hofes vermuten.

Das Ende des Mittelalters brachte Unruhe an den Niederrhein. Das alltägliche Einerlei wurde von immer neuen Nachrichten unterbrochen, die von Mund zu Mund weitergereicht wurden. - Der Bauernaufstand des Jost Fritz in Speyer, weitere unter der Fahne des Bundschuh am Ober­rhein bis hin zu den Bauernkriegen in Franken, Thüringen und Tirol. - Die Schweizer hattes es gewagt, sich vom Deutschen Reich loszusa­gen. - Eine päpstliche Bulle befahl die Verbrennung aller Bücher, in denen Zweifel an der päpstlichen Autorität laut wurde. - Züge von sich beständig selbst geißelnden religiösen Fanatikern durchzogen das Land; Johan Tetzel, Dominikanermönch, begann seinen berühmt-be­rüchtigten Ablaßhandel. - Eine dringendst notwendige Wirtschaftsre­form und die damit verbundene Brechung der Handelsmonopole schei­terte am Widerstand der gerade frisch geadelten Fugger. Kaiser und Reich waren so extrem hoch verschuldet, daß in der Politik nichts mehr ging, was den Interessen des Handelshauses Fugger zuwiderlief. - In diesen Jahren entstanden die Arbeiten von Macchiavelli und Ko­pernikus, Erasmus und Luther. Mit dem Thesenanschlag setzte die Re­formation ein, die gerade in der Grafschaft Moers auf Grund des En­gagements des Herrscherhauses eine Heimat finden sollte. Die Refor­mationsbedürftigkeit der innerlich stark verlotterten Kirche zeigte sich auch am Niederrhein, wo die Reformation aber bald eine stark niederländisch-calvinistische Prägung erhielt. Im Jahre 1538 über­trugen die Stände von Geldern dem Klever Herzog Wilhelm V., "dem Reichen", und seinem Vater Johann III. die Schirmherrschaft über die Länder Geldern und Zutphen. Dadurch bildete sich am Niederrhein kurzzeitig eine Großmacht, die zudem noch in finanzieller Hinsicht sehr gut gestellt war. Kleve betrieb zur Festigung seiner Herrschaft Heiratspolitik mit England, (Heinrich VIII. oo Anna von Kleve) und mit Frankreich (Herzog Wilhelm der Reiche oo Nichte des Königs Franz I.). Der deutsche Kaiser Karl V. wurde von der Entwicklung sehr stark in seinen Interessen gestört und ließ mit seiner Gegenreaktion nicht lange warten. Wilhelm V. von Kleve hätte ausreichend Hilfe beim Schmakaldischen Bund finden können, wenn er sich eindeutig und ohne Zögern zur Reformation bekannt hätte, doch war er dazu nicht bereit gewesen und stand darum im Feldzug von 1543 völlig allein dem Kaiser gegenüber. Nach kaiserlichem Sieg wurden die Großmachtträume Kleves mit dem Vertrag von Venlo beendet und Wilhelm fest in das kaiserliche Bündnissystem eingereiht. Seine Ehe mit der königlich-französischen Nichte mußte er lösen und erhielt dafür eine kaiser­lich-deutsche. Die Verbindung mit England hatte sich von selber er­ledigt, da Heinrich VIII. keine Begeisterung für Maria von Kleve entwickeln konnte und sie wieder nach Hause geschickt hatte.

 

Die großen Ereignisse jener Tage erreichten auch den "Hof ter Im­pel", lag er doch nahe der alten Römerstraße, der "Hohen Straße", die immer noch ihren Zweck als wichtigste Überlandverbindung er­füllte. Oft rasteten dort durchziehende Soldaten; so vielleicht als alliierte Truppenkontingente aus den verschiedensten Ländern des Reiches nach Münster zogen um die Bewegung der Wiedertäufer zu zer­schlagen, unter anderen auch aus Moers unter dem Grafen Wilhelm. Nachdem die Stadt erobert, die führenden Köpfe hingerichtet und de­ren Leichen in Eisenkäfigen außen an der Lambertuskirche[44] aufge­hängt worden waren, verfolgte man die versprengten Anhänger um der Bewegung jegliche Grundlage zu entziehen und so ließen der Kölner Erzbischof sowie der Herzog von Kleve leichte Reiterei über die wichtigsten Straßen des Niederrheins patroullieren. Gerhard to Impel stand am Ende seines Lebens und ist im Verlauf der Jahre 1540/41 ge­storben. Nur ein einziges Mal konnte ich eine aktenmäßige Erwähnung seiner Person finden, bei der Übertragung des Hofes an seinen Sohn. Dort steht, daß dem Gerhard to Impel, Sohn des Gerhard, der Hof im Jahre 1541 mit seiner Frau Margarita überschrieben wurde.

 

GERHARD THO IMPELL II.

 

Als nach nach dem Tod und der Beerdigung seines Vaters Gerhard ei­nige Monate ins Land gegangen sind, machte er sich mit seiner Ehefrau Margarita auf den Weg zum Kloster Camp, um sich dort vom Abt Johannes Ingenray "behanden" zu lassen; bekannt ist nur das Jahr 1541, Tag und Monat fehlen in den Quellen.

Die Landesherren und fast alle kirchlichen Institutionen besaßen Ei­gentumsrechte an Höfen, Mühlen, Gruben, Grund und Boden sowie Gewäs­sern in einer wesentlich größeren Zahl als zur Eigenversorgung benö­tigt wurden. Das Besitzer- d.h. Nutzerrecht an diesem Eigentum wurde darum als Gunstbeweis oder als Entgelt für Dienste oder zur Ver­pflichtung für den Kriegsfall weitergegeben. Gleichzeitig war mit dem Nutzungsrecht meist auch das Recht der Weitergabe an Dritte ver­bunden, was viel genutzt wurde, so daß bei Eigentumsverkäufen oft­mals etliche Zustimmungen von Belehnten und Unterbelehnten eingeholt werden mußten. Am Ende dieser Kette stand dann der Bauer, der die Arbeit machte und oftmals den eigentlichen Eigentümer gar nicht kannte. Fälle, in denen der Hof direkt vom Eigentümer vergeben wurde, wie vom Kloster Camp an die Bauern des Impelman Hofes waren nicht die Regel. So besaß z.B. das Rheinberger Kloster St. Barbara Garten nur wenig Grundeigentum; die Nonnen verpachteten mit Gewinn dasjenige weiter, was sie selber zuvor von anderen Klöstern gepach­tet hatten.

In jenen Zeiten ist der Hof ter Impel ein Leibgewinnsgut gewesen, das ist ein Pachtgut mit ganz besonderen Rechtsverhältnissen:

1. Das Nutzungsrecht an diesem Gut wurde auf die Dauer eines
   Lebens gewonnen.

2. Das Gut als Ganzes wurde in der Regel an zwei oder drei Perso-
   nen gemeinsam gegeben, war also für "zwei oder drei Hände zu
   gewinnen."
3. Starb eine Hand, so mußte eine neue in einer ganz bestimmten
   Frist dazu gewonnen werden, die i.d.R. 1 Jahr 6 Wochen betrug.
4. Bei der Neugewinnung einer Hand waren "Gewinngelder" an den
   Grundherren zu zahlen. Diese Abgabe konnte üblicherweise über
   mehrere Jahre hinweg in Raten gezahlt werden.
5. Durch die Einrichtung der Wiedergewinnungsmöglichkeit war die
   uneingeschränkte Vererbbarkeit des Gutes -nur als Ganzes- ge-
   geben.
6. Die einmal festgesetzten Pachten und Abgaben wurden auch im
   Neugewinnungsfall nicht erhöht; sie blieben oftmals über viele
   Jahrzehnte hinweg gleich, was im Laufe der Weiterentwicklung
   von Politik und Wirtschaft und den damit geänderten Verhält-
   nissen für die Vertragsparteien hohen Verlust oder guten Gewinn
   bedeuten konnte.
7. Die Leibgewinnsgerechtigkeit war käuflich und verkäuflich.
8. Im Sonderfall des Kurmudrechtes (oft bei Wachszins
igen) erbte
   der Grundherr das beste Stück aus dem Eigentum der Familie des
   Verstorbenen: meist ein Stück Vieh oder Textilien. Die Ablösung
   des Erbes mit Geld durch die betroffenen Personen war üblich.
9. Die Behandigung hatte feierlichen Charakter und wurde im Klo-
   ster unter Zeugen vorgenommen. Die "neue Hand" wurde dann in
   das "Liber Ammanuatiorum", das Behandungsbuch, eingetragen.
10.Grundbedingung im Rechtverhältnis zwischen Kloster und Bauer
   war die Verpflichtung das Land in guter Pflege zu halten,
   nichts zu verkaufen, zu zerteilen oder zu verpfänden.
11.Oftmals, daß zeigt sich auch im Verlauf unserer Familienge-
   schichte, durfte nach vorheriger ausdrücklicher Genehmigung
   durch Abt und Convent das Gut beliehen werden.
12.Es wurde im Moersischen Brauch, schon kleine Kinder oder Ju-
   gendliche an die Stelle Verstorbener setzen zu lassen um den
   nächsten Wiedergewinnungstermin möglichst weit hinaus zu schie-
   ben; bei der damaligen Kindersterblichkeit ein Glücksspiel.
13.Bei Neu- oder Wiedergewinnung wurden Schreibgebühren und Zeu-
   gengelder, sogenannte Jura fällig.
14.Ortsübliche Sitte gebot, daß der Bauer statt seines Familienna-
   men den des Hofes annahm. Verließ die Familie den Hof, so wurde
   wieder der alte Name benutzt oder der des neuen Hofes. Besaß
   eine Familie aber solch einen Hof über Generationen, so konnte
   es passieren, daß der ursprüngliche Name verloren ging. Diese
   Sitte wurde zu Beginn des 19.Jhd verboten.
15.War ein Bauer überschuldet und konnte er seine Pacht nicht mehr
   zahlen, so wurde er gepfändet und des Hofes verwiesen. Die häu-
   figen Kriegsschäden und Kriegslasten hatte der Bauer zu tragen.
   Das Kloster gewährte dann oft Stundung der Leistungen. In ex-
   tremen Notzeiten konnten die Bauern auch Hilfe des Klosters er-
   warten.

Als das junge Ehepaar in das Behandungsbuch eingetragen war, führte der Abt noch einmal alle Äcker und Grundstücke des Hofes auf. Neben dem eigentlichen Ackerland gab es Benden (Weideflächen) sowie Schlagholz am Impeler Berg (Buschgewächs zum Heizen und Kochen); auf dem Hausplatz befanden sich die Hofgebäude mit daran anschließendem Garten und Bongart (Obstbaumgarten). Die Größe konnte der Abt auch nicht nennen, die erste bekannte Vermessung auf Impelman und den Nachbarhöfen fand erst gute 150 Jahre später statt, im Jahre 1693, nachdem der Hof schuldenhalber geteilt und einige Ländereien abge­trennt verkauft worden waren. Dort war er immerhin noch 131 Morgen groß. Dann kam der Abt zu einem heiklen Thema und erinnerte seine Leibgewinnsleute daran was sie an wen pünktlich zu Martini vom kom­menden Jahr an zu zahlen hatten[45]:

 

1.Dem Kloster Camp

7 Malter Roggen, 5 Malter Gerste, 1 Malter Buchweizen; oft er­wähnt aber immer umstritten: die Abgabe der III. Garbe, eine Art Umsatzbeteiligung am Ertrag der Getreideernte.

2.Der Kirche zu Nieder Budberg

Jährlich 9 Stint Roggen Moerser Maß, für zwei Morgen Land.

3.Der Kirche zu Repelen

Jährlich einen Malter Roggen.
4.Dem Baurichteramt in Rheinberg

Jährlich 6 Malter Zinshafer. Diese Abgabe war umstritten und ist nicht immer gezahlt worden.

5.An den Landesherrn nach Moers

1 Rauchhon; 5½ Stüber vor wachtgelt; ½ meyhammel, in gelt 38 stüber. Das Rauchhon ist ein "Schornsteinhuhn", eine Haussteuer; das Wachtgeld ist ein Beitrag zum Militär und Polizeietat; das der meyhammel im Mai fällig war ist logisch. Ein interne vom Kloster geförderte Regelung sah vor, daß der halbe Hammel vom Nachbarn Kool auf Wietges Hof zu Abgeltung des Wegerechtes über Impelmans Hof bezahlt wurde. Als Moers preußisch wurde, änderten sich die landesherrlichen Abgaben. Es war nun zu achten: Zehnt­pflichtigkeit, 10 Gulden sowie ½ Malterfuder Hafer jährlich.

 

Des weiteren werden die Mönche sie ermahnt und erinnert haben, daß sie und alle auf dem Hof lebenden Personen der Gerichtsbarkeit des Klosters unterstanden, ausgenommen des Hochgerichts–barkeit, die dem Moerser Grafen zukam.

Der Landesherr unserer Vorfahren, Graf Wilhelm von Neuenahr und Mo­ers hatte zwei Kinder, den Thronfolger Hermann und die Tochter Wal­burga, die 1546 Philipp von Montmorency Graf von Hoorn ehelichte. Graf Wilhelm, so sagten damals die Gerüchte, war insgeheim dem lu­therischen Glauben zugetan und stand in Verdacht Umgang mit Ketzern zu pflegen. Sein Onkel, er hieß Hermann von Wied, war zwischen 1515 und 1547 Erzbischof in Köln und ein recht belesener Mensch obwohl ihm Kritiker seine mangelnden Fremdsprachenkenntnisse vorwarfen. Ob­wohl er im eigentlichen Sinne mehr Politiker und Pfründeninhaber als Seelsorger war (nach einer Quelle soll er nie eine Messe gelesen ha­ben), war er ernsthaft bemüht seinem Amt gerecht zu werden. Ließ er noch am 28.9.1529 Adolph Clarenbach und Peter von Fliesteden vor den Toren Kölns verbrennen, bemühte er sich später um eine Kirchenreform katholischer Prägung, die ihm in den eigenen Reihen viele Feinde einbrachte und die ihn 1546 zur Abdankung zwangen. Er starb 1552. Mit seinem Abgang und der Niederlage der Fürsten des Schmakaldischen Bundes, wurde der Vormarsch der Reformation am Niederrhein gebremst. Mit Ausrufung des Religionsfriedens von Augsburg 1555 (wem das Land-dem die Religion) wurde in der Grafschaft Moers ein offener und re­lativ friedlicher Wechsel vom Katholizismus zur lutherischen Konfes­sion möglich. Erkannten noch 1552 alle Pfarreien in der Grafschaft Moers die Autorität des Xantener Dompropstes als Archidiakon an, denn in diesem Jahr hielt er das Sendgericht persönlich ab, so er­folgte der Wechsel zum "neuen Glauben" ziemlich rasch.

Der "Send" wurde jährlich in jeder Pfarrei gehalten, wobei in vier­jährigem Rhythmus einmal der Erzbischof, der Dechant, der Ortspfar­rer sowie der Propst den Vorsitz führten. Der Send war ein niedriges geistliches Gericht, wo die Unzulänglichkeiten des Alltags verhan­delt wurden. Wenn die "Sendglocke" ertönte, hatte sich jeder Famili­envater einzufinden. Fernbleiben oder das Verschweigen der Verfeh­lungen Anderer wurden bestraft. Sicher war es eine ungemein span­nende Angelegenheit, wenn die schmutzige Wäsche eines ganzen Kirch­spiels in einem Aufwasch bereinigt wurde. Diesen Send unter der Lei­tung des Xantener Dompropstes hatte auch Gerhard tho Impell besucht und mußte möglicherweise Vorhaltungen wegen beispielsweise Trunk­sucht, Fluchen oder Ehestreit hinnehmen.

Inzwischen sind dem Ehepaar Kinder geboren worden, darunter im Jahre 1555 auch der nächste Hoferbe, Gerhard III.tho Impel[46], der vom neuen Pastor Arnold Steurs getauft wurde. In den Jahren  1557/58 wurde die Hausfrau Margarita Witwe; woran ihr Mann starb ist unbe­kannt. Zur Aufrechterhaltung des Hofbesitzes mußte sie schnell wie­der heiraten und sie entschied sich darum für den Derich Muleveldt vom Nachbarhof. Der Mulenveldthof lag südlich von Impelmans und hieß eigentlich Lüttelmolenvelde, heute Mühlenfeld. Beim Verkauf dieses Hofes an das Kloster Camp im Jahre 1320 war ein Jakob von Empel Zeuge. Derich Muleveldt wird 1558 in das Behandungsbuch von Camp eingetragen. Erst fünf Jahre später erfolgte sein Eintrag auch ins Budberger Kirchenbuch (1563): Die Kirchmeister in Budberg Daem von Hessen und Gerit Wylachs "haben behandet im Beywesen des Pastors H.Henrich Fluim Dierick  von Impelen;"; hier hatte sich der Theodor Mühlenfeld der Sitte gemäß schon nach dem Hof genannt. Die Budberger Kirche hatte die Eigentumsrechte an einer kleinen Parzelle von 2 Morgen Land die zum Hof ter Impel gehörten. Wenige Jahre nach der Trauung des Ehepaars führte der Repeler Pastor Steurs im Jahre 1561 die Reformation in seinem Kirchspiel ein, heiratete eine Margarete und konvertierte. Nach längerer Wartezeit verkaufte er 1575 die Mon­stranz für 75 clevische Taler, da das Gerät nun nicht mehr benutzt wurde.

Im Jahr 1553 hatte ein Regierungswechsel stattgefunden. In Moers stieg Junggraf Hermann zum regierenden Grafen auf. Er hatte in pro­minente Kreise eingeheiratet, war Schwiegersohn Wilhelm V. des Rei­chen von Kleve und damit auch Schwager des Prinzen von Oranien ge­worden. Hermann trat verstärkt für die Reformation ein und wollte 1560 ein deutliches Zeichen setzen: in aller Öffentlichkeit konver­tierte er in der Moerser Stadtkirche. Gleichzeitig nahm er einen Wahlspruch an: "Non plus! - Nicht mehr!" und schwor seiner Trink- und Spielleidenschaft ab. Seine Vorsätze waren allerdings nur von kurzer Dauer. Er wurde auch weiterhin als cholerischer Trunkenbold beschrieben, über den sich ein kaiserlicher Gesandter beschwerte, daß er des morgens noch, und des nachmittags schon wieder so bezecht war, daß er nicht mit ihm habe sprechen können. In seinen letzten Jahren war er schwer gichtkrank und mußte zu wichtigen Terminen und Besprechungen, z.B. im Domkapitel, getragen werden. Er starb kinder­los am 4.12.1578.

Die Schwester Walburga des verstorbenen Grafen Hermann war in kin­derloser Ehe mit dem Grafen von Hoorn verheiratet gewesen. Dieser wurde von den Spaniern zusammen mit Lamoral, Grafen von Egmont, im Jahr 1568 vor dem Brüsseler Rathaus aus politischen Gründen (wegen angeblichen Hochverrats) geköpft. In zweiter Ehe hatte sie Adolph von Neuenahr, Herrn zu Alpen, einen Verwandten geheiratet, der die Nachfolge des verblichenen Grafen Hermann antrat. Graf Adolph för­derte im Gegensatz zu Wilhelm und dessen Sohn Hermann von Neuenahr und Moers nicht mehr die lutherische sondern die calvinistisch re­formierte Glaubensrichtung und orientierte sich in Glaubensdingen sehr stark an den niederländischen Provinzen. Er galt als offener und ehrlicher Charakter, sprach mehrere Sprachen, war heiteren Natu­rells und ein begeisteter Feldherr; dagegen galt er in religiösen Dingen als sehr einseitig und verbissen. In Moers begründete er das erste Gymnasium (Adolphinum) und erließ eine Kreditorenordnung zur Steuerung wirtschaftlicher Prozesse.

Ein guter Freund von Graf Adolph war der seit dem 5. Dezember 1577 in Köln als Erzbischof regierende Gebhard Truchsess von Waldenburg. War er 1577 noch völlig der katholischen Kirche zugetan, so änderte der Umgang mit der Stiftsdame Agnes von Mansfeld zwei Jahre später seine Ansichten. Erst soll er mit ihr in Moers, Kaiserswerth und Bonn zwei Jahre "in wilder Ehe" gelebt haben und dem Trunke verfal­len gewesen sein, dann auf Druck der Verwandtschaft seiner Stifts­dame im Erzstift Köln die "Religionsfreiheit" verkündet und damit versucht haben, sich den Weg zu ebnen um heiraten und gleichzeitig Amt und Würden behalten zu können. Doch Gebhard erhielt von allen Seiten Kritik und wenig Unterstützung, den einen war Gebhard zu halbherzig und zu eigennützig, den anderen galt er als Verräter. Auf Bitten des Domkapitels setzte ihn der Papst am 1. April 1583 ab. Nun sah er aber keinen Anlaß seinem Nachfolger Ernst von Bayern den Bi­schofstuhl freizumachen und löste durch diesen Widerstand den Truch­sessischen- oder Kölner Krieg aus, der offiziell bis zum Jahr 1589 geführt wurde, an vielen Orten aber wegen seiner engen Verflechtun­gen mit dem niederländisch-spanischen Krieg noch sehr viel länger dauerte.

Der Kölner Krieg war geprägt von besonders heftiger Zerstörungswut und Grausamkeit und verwüstete das Nieder- und Mittelrheingebiet so­wie das Vest Recklinghausen obwohl der eigentliche Kriegszweck, die Übernahme des Kurfürstentums durch Ernst von Bayern, schon 1585 er­reicht war. Für Gerhard Truchsess von Waldenburg kämpften Abenteurer wie Martin Schenk von Niedeggen und Heerführer wie Graf Adolph von Moers. Dieser mußte zum Ende des Krieges wegen seines Engagements nach Holland ins Exil gehen, während dessen spanische Truppen zwi­schen 1586 und 1597 die Moerser Grafschaft besetzt hielten.

 

 

GERHARD THO IMPELL III.

 

Zu Beginn des achten Jahrzehnts sind Margarita tho Impel und ihr zweiter Ehemann, Derrich Mühlenfeld genannt Impelman, gestorben und der (älteste?) Sohn Gerhard (* 1555) und dessen junge Frau Sibille, im Volksmund "Beel" genannt, vom Kloster mit dem Impelman Hof im Jahr 1582 behandet worden. Der Kölner Krieg fand direkt vor ihrer Haustüre statt. Kamen zu Beginn des Krieges Truppen aus Moers und plünderten vor allem den katholischen Klerus und katholisch orien­tierte Dörfer, machen wenig später die spanischen Truppen diese fei­nen Unterschiede nicht mehr und plündern schonungslos alles was ih­nen am Weg lag. Die Budberger retteten zu Beginn des Krieges buch­stäblich in letzter Minute ihre Kirchenglocken vor dem Einschmelzen durch Zahlung einer Ablösesumme von 125 Talern. Dagegen verlor das Kloster Camp alle 13 Glocken und alles Blei von den Dächern und was beim Bau in den Mauern verwendet worden war. Die Soldaten bauten ganze Häuser ab um die Materialien zu verkaufen und verbrannten die für sie wertlosen Dinge. Sie trieben Handel mit Balken, Dachpfannen oder auch mit Menschen, die willkürlich gefangengesetzt und erst ge­gen Lösegeldzahlungen wieder laufengelassen wurden.

In einer Aufstellung des Klosters Kamp über die Besitztümer, die ihm durch schwere Kriegsschäden in den Jahren 1583-1593 verlorengegangen war, fehlt der Impelman Hof. Aber auch wenn er nicht wie sein Nach­bar der Hausmannshof oder gar das große Gut Strommoers abgebrannt oder abgetragen wurde, Plünderung und Brandschatzung[47] werden seine Bewohner alle Male haben hinnehmen müssen, ohne daß sie Möglichkeit der Gegenwehr besessen hätten. Aus einer späteren Quelle[48] erfahren wir, daß der Impelman Hof, wie anscheinend auch seine Nachbarn, durch einen Wassergraben geschützt war. Die wasserreiche Gegend mit ihren vielen Gräben, Bächen, alten Rheinarmen und sehr niedrigem Grundwasserspiegel machte es leicht Gräben auszuheben und diese stets mit Wasser gefüllt zu halten. Eine Art Zugbrücke verband in Kriegszeiten die künstliche Insel mit dem Umland und konnte bei Ge­fahr schnell eingeholt werden. Kamen nun Truppen auf dem Durchzug vorbei, und wurden diese von den Bewohnern rechtzeitig entdeckt, so bot ein Wassergraben hinreichend Schutz. Nicht so in den Fällen wo dort stationierte Truppenteile in Ruhe und mit System das Umland planmässig ausplünderten. Die Wut der gegenüber den Truppenverbänden hilflosen Landleute war so groß, daß auch private Rachefeldzüge bei günstiger Gelegenheit nicht ausblieben und es ist zumindest aus dem Vest Recklinghausen bekannt, daß Bauern einzelnen Soldaten auflauer­ten, sie erschlugen und ausplünderten. Es wurden in späteren Zeiten immer wieder Skelette von an verstecktem Platz eingescharrten Solda­ten aus dem Kölner Krieg gefunden.

Im Exil in den Niederlanden wird die kinderlose Gräfin Walburga er­neut zur Witwe. Am 26.9.1589 befand sich ihr Ehemann Adolph von Mo­ers im Pulverturm von Arnheim als dieser durch eine Unachtsamkeit explodierte; Adolph erlag am 8.Oktober seinen schweren Verletzungen. Nun war die Landesherrin Walburga auf den guten Willen ihrer Gastge­ber angewiesen, wollte sie ihr Moerser Ländchen zurückgewinnen. Aus eigener Hilfe war es ihr nicht möglich den Spaniern diese Beute ab­zunehmen. Dort sah es wie im übrigen Land recht schrecklich aus. Trümmerwüsten zeigten ehemals bewohnte Plätze an, die Äcker waren nur notdürftig bestellt, die Straßen unsicher geworden. Die Militärs hatten sich überboten ihren jeweils nachrückenden Feinden alle Er­nährungsmöglichkeiten zu nehmen. Als nach 1593 die militärischen Ak­tionen aussetzten, es gab nichts mehr was sich zu erobern lohnte, bildeten sich Freibeuter- und Strauchdiebesbanden die zur Nachlese antraten und noch wesentlich grausamer als die Landknechte waren[49]. Die Menschen wollten überleben und passten sich den Umständen dieser unruhigen Zeit an. Aus einem alten Brief aus Moers: "Die Leute alle hier sind so seltsam mit diesem Kriegsleben verkehrt, daß es keine Redlichkeit und Ehrlichkeit darin ist, sondern jeder tut mit den Gü­tern als ob es Raubzeit wäre. Der eine zieht sich dies Land hier an, der andere gebraucht und besät das." Auch die Kirchen waren verwü­stet oder zweckentfremdet. Die Emmericher Kirche war ausgeräumt, der Helm fehlte; in Friemersheim mußte die Kirche die Aufgaben der ver­wüsteten Höfe und Stallungen übernehmen. Sie war so vollgestellt mit Vieh, daß kein fußbreit Raum blieb. Desgleichen die Kirche in Rume­len. Ein Grund dafür war sicher auch der besondere Schutz den Kirche und Kirchhof boten. Die Menschen lebten in einer Untergangsstimmung: "Fressen, Saufen, Vogelschießen und andere Leichtfertigkeiten" hat­ten hohen Stellenwert.

In diesen rauhen Zeiten wurde an einem Pfingstfest zwischen 1591 und 1590 der Sohn Arnold to Impel auf dem Impelman Hof "unter Repelen" geboren. Da in diesen Jahren die spanischen Besatzer in der Graf­schaft eine Gegenreformation durchgeführt hatten, war die Repeler Kirche bei der Taufe von Arnd katholisch und vermutlich mit Patres aus Duisburg besetzt gewesen[50].

 


Familienüberblick der Bauern auf Impelman Hof bis 1600

 

Sibille (Bela) von Empel, 1405 möglicherweise schon verstor­ben, gab verschiedene Renten und Schenkungen an das Kloster Camp. Ihre Kinder bestätigten die Schenkung und erklären am 24.12.1405 ihre Wachszinsigkeit: Gerit, Jakob, Arnd, Johan, Griete und Mechelt von Empel

 

Wenn eine Verbindung besteht, was ich für ziemlich  wahr­scheinlich halte, stehen hier 1-2 Generationen unbekannter Fa­milienmitglieder zwischen den benachbarten Kästen.

 


Gerhard tho Impel I.  gestorben 1540/41

 

Gerhard tho Impel II.           oo          Margarita
      behandet mit Impelman Hof 1541
      Margarita in 2.oo (vor 1558) den Derrich Moleveld;
                 beide vor 1582 gestorben
        * Sohn Gerhard III. 1555 auf Impelman Hof

 

Gerhard tho Impel III. oo vor 1582     Beel
        * 1555 
        + ca.1635                             + ca. 1637


* 1582-87    Gerhard  (oo vor 1624 Gertrud von Hüls;+ vor 
                                                        1641)
* 1587-91    Wilhelm  (oo 1648 Katharina Gretz; + nach 1663)

* 1591-93    Arnold
*    ??      Derrich
*    ??      Tochter, wahrsch. Sybille

 

 

Auf Grund der Verquickung des Truchsessischen Krieges mit dem Nie­derländisch-Spanischen Krieg mißlang es der nun zum zweiten Male verwitweten Gräfin Walburga die Rückgabe ihres Landes aus den Händen der Spanier zu erreichen. Als "Letzte ihres Stammes" sah sie nur die Möglichkeit, dem Prinzen von Oranien, dem Oberbefehlshaber der nie­derländischen Truppen, über den Besitz ihres Moerser Ländchens ein Erbschaftversprechen abzugeben[51]. Moritz, Prinz von Oranien, war ein recht erfolgreicher Feldherr und hatte verschiedene Neuerungen in der "Kriegskunst" eingeführt. Den herkömmlich schweren Panzerreitern der Spanier setzte er leichte, wendige Reitertruppen mit Feuerwaf­fen, sogenannte Pistoliers und Arkebusiers, gegenüber. Am 5.8.1597 nahm er Alpen, das nach dem Tode des Adolph von Alpen und Grafen von Moers 1589 über Erbschaft an das Haus Bentheim gekommen war, am 21.8. Rheinberg und am 3.9.1597 Moers ein, wo er die Gräfin Walburga in ihre alten Rechte einsetzte. Während der Besatzungszeit in Rhein­berg brach die Pest, die in diesen Jahren mehrfach am Niederrhein auftrat, in die Stadt ein und forderte viele Opfer, darunter auch den holländischen Stadtkommandanten. Überraschend erschienen die Spanier im Jahr darauf mit einer großen Heeresmacht von 20000 Fuß­soldaten und 2000 Reitern am Niederrhein unter der Führung des Admiral Mendoza. Sie zogen nach Rheinberg, wo der erste Angriff fehlschlug, bauten auf der gegenüberliegenden Stromseite ein Fort auf, und beschossen die Stadt mit Kanonen. Ein Unglückstreffer ging in den großen alten Zollturm, der zur kurkölnischen Burg gehörte, und brachte die dort lagernden 150 Tonnen Schießpulver zur Explo­sion. Viele Menschen, Bürger wie Soldaten, darunter auch der nieder­ländische Kommandant Lukas Hedding, starben. Von der eigentlichen Burg waren nur noch Trümmer vorhanden, die halbe Stadt war zerstört und die Gewölbe der Kirche drohten einzustürzen. Derart schockiert übergaben die Holländer den Spaniern die Stadt ohne jegliche Bedin­gung.

Auch Moers blieb von Schicksalsschlägen nicht verschont. Ein trauri­ges Ereignis für die Heimatgeschichtsforschung war der Blitzschlag in den Turm der Moerser Burg, in dem das Regierungsarchiv der Graf­schaft lagerte und verbrannte. Zu einer schweren Prüfung für die Be­völkerung wurde die Pest, die im Jahre 1600 in der Grafschaft gras­sierte und der als prominentestes Opfer die Gräfin Walburga am 25.Mai 1600 ihr Leben lassen mußte.

In Rheinberg dauerte die Besetzung durch spanische Truppen nur drei Jahre. Schon 1601 standen die Niederländer wieder vor den Toren und Moritz von Oranien belagerte die Stadt vom 12.Juni bis zum 1.August; ein Plan dieser Belagerung, gezeichnet von einem englischen Militär­beobachter, Henry Percy Earl of Northumberland, ist uns bis heute erhalten geblieben. Nachdem er Rheinberg übernommen hatte, befe­stigte Moritz die Stadt und eilte dann nach Moers, um die Grafschaft als seinen Erbteil einzustreichen. Dort war in der Zwischenzeit eine klevische Besatzung auf der Burg aufgezogen, denn der Herzog von Kleve, Johann Wolfgang, (besser seine Vormünder) erhoben Ansprüche auf die Grafschaft. Aus der Sicht Kleve's war die Grafschaft Moers ein klevisches Lehen, daß bei Aussterben des Grafenhauses an Kleve zurückfiel. Moritz war anderer Meinung, er vertrieb die klevischen Soldaten und ließ sich am 12.August 1601 von seinen moersischen Un­tertanen als Landesherr huldigen.

Die ständigen Kriege, die ununterbrochene Spannungssituation fand seinen Niederschlag auch darin, daß die Landbevölkerung keinen Anlaß zu besonderem Arbeitsaufwand sah: Wurde ihr doch mit schöner Regel­mäßigkeit die Ernte direkt vom Feld gestohlen, die Scheunen geplün­dert oder das Dach überm Kopf abgebrannt. Man tat nur das Allernot­wendigste um über die Runden zu kommen. Aus diesen Zeiten fand sich in einem Schreiben an den Abt Gottfried Draeck (1584-1612) der sich anscheinend im Camper Hof in Köln aufhielt, denn das Kloster war zerstört und die Mönche hatten woanders Zuflucht gesucht, neben an­deren Dingen ein Vermerk über die Bewohner des Impelman Hofes aus der Hand eines Bevollmächtigten des Abtes, Wilhelm Damen von Er­kelenz. Der Brief schilderte, daß Damen die immer schon strittige Abgabe der "dritten Garbe" vom Impelman Hof eingefordert hatte, was ihm sehr viel Mühe und Arbeit machte, und daß er das strittige Ge­treide dort von Dreschern ausdreschen ließ.  Unter dem Datum vom 10.August 1604 schrieb er dem Abt[52]: "...Impelman verstan ich das zu Colln bei Ew.Erw. gewesen ist, und sieht nicht gerne, daß ich die 3.Garbe einfordere; es ist den Gesellen leid, daß sie die Ländereien nicht mögen gebrauchen wie bisher, sondern einige, oder gar wenige, Pacht davon zu geben; welches nicht geringe Müh und Arbeit gibt, je­doch muß ich mich dessen getrösten. Ich hab die Drescher schon ge­schickt(?) die die 3.Garbe ausdreschen. Mögen sehen, was uns Gott dieses Jahr geben wird."   Der im Grunde recht hoch belastete Hof war angeblich, was aber einen Streitpunkt bildete, noch zusätzlich ein "Dritte-Garben-Gut", also ein Hof, wo der Grundeigentümer pro­zentual mit 33.3% am Getreide Gesamtertrag beteiligt war.

Das Land fand nur eine sehr geringe Ruhepause, denn die Spanier lie­ßen nicht lange auf sich warten. Zur Herbstzeit 1606 zog Ambrosius Spinola, Oberbefehlshaber, nach Rheinberg. Dort hatten die Holländer nicht nur die Festungsanlagen vorbildlich ausgebaut, sondern auf dem gegenüberliegenden Ufer und der dazwischenliegenden Insel Bollwerke errichtet. In einem 13 Jahre später erschienenen Bericht, dem "französischen Merkur" von 1619 wird uns über diese Tage berich­tet[53]: "Alle Tage ertönte nun Kanonendonner sowohl von Seiten der Belagerten wie auch von den Belagerern her. Anfangs machten jene einen Ausfall in der Absicht, die Brücke zu zerstören, welche Spi­nola oberhalb von Rheinberg zur Verbindung beider Lager hatte auf­schlagen lassen, doch wurden sie von einigen in der Nähe befindli­chen Schiffen entdeckt und gezwungen sich zurückzuziehen, was nicht ohne Verlust geschah. Andererseits ließen die Belagerten in einer Gegenmine 400 von den Spaniern in die Luft springen. Teils aus Furcht vor den Gefahren, teils wegen mangelnder Besoldung fand sich Spinola bei dieser Belagerung genötigt seine Soldaten durch Strafen festzuhalten, denn er ließ mehrere welche Reißaus genommen hatten, zurückbringen und festnehmen. Der Prinz Moritz, welcher bei Wesel sein Lager hatte, sandte oft einige Reuter=Compagnien gegen den Feind, welche immer Gefangene machten, Pferde wegnahmen und sonsti­ges Belagerungsmaterial erbeuteten. Bei einem Ausfalle, welchen die Belagerten am 10.September machten, wurden diese stark mitgenommen und der Baron de la Flesche Francois ward gefangen und nach Brüssel abgeführt, wo er ein schweres Lösegeld zahlen mußte. Doch die Fran­zosen, deren sich eine große Zahl in der Stadt befand, wollten für diesen Verlust Revanche nehmen und machten wenige Tage nachher einen Ausfall, bei welchem sie alles niederwarfen was sich ihnen entgegen­stellte: Sie drangen bis zum Zelt des Grafen de Bucquoy vor, worauf sie in so großer Ordnung und mit soviel Muße in die Stadt zurückzo­gen, daß sie eine große Menge Vieh und Leute mit heimführten. Nach diesem Ausfall hatten die Belagerer eine so große Anzahl Tote, daß Spinola sie mit vollen Karren aus dem Lager bringen lassen mußte um sie zu begraben. Spinola, welcher entschlossen war entweder vor die­sem Platz zu sterben oder ihn zu nehmen, legte eine große Batterie gegen das Land-Tor (Xantener Tor?) an, ließ alle Verteidigungswerke niederhauen, den Graben mit Steinen und Erde füllen und an den ver­schiedenen Stellen unterminieren. Kurzum, er bedrängte die Belager­ten sehr, obgleich sie noch dann und wann auf Scharmützel auszogen. Das dauerte bis zum 1. Oktober, wo er benachrichtigt wurde, daß sie nur noch 30 Pulverfässern hätten und Mangel an Leuten sei, die Ver­wundeten zu verbinden. Auf diese Nachricht hin sandte er einen Trom­peter zum Gouverneur von Berck dem er die Übergabe anraten und eh­renhafte Bedingungen anbieten ließ. Er erhielt zur Antwort, daß man darauf eingehen würde wenn der Platz dem Erzbischof von Köln, wel­chem er gehörte, zurückgeliefert werden sollte. Spinola ließ erwi­dern, daß er diese Jagd auf Kosten seines Fürsten nicht gemacht habe um die Beute einem Anderen zu überlassen. Endlich wurde am 2.Oktober nach manchen Vorschlägen die Kapitulation bewilligt mit der Bedin­gung, daß man mit der ganzen Bagage ausziehen, zwei Schiffe und zwei Kanonen mitnehmen dürfe und so Spinola den Platz übergebe; alles ohne Lug und Trug, was von der einen wie von der anderen Seite auch redlich ausgeführt wurde.- Diese Einnahme flößte den Nachbarstädten der Generalstaaten (Niederlande) Furcht ein. Der Prinz Moritz, wel­cher in Wesel lagerte, sandte noch Verstärkung nach Moers. Doch wa­ren die Heere der Erzherzöge bei den letzten drei Belagerungen so sehr aufgerieben worden, daß sie eher der Erholung bedürftig waren als noch ferner sich solchen Strapazen auszusetzen."

Während der ganzen Zeit der Belagerung war man in Moers sehr vor­sichtig und mißtrauisch. War die Grafschaft Moers selbst nun nicht in diesen Konflikt verwickelt, so war doch der Oberbefehlshaber der niederländischen Truppen in Rheinberg gleichermaßen Landesherr in Moers. Dort saßen niederländische Beamte in der Verwaltung oder wa­ren Soldaten und mußten zusehen, was mit ihresgleichen in Rheinberg geschah. Nervös beobachtete man die Geschehnisse und sah auch miß­trauisch auf die wenigen noch katholischen Familien, insbesondere wenn sie nahe der Grenze zu Rheinberg wohnten. In diesem Fall wurden sie stets verdächtigt gemeinsame Sache mit ihren Glaubensbrüdern zu machen; in einen derartigen Verdacht gerieten auch die Bewohner un­seres Impelman Hofes. Da war nämlich an einem Vormittag, im Spätsom­mer des Jahres 1606, der Bauer Gerhard Impelman gemeinsam mit Ger­hard Baecken, der in dieser Anbauperiode den Plißhof bewohnt hatte, gerade beim Mähen gewesen, als zwei Soldaten vorüberkamen (es waren anscheinend Holländer gewesen die Streife gingen) und auf die beiden zutraten. Sie verlangten für einen Gotteslohn einen Teil des Früh­stücks, daß sich die beiden Männer mit aufs Feld genommen hatten, was ihnen gewährt wurde. Währenddessen kam ein Mädchen auf dem Weg von Rheinberg vorüber, Beel Rotlehrs, daß aufgeregt berichtete, die Schanzen seien überall voll mit Soldaten. Die Männer brachen hastig auf und gingen eilends nach Hause. Wohin die Soldaten gingen ist un­bekannt, aber wahrscheinlich wurden sie von den Spaniern entdeckt und gefangengenommen oder kurzerhand umgebracht. Als die Spanier die Stadt Rheinberg genommen hatten und sich die Verhältnisse stabili­siert hatten, forschte man nach dem Verbleib der beiden Soldaten und verdächtigte den Bauern Gerrit Impelman, er hätte die Soldaten ver­raten und dem Feind ausgeliefert. Am 4.November 1606, einem Diens­tag, setzte man einen Verhörtermin auf dem Gericht zu Moers an und lud den Impelman-Bauern vor[54]. Dieser brachte zwei Zeugen mit, den erwähnten Gerrit Baecken, den damaligen Pliß-Bauern oder Hofbewoh­ner, und den direkten Nachbarn von Impelman, den Johan Wietgen, Be­wohner des nur wenige hundert Meter entfernt liegenden Wietgeshofes. Beide konnten im Grunde nichts zur Sache selber sagen, doch erfahren wir noch einige Datails der damaligen Situation. Nachdem Impelman sich von Gerrit Baecken getrennt hatte, ging er selber los um die Lage zu erkunden. Er traf seinen Nachbarn Wietges und sprach kurz mit ihm. Das Angebot, auf den Hof zu kommen, lehnte er ab und meinte er müßte sich beeilen nach Hause zu gehen und die Brücke hochzuzie­hen, damit ihnen kein Verlust entstände. Für Gerrit Baecken war die Warnung der Beel Rothlehrs zu spät gekommen. Auf seinem Hof waren die Soldaten schon gewesen und als er selber dort hin kam waren sie schon wieder davon. Bemerkenswert, daß die Bauern ihre Höfe mit Was­sergräben umgaben und so den niedrigen Grundwasserspiegel und die wasserreichen Bäche und Kanäle genutzt hatten, sich zu schützen.

Auch wenn in der Moerser Grafschaft das Religionswesen wieder in ge­ordneten (jetzt: reformierten) Bahnen verlief, hatte es doch nur ge­ringen Einfluß auf die sehr gelockerten Lebensformen. Immer wieder meldeten sich die Prediger mit Klagen über die losen Sitten und die rohen Umgangsformen. Gerade in Repelen, so wurde moniert, gab es so­gar einen "Hurenwinkel" und in Krefeld trieb ein Teufelsbändiger sein Unwesen. Im Amt Rheinberg waren die Zustände auch nicht besser: Johan von Dunkeren, ein flüchtiger Verbrecher, konnte in Orsoy ge­fangen genommen werden. Am 29. September 1608 wurde er peinlich ver­hört und am 4.Oktober mit dem Schwert hingerichtet. Seinen Leichnam legte man auf das Rad, wo er zur Abschreckung bis zur völligen Ver­wesung liegenblieb. Anscheinend besaß Rheinberg keinen eigenen Scharfrichter, denn in Berichten über Rheinberger Hinrichtungen wird davon erzählt, daß er immer aus Duisburg kam. Auch ein Fall von Zau­berei wurde in Rheinberg ruchbar. Am Johannisabend 1610 ging einer, Molstroe mit Namen, aus, um die Zauberkunst zu versuchen. Ihm war anscheinend Erfolg zu Teil geworden, denn man fand seine Leiche an­deren Tags mit gebrochenem Genick; (das sollte der Teufel gewesen sein). Das Gericht befaßte sich mit der Sache und ließ zuletzt seine Leiche von einem Pferd aus der Stadt herausschleifen und unterm Gal­gen begraben. Auf ausdrücklichen Befehl des Kurfürsten Erzbischof Ernst von Bayern wurde das Beschwörungs- und Zauberbuch des Unglück­lichen am 9.Juli 1610 auf dem Marktplatz von Rheinberg öffentlich verbrannt.

In diesem Jahr findet sich auch wieder eine Notiz im Protokollbuch des Moerser Gerichts über einen Rechtsstreit des Gerhard Impelman[55]: Er hat einen (Junker?) Duicker "am Leibe arrestieren lassen", wegen einer Forderung von 7 Reichstalern[56] Hauptsumme. Duicker wurde erst wieder laufen gelassen, als er gelobt hatte, diese Summe in Moers zu bezahlen. Das war am 23. August. Da es heute kaum möglich ist, Be­trägen in der damaligen Währung eine treffende DM-Summe gegenüberzu­stellen, sind auch Angaben die über einen Kaufkraftvergleich gewon­nen wurden nur sehr vorsichtig zu benutzen. Auf Grund einer solchen Kaufkraftberechnung entsprach ein Reichstaler der Jahre 1611-22 ei­ner Kaufkraft von 45.- DM im Jahre 1967, die geforderte Summe also einem Betrag von 315.- DM[57].

Anscheinend war Gerit Impelman ein recht prozeßfreudiger Mensch, vielleicht setzte er sich nur gegen Unrecht zur Wehr, vielleicht war er auch ein rechthaberischer Eigenbrödler, seine häufige Nennung in Gerichtsbüchern ist für uns heute ein Glücksfall. Schon 1615 finden wir den nächsten Fall. Er prozessiert gegen Derich Schardey wegen einer Geldforderung. Der Prozeß begann am 21. September und war am 7. Dezember noch nicht abgeschlossen, der letzten vorhandenen Ein­tragung zu diesem Prozeß[58]. Die protokollierten Gerichtstage verlie­fen mit Diskussionen über Verfahrensfragen und der Lösung des Pro­blems, dem Bauern Schardey eine Erklärung zur Klageschrift abzurin­gen. Erst bat dieser um Bedenkzeit, dann erschien er zur nächsten Sitzung erst gar nicht. Als er beim übernächstenmal wieder anwesend war, beantragte Impelmans Anwalt Kohlmann, den Bauern Schardey wegen Widerspenstigkeit vor Gericht zu bestrafen und die Klageschrift als Geständnis des Beklagten zu Betrachten. Derich Schardey wehrte sich heftig dagegen und bat um Zeit, um auf die Klageschrift antworten zu können und um Anfertigung einer Kopie. Das Gericht war schließlich einverstanden und vertage den Fall. Auf der nächsten Sitzung fehlte der Bauer Schardey wieder, wofür aber Gerit Impelman selber zur Stelle war. Er erhob heftigste Vorwürfe gegen seinen Gegner und ver­langte eine Bestrafung wegen Ungehorsams, zumal Schardey auf Grund seiner schriftlichen Unterlagen Zeit gehabt hatte eine Erklärung ab­zugeben; zwei außergerichtliche Schlichtungstermine waren erfolglos geblieben. Das Gericht wollte aber der Vorderung des Bauern Impelman nicht folgen und setzte einen Termin als letzte Gelegenheit an, wo sich Schardey zur Sache äußern sollte. Dieser erschien dann auch und präsentierte zur Überraschung des Gerichts eine Gegenforderung in Höhe von 7 Viertel Talern (damit können auch 175 Tlr gemeint sein) Das Gericht nahm diese Art Prozeßführung nicht als besonders ernst an, zumal die Gegenforderung nicht die Hälfte der Forderung aus­machte, und setzte einen letzten Gütetermin an. Die beiden Gegner wurden dazu verurteilt, sich nocheinmal unter "Beiziehung guter Leute" an einen Tisch zu setzen. Sollten sie scheitern, so wurde be­schlossen die beiden Zeugen des Gerit Impelman, Arnd Lull und Jan Krutzman angen End zu verhören; Schardey hatte das Recht erhalten, einen eigenen Gegen-Fragekatalog auszuarbeiten, den das Gericht den beiden Zeugen ebenfalls vorlegen wollte. Damit brechen die Aufzeich­nungen zu diesem Fall leider ab.

Nur knapp zwei Jahre später brach über den Impelmanhof ein Ereignis herein das, sicherlich auch unter Mitwirkung des zerstörerischen Kölner Krieges und des sich anschließenden 30jährigen Krieges, ur­sächlich zum Auseinanderbrechen der Familie auf diesem Hof sowie zum Niedergang und anschließendem Verlust des Hofes knapp 50 Jahre spä­ter geführt hatte.

 

 

VOM TOD DES STEUEREINNEHMERS MEVIS WOLTERS

 

Nach alten Verhörsprotokollen[59] läßt sich das Geschehen beim tötli­chen Schuß auf den Steuereinnehmer M.Wolters rekonstruieren. Mevis Wolters war zusammen mit Hendrich Schmitt, den man Bodberch nannte, Steuerpächter für das laufende Jahr 1617. Er hatte das Steuerprivi­leg gegen einen vorher festgesetzten und sofort zahlbaren Betrag dem Landesherrn abgekauft, und konnte nun in seine eigene Tasche die Steuern eintreiben. In schlechten Jahren, bei Kriegseinwirkung und Naturkatastrophen, waren die Möglichkeiten den Einsatz wieder zu er­wirtschaften und darüberhinaus noch Gewinn zu machen sehr problema­tisch. Im Gegensatz zum Landesherren waren die Steuereinnehmer Pri­vatunternehmer und brauchten sich keine Zwänge im Umgang mit der Be­völkerung aufzulegen. Gerade in schlechten Jahren wurde daher oft mir rüden Mitteln versucht die ausstehenden Geld- und Naturalabgaben von den Bauern zu erzwingen. Ein gutes Verhältnis zum Steuereinneh­mer konnte dabei dann auch von Nutzen sein. Die Berufsgruppe der Ac­cisepächter war also verhaßt und gleichzeitig umschmeichelt, zumin­dest aber in Dauerkonflikte mit der Bevölkerung verwickelt. Im Ver­gleich mit der heutigen Zeit läßt sich der damalige Steuereinnehmer mit einer Inkassofirma vergleichen, nur daß damals jeder, der nicht auf Grund von Privilegien Steuerbefreiung genoß, zur Kasse gebeten wurde. Die Einnehmer kamen oft persönlich bei den Bauern vorbei um zu kassieren oder, blieben Zahlungen aus, zu mahnen, zu drängen und zu pfänden. Eine solche Situation fand sich im Herbst 1617 als Mevis Wolters, der Einnehmer, seine Herkunft ist nicht genannt, mit seinem Sozius in der Grafschaft unterwegs war um Rückstände einzutreiben. Eines seiner Besuchsziele war auch der Impelmanhof, der Steuern so­wie Dienstleistungen ausstehen hatte, das sogenannte "Mühlenfahren".

An diesem Samstag, es war der 28.Oktober 1617, war das Herannahen des Einnehmers schon bemerkt worden und Hendrich Maß traf unterwegs Arnd Impelman, der in Budberg bei Johann zu Wolfkuhlen wohnte, mit geschultertem Gewehr. Maß knüpfte ein Gespräch an und fragte Arnd wie es ihm ginge und erhielt zur Antwort `Halb und halb'. Er be­fürchtete Arnd Impelman könnte mit Mevis Wolters in Streit geraten, bot sich darum an dessen Gewehr zu tragen. Arnd empfand das als al­bern und sagte `das theten nur die gecken'. Mühlenfeld's Frau hatte Arnd ebenfalls gesehen und ihn gefragt, auf wen er denn das Gewehr tragen würde, und zur Antwort erhalten, daß `ein gut Gesell wohl ein Ruhr[60] tragen möge'.

Es war also etwas unüblich, daß ein Bauer außerhalb direkter Kriegs­gefahr, Jagdvergnügens oder Schützenbruderschaft mit einer Feuer­waffe herumlief.

In der Stadt Rheinberg traf Arnd dann seinen ebenfalls bewaffneten Bruder Wilhelm. Es war Nachmittag, Wochenausklang, und die Landbe­völkerung, die nahe der Stadt in einzelstehenden Gehöften lebte, traf sich dort mit Freunden zum gemeinsamen Schwatz und Trunk. Ein dritter Bruder, Gerhard, war ebenfalls in der Stadt gewesen und hatte dort zwei Hamen[61] gekauft und seine beiden jüngeren Geschwi­ster ermahnt bald nach Hause zu kommen und den Wagen zu schmieren um Holz für Herkenbusch, den damaligen Rheinberger Bürgermeister[62], zu fahren. Der Bürgermeister galt als recht trinkfreudig und so hatte er an diesem Samstag eine kleine fröhliche Zecherrunde um sich ge­sammelt, darunter auch die Steuereinnehmer Mewis Wolters und Hendrich Schmitt, den sie Budberch nannten. Mit zu dieser Trinkrunde zählte auch Arnd Lull, ebenfalls Bürger der Grafschaft Moers, der von den Zechern hereingebeten worden war. Da nach altem Brauch bei Sonnenuntergang, das war an diesem Tag um ca. 17.00 Uhr, die Stadt­tore geschlossen wurden, strömten die Auswärtigen kurz vor siebzehn Uhr aus der Stadt. Dort vor dem Tor, oder vielleicht auch schon vor­her in der Stadt, hatte es einen Disput zwischen den Empelmans Söh­nen und den Accisepächtern gegeben; anschließend hatten die Im­pelmans aus Übermut oder aus Wut mit ihren Gewehren in die Luft ge­schossen. Danach trennten sich die Wege der Heimwärtsziehenden. Wilhelm Impelman verabschiedete sich von seinem Bruder und ging in Begleitung von Hendrich Schneck auf Budberg zu. Wo das Winterswicker Feld an den Verkensdeyck stieß, trennten auch diese beiden sich. Johan von Mühlenfeld sagte aus, er sei wie andere ganz betrunken ge­wesen und mit einer Gruppe nach Hause gegangen, der sich auch Arnd Impelman angeschlossen hatte. Mühlenfeld drängte die Steuereinnehmer die Nacht in seinem Haus zu verbringen, was Mewis aber ablehnte denn Evert Vogelsancks[63] Ehefrau Petronella sollte ihnen ein "Bedt sprei­ten", wobei er dem Evert Vogelsanck lachend auf die Schulter schlug. Derrich Plissman, vom Nachbarhof der Impelmans, war vom Steuerein­nehmer Schmitt an die Hand genommen worden und mit diesem anschei­nend vorgegangen. Am "Drotenbaum" trennten sie sich und Schmitt ging anscheinend mit dem Haupttrupp weiter. Inzwischen hatte die Gruppe eben Moersisches Gebiet betreten, nahe dem Gut Strommoers, dort di­rekt am Moersbach "an der Plank" wo sich die "Gansweide" befand. Aus dem Dunkel trat auf einmal Wilhelm Impelman auf die Gruppe zu und stellte Mewis Wolters zur Rede. Nur wenige Zeugen, viele davon erin­nerten sich später nicht mehr, erlebten diesen Augenblick mit. Ein recht kurzer Wortwechsel, dann zwei Schüsse, und Mewis Wolters brach zusammen. Zeugen sagten, er habe noch `Weh, weh' gerufen. Nachdem Wilhelm geschossen hatte, griff der zweite Steuereinnehmer Hendrich Schmitt nach dem Gewehr von Arnd Impelman und konnte es ihm entwin­den. Ein schnell abgefeuerter Schuß brannte nur auf der Pulverpfanne ab und rettete Arnd Impelman das Leben (und damit die Existenz sei­ner Nachfahren). Budberch warf im hellen Entsetzen das Gewehr weg und lief davon. Wilde Gerüchte kamen auf: Arnd sollte gesagt haben `Das sei ja der Platz wo man dem Vater die Gerste wegnehmen wollte, da sei es doch Zeit, miteinander ein Tänzlein zu halten'. Andere meinten gehört zu haben, daß Arnd gesagt hätte: `mein Bruder hat Ih­rer einen fest schlafen gelegt, er wolle den anderen daneben legen'. Doch diese Gerüchte fanden keine Bestätigung. Ein paar Helfer brach­ten Mewis Wolters über die Hohe Straße ins Haus von Lambert[64] dem Boten, wo er wahrscheinlich schon tot angekommen war. Die Ehefrau des Derrich Plissman war von Arnd Lull auf dem Pferd mitgenommen worden. Nachdem er die Frau abgesetzt hatte und auf dem Rückweg wie­der am Haußmanshof vorbeikam, wurde er von Altgenpfort, einem ande­ren Bauern, angerufen einen Trunk zu nehmen und erhielt dort genauen Bericht des Hergangs. Er nahm anschließend Hendrich Maeß mit aufs Pferd und ritt nach Hause. Die Brüder Impelman verschwanden in Rich­tung Wolfskuhlen.

Am darauffolgenden Montag wurde unter Aufsicht des Schultheiß von Moers der Körper des verblichenen Steuereinnehmers gerichtlich un­tersucht und dabei festgestellt, daß eine Kugel oben am Arm ins Schulterblatt und die zweite in die Seite unter dem Arm eingedrungen war. Anschließend wurde der Witwe "vergunnt den abgestorbenen christlich zur Erden zu bestatten".

 

Obwohl Gerichtsbücher für diesen Zeitabschnitt vorhanden sind, läßt sich kein Gerichtsverfahren feststellen. Es bleibt im Dunklen, ob es sich hier um Mord, Totschlag im Affekt oder um einen tragischen Un­glücksfall innerhalb des hitzigen Wortgefechtes gehandelt hat.

 

 

IN RHEINBERG

 

Arnd und Wilhelm Impelman konnten sich in der näheren Zukunft nicht mehr in der Grafschaft Moers sehen lassen. Während Wilhelm, der ei­gentlich Schuldige am Tod des Steuereinnehmers aus dem Blickfeld verschwand, wurde Arnd Mitglied der Rheinberger Garnison. Den älte­sten seiner Brüder, Gerhard, hielt es ebenfalls nicht mehr auf dem elterlichen Hof und er meldete sich beim gleichen Truppenteil wie Arnd, der Kompanie (oder dem Fähnlein) des Kapitän Timmermann.

Dort in Rheinberg hatten in dieser Zeit die Spanier das Sagen, ob­wohl auch noch die Interessen des Erzbischofs von einer Beamtenschar und sicherlich auch von einigen Truppenteilen vertreten wurden. Die Stadt war, abgesehen von ihrem natürlichem Schutz aus Wasserarmen und Sümpfen, mit einer Umfriedungsmauer aus Basalt und Ziegelsteinen versehen; davor ein großer Wassergraben, der sich aus einem Bach speiste. Diese Stadtmauer besaß vier Tore, Cassel-, Leuth-, Xante­ner- und Rheintor, und war mit 21 Halbtürmen versehen. Zwischen 1601 und 1606 bauten die Niederländer die Stadt zu einer Festung ersten Ranges aus: neue Gräben wurden gezogen und Vorwerke errichtet. In dieses Verteidigungswerk wurde auch die Kurfürstliche Burg einbezo­gen. Diese besaß 4 Türme und war ringsum von einem Wassergraben um­geben, über den 2 Zugbrücken die Verbindung zur Stadt herstellten. Die Hauptbrücke lag zur Rheinstraße, die andere führte zu Nebenge­bäuden, dem "vorderen Castell", die früher dem erzbischöflichen Ge­folge zur Unterkunft dienten und an deren Stelle dann später die noch heute existierende alte Kellnerei errichtet wurde. Ursprünglich gehörte der direkt am Wasser liegende alte Pulver- und Zollturm (von dem heute noch der Stumpf erhalten ist) zur Burg. In Entsprechung zu seinem Gegenstück, dem im südlichen Zipfel des Erzstiftes bei Ander­nach gelegenem "Weißen Turm", nannt man das Rheinberger Bauwerk den "Schwarzen Turm". Er war sehr massiv gebaut und ungefähr 25 Meter hoch. Oben, auf seiner obersten Plattform, standen drei "metallene Hauptstücke" mit denen die zivile Rheinschiffahrt vollkommen be­herrscht werden konnte. Wahrscheinlich dienten Arnold und Gerhard unter spanischem Oberbefehl, doch wenn sie auf der Burg gedient ha­ben, so hatte für sie noch die Wachordnung aus dem Jahre 1541 Gül­tigkeit in der es heißt:

"...item sall man die burgh bestellen mit guten wechtern die uß dem gestifft von Cölln seint, die getruwelich wachen sullen, also das der oberste thurnknecht zu allen uren in der nacht/ das Horn blasen soll, so soll Ime ein Jglicher wechter antworten/ mit blaßen und ro­effen, und welcher des nit ..thet, der soll boßfellich sein umb sei­nen dinst, kost, lone und kleider/ In derselber vorgen soll sich der oberste/ off man Ime ruffen wurde/ auch sein. Und solten zu sommer alle tag acht uren nach mittags uff Iren wachten sein, und des win­ters zu sechßs uren, und des morgens so der tagh schon uff ist, mu­gen sy uff Iren wachten schlaiffen vur mittagh Ire gedinge, und nach mittagh sullen sie affgain arbeiden/ da man sy das heist, und vort soll der groß torn alle Zeit bestalt sein, als das bißher gehalten ist..."[65] Der Turm wurde zweimal, 1598 und 1636, durch ein Explosi­onsunglück schwer beschädigt. Die entgültige Vernichtung brachte die preußische Besetzung der Stadt im frühen 18.Jhd., der alle Festungs­werke zum Opfer fielen.

Über das Leben in der Festungsstadt Rheinberg schreibt Wittrup[66]: "Auch die ganze Stadt selbst hatte sich in ihrem äußeren Charakter der Festung allmählich angepaßt. Die Erfahrung, die die Bürger im Laufe der Zeit bei Belagerungen und Brand machten, war ihnen Lehr­meisterin bei der Anlage der Straßen und Häuser. Man lernte eben in den vielen Kriegsstürmen sich so einzurichten, daß Stadt und Einwoh­ner möglichst lange dem Angreifer trotzen konnten. Die Häuser waren niedrig, aus Backsteinen erbaut. Schon um die Mitte des 17.Jahrhunderts waren Dächer aus Schindeln der Stroh strengstens verboten. Um bei einer Beschießung der Stadt eine sichere Zuflucht­stätte zu haben, hatte viele Gebäude gewölbte Keller, die sich nicht selten unter mehreren Häusern hinzogen. Manche sind noch bis heute erhalten. Auf den Kellergewölben lag eine Schicht Sand und Lehm, um das Durchschlagen der Bomben zu verhindern. An den Pumpen auf den öffentlichen Plätzen und in den Straßen standen große Wasserfässer, welche immer gefüllt sein mußten. Ein Holzschlitten war derartig un­ter ihnen befestigt, daß bei einer Feuersbrunst sofort mittels Seile das Faß von mehreren Personen zur Brandstelle geschafft werden konnte. Die Straßen waren so breit, daß die aufschlagenden Bomben an den benachbarten Häusern keinen Schaden anrichten konnten. Auch die zahlreichen Gärten innerhalb der Umwallung verringerten die Brandge­fahr. Ferner gab es in der Stadt viele Baracken zur Unterbringung der Soldaten. Die Häuser waren so eingerichtet, daß möglichst viele kleine Zimmer zur Einquartierung vorhanden waren. Auch war für große Speicher und Kornböden gesorgt, die eine gewaltige Masse an Vorräten aufnehmen konnten; eine Wassermühle lag innerhalb der Wälle."

Gut denkbar ist es auch, daß Arnold bei einer Bürgerfamilie in Quar­tier lag; vielleicht lernte er auch dort die Tochter des Hauses nä­her kennen und heiratete sie später. Soldatenehen waren in früherer Zeit oft streng verboten, zumindest aber sehr ungern gesehen. Wollte doch kein Kriegsherr für den Lebensunterhalt von Soldatenangehörigen aufkommen. Die angetrauten und oftmals nicht angetrauten Ehepartner der Soldaten samt ihres Nachwuchses waren auf den Erlös aus kleine­ren Arbeiten angewiesen, meistens jedoch auf die Mildtätigkeit der Bürger; vom Sold ließen sie sich nicht ernähren. Arnold erhielt, verheiratet oder nicht, für Heizung und Licht täglich einen Stüber, den er sich mit drei weiteren Kameraden teilen mußte. Geteilt wurde ebenfalls das Bett, sofern keine Seuche herrschte, mit zwei Kamera­den. Unteroffiziere hatten es da etwas besser, sie teilten die Schlafstatt nur noch mit einem Kollegen. Dazu ließen sich die hohen Offiziersränge ihr Mobiliar und ihren Hausrat durch die Stadt stel­len. Zu Arnolds Soldatenzeit gelangte er jedoch auch in den Genuß einer echten "Sozialleistung": Um ihre Soldaten wenigsten einigerma­ßen bei Laune zu halten, richteten die Spanier den "freien Keller", einen Gastronomiebetrieb mit extra niedrigen Preisen ein, den aber nur Soldaten betreten durften. Jährlich wurde die Lizenz an denjeni­gen Rheinberg Bürger vergeben, der die niedrigsten Preis für Ge­tränke versprach. Diese wurden dann von einer Kommission geprüft, die eine Erlaubnis vergab und den Wirt von jeglicher Zoll- und Steu­erabgabe befreite. Vorgeschrieben war das Angebot von Rheinwein, Bordeaux, den spanischen Weinen Xeres, Ximenes und Canaria, sowie starkem und mittlerem Bier. Verschiedene Maßnahmen bedrohten den Wirt mit Strafen um Schmuggel sowie die Alkoholabgabe an "Normalbürger" zu verhindern.

Sehr wahrscheinlich hatte Arnold Impelmann in den Jahren 1618 bis 1620 geheiratet oder doch zumindest ein eheähnliches Verhältnis be­gonnen und war Vater eines Sohnes Arnold (II) geworden, dessen Ge­burt vor dem Beginn der Kirchenbuchführung (1620) liegen muß.

 

Arnold Impelmann                                      N.N.
 * auf Impelmannhof   Pfingsten 1591-93                *   ?
 = in Repelen (kath.!)                                 +   ?
 + nach 1673 in Budberg

                     oo in Rheinberg? 1618-1621

 Datum             Kinder           Paten 
 ------------------------------------------------------------
* o.Datum          Arnold II.

= 27.12.1622       Johanna          Herman Gerns
 aus Walsum
                                    Gertrud Speimans
 
= 27. 3.1626       Johannes         Johan Michaelis

                                    Mechthild Speimans

= 21. 5.1628    Cornelius Friedr.    D:Friedrich Vohr

                                    Columba Janssen

=  3. 6.1629       Gertrud          Rutger von Heck

                                    Aleidis Zamora

= 11. 8.1631       Margareta        Cornelius Gielen

                                    Hester Krofs
, Frau von
                                    Gerard Krofs
 
                                      gnt. Margarete Krofs

 Die Familie zog in den Jahren 1631 - 1633 nach Budberg

 

Arnds Bruder Gerhard hatte ebenfalls eine Familie gegründet, jedoch ist er selber recht früh gestorb–en, zwischen 1636 und 1641, und fiel möglicherweise bei der Ausübung seines Soldatenberufes.

 

 Gerhard IV.                             Gertrud Hüls
                                           (Gertrud von Hüls)  
 * 1582-87                                       *    ?
 + zwischen 1636 und 1641                        +    ?
                 oo vor 1624  in Rheinberg?

  Datum           Kinder                   Paten
 -----------------------------------------------------------
 = 4.3.1629       Christina            Eberhard Berckerfuirt

                                       Catharina Schepers

 = o.Datum        Sohn
[67]

 

Arnold und sein Bruder Gerhard werden in ihrer Soldatenzeit sicher häufiger eine Schippe als eine Waffe in der Hand gehalten haben, denn seit dem Jahr 1626 verfolgten die Spanier ein ehrgeiziges Pro­jekt. Am 21.September 1626 begann der Bau eines Rhein-Maas-Kanals der den Zweck erfüllen sollte die Holländer von dem sehr ertragrei­chen Nordsee-Binnenland Handel abzuschneiden. Dieser Handel war eine munter fließende Geldquelle, die den Niederländern die finanzielle Grundlage für ihren Freiheitskrieg verschaffte. Darüber hinaus konnte der Kanal als Verteidigungslinie benutzt werden. Zwei starke Festungen an seinen Endpunkten, Rheinberg und Venlo, dazu eine auf halber Strecke, Geldern, sowie 24 Schanzen im Verlauf des Kanals, boten einen guten Schutz. Gewidmet war der Kanal, der damaligen Statthalterin der spanischen Niederlande, Isabella Eugenia Klara, einer Tochter des spanischen Königs Philipp II. Nach ihr erhielt das Wasserbauwerk seinen noch heute gebrauchten Namen: "Fossa Euge­niana". Höchstpersönlich nahm die Dame den Kanal in Augenschein und fuhr zu Schiff von Venlo nach Rheinberg. Immer wieder versuchten die Niederländer mit blitzartigen Angriffen den Bau zu verhindern. Nach Einnahme von Rheinberg 1633 machten sie dann den Kanal unbrauchbar, doch blieben viele Spuren davon bis in unsere Zeit erhalten.

Arnold war wie seine Brüder Analphabet, statt mit seinem Namen zu unterschreiben benutzte er die Hausmarke des Hofes; die Lage des Im­pelmanhofes als Einzelgehöft abseits von Dorf und Stadt verhinderte den Schulbesuch. Anders nun bei der nachfolgenden Generation. Ar­nolds junge Familie lebte jetzt in Rheinberg, wo es den Meister Geb­hard gab. Er leitete die Schule und trug die Bezeichnung Rektor, was ihm ein Jahresgehalt von 125 Talern eintrug. Als Unterschulmeister war Heinrich Bredenbach im Amt, erst mit 70, später mit 90 Talern jährlich. Meister Gebhard hatte für sein Gehalt zusätzlich noch den Organistendienst zu versehen. Er quittierte noch vor dem Jahr 1627 seinen Dienst und übergab das Amt seinem Nachfolger Bartholomäus Mortiers.

In Rheinberg wurde Arnd Mitglied der St.Michaels Schützenbruder­schaft. Unter den "Gildemeistern" Cornelius von Barl und Brunschütz wird er 1637 als eines von 174 Mitgliedern aufgeführt[68]. Das genaue Umsiedlungsdatum von Rheinberg nach Budberg zwischen 1631 und 1633, ist nicht bekannt, ebenso nicht der Zeitpunkt seines Ausscheidens aus dem Militärdienst.

Zum einen mag die niederländische Eroberung 1633 der Anlaß gewesen sein oder die Pestepedemie in Rheinberg 1631. Unter den vielen Op­fern befand sich selbst der Bürgermeister Bottermann. Der Rat sann auf Abhilfe und visitierte mit einem Adjutanten und dem Sergeanten Jaques am 1.2. die Militärbaracken und am 18.2. alle Häuser. Diese Begehung wiederholte sich am 9. und 10.April. Gab es schon kein di­rektes Mittel gegen die Seuche, war man sich doch bewußt, daß enge Zusammenhänge mit den hygienischen Verhältnissen bestanden. Darum war man bestrebt, die Straßen äußerst sauber zu halten und pfla­sterte sogar einen großen Teil. An den Festtagen wurden die Torwa­chen verstärkt und alle Besucher aus gefährdeten Gebieten abgewie­sen. Statt offene Gewässer zu nutzen wurden Brunnen gegraben und Tierkadaver schaffte man direkt fort. Der Bürgermeister notierte: "Als etzliche häßlich und unversehens abgestorben waren und die Ver­muthung von Pest war, durch Zwang des Gouverneurs die Gestorbenen durch Meister Hanssen und andere Feldscher besichtigen lassen. Des Abends auf Peter und Paul wurde durch den Priester bei Ruemunds vor dem Hause ein Feuer angesteckt und eine Wache dabei gestellt, um die Luft von bösen Dünsten zu reinigen." Der Kaplan Lars beklagte sich im Jahre 1631 bitterlich, daß sich der Rheinberger Pfarrer Gerhard Dorman in Neuss aufhalte und ihn bei der Arbeit mit den Pestkranken alleine ließ. Dorman und sein Kaplan starben noch im gleichen Jahr an der Seuche. Ein Karmelitermönch, Praest, der die vakante Pfar­rersstelle antrat, starb ebenso wie ein Franziskanerpater im glei­chen Jahr 1631. Als Nachfolger Praests wurde der Kamper Zisterzien­ser Mönch Heinrich Gilthonius auf die Rheinberger Pfarrstelle ge­setzt, der sich in kürzester Zeit sehr unbeliebt machte und über den sich selbst der Kölner Erzbischof beim Abt des Klosters Kamp be­schwerte. 1633 soll er das Pfarrhaus den einrückenden Holländern feige überlassen haben und selber ins Frauenkloster (St.Barbara Gar­ten) gezogen sein. Dort machte er eine Weinschenke auf und bewirtete nicht nur weltliche Leute, sondern vor allem die calvinistischen Soldaten.

Diese hatten unter Führung des Prinzen Friedrich Heinrich von Ora­nien die Festung mehrere Wochen von allen Seiten beschossen, so daß kein Haus unversehrt geblieben war. Nach der spanischen Kapitulation besetzten die Niederländer Rheinberg vom 2.Juni 1633 bis zum Jahre 1672. Wenn Arnold zu dieser Zeit noch in Rheinberg in Militär­diensten stand, so geriet er vorübergehend in Gefangenschaft. Es ist bekannt, daß die Holländer die Soldaten gefangenhielten, deren Ange­hörige aber, Frauen und Kinder, als überflüssige Last zur Stadt hin­aus jagten. Diese Vertriebenen suchten die Nähe ihrer Männer und Vä­ter und schlugen darum ein Lager vor der Stadt bei der Kapelle auf dem Annaberg auf, dort wo heute der Friedhof von Rheinberg liegt. Sie nutzten die Kapelle oft zum Beten, sehr zum Verdruß der calvini­stischen Besatzer. Diese beschlossen die Kapelle zu zerstören und am 31.August 1633 zog ein Trupp Soldaten abends zur Stadt hinaus zum Annaberg. Dort waren die Frauen und ihre Kinder gerade zum Gebet versammelt und viele konnten Angesichts der Soldaten reißaus nehmen, allerdings gelang nicht allen die Flucht. Unter denen die blieben und dann umgebracht wurden war auch die Frau des spanischen Hauptmanns Zamora mit ihren Kindern. Wahrscheinlich war sie die gleichnamige Frau, die 1629 der Gertrud Impelmann Pate stand. Ihr Ehemann, der spanische Hauptmann Zamora kehrte nach seiner Entlas­sung aus der Gefangenschaft nicht mehr in seine Heimat zurück. Er blieb in Rheinberg -vielleicht in Errinnerung an seine Familie- und wurde später sogar Bürgermeister. Sein Bruder oder sein Sohn, Alphons, war am 11.4.1626 Novize in Kloster Camp geworden. Die Mord­nacht auf dem Annaberg blieb aber nicht nur in der Erinnerung der Rheinberger bestehen, sondern auch einen der Täter faßte späte Reue und er setzte zur Wiederherstellung der Kapelle in seinem Testament einen höheren Betrag aus. Spätesten nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft siedelte Arnold mit seiner Familie nach Budberg um.

 

 

DAS MÄRTYRIUM DES WEISSEN HAMMELS

 

Nur ein knappes Jahr nach dem gewaltsamen Tod des Steuereinnehmers Mewis Wolters stand am 22. und 23. November ein weiterer Kriminal­fall vor dem Gericht in Moers zur Verhandlung an, der sich wiederum im Rheinberg-Moerser Grenzgebiet ereignet hatte.

Gerhard Impelman, er gab in dieser Akte[69] sein Alter mit 65 Jahren an, mußte als Zeuge auszusagen und er berichtete von einem Zwischen­fall, der sich in der Stadt Rheinberg zugetragen hatte. Am Sonntag dem 30.September waren der Schäfer von Strommoers und seine Frau, Impelman und seine Frau sowie die Hausfrau von Coler Janß auf eine "Sonntags Zeche" nach Rheinberg gegangen und hatten sich im Haus von Hendrich  Tacken;, einem Gasthaus, ein Stück mitgebrachtes Fleisch braten lassen. Die Frauen wetteten spaßeshalber miteinander und set­zen Kuh gegen Schaf. Als es sehr lustig wurde kamen immer mehr Leute auf einen Trunk herein, darunter Thomas, der Knecht von Crutzmanß, Gritt  Husmans; und andere. Auf einmal wurde der Schäfer sehr ernst und sagte daß man seinen besten Hammel gestohlen habe. Vor allen Leuten bezichtigte er Adam, den Bruder des Unterpächters (Halfmann) auf Strommoers, seinen Hammel gestohlen und geschlachtet zu haben. Johan, der Stommoerser Unterpächter[70], der der eigentliche Bauer auf diesem Hof war (sein Familienname war wahrscheinlich Schlett oder Schletten), stand auf und verließ das Gasthaus um mit seinem Bruder Adam, der bei Louysen beim Trunke saß, zurückzukehren. Adam wollte wissen, wer ihn beschuldigte, worauf sich Derrich Colen meldete. Adam warf daraufhin zwei Real[71] auf den Tisch, um mit seiner Bar­schaft die Unwahrscheinlichkeit des Vorwurfs zu beweisen. Doch noch bevor einer reagierte, stand der Baurmeister von Strommoers, der 40jährige Derich Schenck auf und schlug dem Adam mit der Faust ins Gesicht, so daß dieser auf den Rücken fiel und verließ ebenso wie Gerhard Impelman den Raum. Durch die öffentliche Anschuldigung und den Faustschlag kam die Sache vor Gericht und es wurden verschiedene Zeugen gehört. Derrich Kohlen ebenfalls um die 40 Jahre, der ja di­rekt in den Konflikt eingegriffen hatte, konnte sich überhaupt nicht mehr erinnern, wer was gesagt oder wer wen geschlagen hatte. Der Bruder des beschuldigten Adam, Johann versuchte das Gericht zu über­zeugen, daß Adam am Tag des Schafdiebstahls das Haus nicht verlassen und nur abends kurz vor Sonnenuntergang mit einem Mann namens Hendrich Fluck[72] und seinem, des Mitpächters Sohn, draußen war. So sagte auch Trin aus, die Ehefrau von Johan und Schwägerin des Be­schuldigten. Auch andere Zeugen, Jacob auf Busserhoeff am Ossen­bergh, Tringen Tabbers und Strin zu Niederstryck die sich auf dem Hof aufgehalten hatten, bestätigten diese Erklärung. Etwas peinlich war nur die Aussage der Magd Gritgen Buschen, die freiweg erzählte, daß an dem fraglichen Tag der beschuldigte Adam mit seinem Neffen zwei Stunden am Nachmittag aus dem Hause war, was ihr die Hausfrau von Klein Johan verboten hatte zu erzählen. Darüber hinaus berich­tete sie, daß im Laufe der Woche nach der Untat mehrfach Hammel auf der Speisekarte gestanden hatte, zum einen Mal der Kopf des Tieres, zum anderen Innereien. Es ging wohl im Haus von Klein Johan des öf­teren recht seltsam zu; die Magd wußte zu erzählen, daß, als man mit der Ernte beschäftigt war und der Buchweizen eingefahren wurde, sie eine Gans rupfen mußte, die überfahren worden war und danach zwei Tage rumgelegen hatte bis sie anfing zu stinken. Damals hatte man ihr verboten, der Jungfer -der Hauptpächterin- etwas von der Gans zu sagen[73].

Der genaue Ausgang dieser Gerichtssache ist nicht bekannt, doch drohte dem beschuldigten Adam mit Sicherheit Unheil als endlich der Tatzeuge Jan Mellers, der ungefähr 20jährige Schäfer von Orsoy, seine Aussage machte und Licht in diese Angelegenheit brachte. Als am 21.September 1618 der Matthäus Markt in Rheinberg war, wollte er seinem Strommoerser Kollegen ein Schaf abkaufen aber konnte sich mit ihm nicht einigen und verabredete sich für den nächsten Sonntag, um noch einmal diese Sache zu verhandeln. Er sollte zur Verkensweide kommen, wo der Strommoerser Schäfer an diesem Tag weiden wollte. Am Sonntag, dem 23.September, ging Jan Mellers zur verabredeten Weide wo er auch die Tiere seines Kollegen sah, ihn selbst aber nicht. Da­für stand der beschuldigte Adam mitten unter der Herde. Jan Mellers, dem diese Situation verdächtig vorkam, blieb hinter einer Hecke ste­hen und beobachtete das Geschehen. Adam hatte den Hut tief ins Ge­sicht gezogen und bemühte sich um einen weißen Hammel, der sehr zahm war. Er lockte das Tier und zog es, als er damit Erfolg hatte, in einen nahen Graben. Er hatte Erlenzweige abgeschnitten und bedeckte das Tier damit. Ob Adam dem Hammel den Hals durchgeschnitten und die Füße zusammen gebunden hatte konnte er nicht sehen. Inzwischen kam der Hütejunge des Strommoerser Schäfers und trieb die Herde weiter. Adam verschwand solange und kletterte als der Hütejunge davon war wieder in den Graben zurück. Jan Mellers beobachtete wie Adam drei­mal ohne Hut seinen Kopf vorsichtig aus dem Graben schob und Aus­schau hielt ob jemand kam. Jan fand diese Sache sehr seltsam und ging wieder nach Hause. Wenige Tage später traf er seinen Kollegen, von dem er erfuhr, daß dieser am verabredeten Tag in Repelen zum Biertrinken gewesen war, ebenso daß er seit diesem Tag seinen besten Hammel vermißte. Jan Mellers erzählte ihm von seinen Beobachtungen und zusammen gingen sie aufs Feld und untersuchten den Graben wo sie das Tier in vier Teile zerstückelt fanden. Der arme Hammel war das Opfer seiner Gutgläubigkeit geworden.

 

 

DER IMPELMANHOF IM 30JÄHRIGEN KRIEG

 

Während Wilhelm verschwunden und Gerhard und Arnd in Rheinberg bei den Soldaten waren, blieben dem alten Vater Impelman und seiner Frau Beel noch der Sohn Diedrich und ein weiteres Kind, eine Tochter Beel die später den Schwiegersohn Johan ins Haus brachte, der sich dann Impelman nannte. Die Arbeitskraft der Söhne fehlte und etliche Fel­der wurden wegen der fehlenden Hände und der steten Gefahr unfrei­williger Erntehelfer, nämlich den marodierenden Soldaten, nicht mehr bestellt; das Einkommen nahm ab, die Lasten blieben. Die langen Kriegszeiten hatten die Landwirtschaft in arge Bedrängnis gebracht, denn in diesen Jahren ging man nicht allzu zimperlich mit säumigen Schuldnern um. Bei allzu großer Not wurde zwar dem Bauern die Pacht gestundet oder erlassen, er konnte sogar manchmal mit direkter Hilfe rechnen; kamen aber längere Epochen der Not und des Krieges, mußte sich die Landbevölkerung selber sorgen. Oft führte dann der Weg zu Geldverleihern, die sich meistens als arge Wucherer entpuppten und den unerfahrenen Bauern den letzten Pfennig herauspreßten. Manchmal kam es aber auch anders, und der Gläubiger verzichtete auf die Zin­sen. So findet sich eine Obligation die Gerhard Impelman unter­schrieben hatte und in der er bestätigte 73 Reichstaler erhalten zu haben. Er hatte das Geld am 16.3.1621 von dem Juden Leon und dessen Ehefrau Rachel geborgt und versprochen, es zum Osterfest am 11. April des gleichen Jahres pünktlich zurückzuzahlen. Zinsen wurden in dieser Urkunde nicht vereinbart; möglicherweise bestanden aber zu­sätzlich Vereinbarungen. Zwei Zeugen, Goert Hamecher und Leopold Jude bestätigten die Abmachung[74]. Dieses geliehene Geld vermochte aber auch nur eine kleine Hilfe sein, -die großen Lücken die der Krieg geschlagen hatte konnte es auch nicht überbrücken-. Gerade in den nächsten Jahren wurde Rheinberg und besonders die umliegende Ge­gend von kaiserlichen Soldaten, also den eigenen Truppen, schwer heimgesucht. Darum finden wir ein Protokoll, daß nur wenige Jahre später, am 23. November 1627, aufgenommen wurde und in dem Gerhard für sich und seine Frau sowie der Sohn Dietrich mit ihrer Unter­schrift (besser: der Hausmarke)Leopold Jude bestätigten, daß sie der Abtei eine größere Summe Geldes schuldig waren[75]. Mit diesem Geld, es handelte sich um 200 Reichstaler, wurden die "Creditores" be­zahlt, also eine Umschuldung vereinbart, bei der der Kellner von Camp direkt 100 Taler für Pachten einbehielt, sein "Sohn Arnden Sol­dat in dat Quartier 7 Rtlr", ein alter Gläubiger der Familie, Peter op der Camp, die Summe von 28 ½ Talern erhielt, der Soldat Nicolaß 19 Rtlr, zuletzt ein Franß Mangelman noch 7 Reichstaler. Dieser Ver­trag war in der Rheinberger Niederlassung der Camper Mönche ausge­handelt worden, da das Kloster nach dem Kölner Krieg noch nicht wie­der aufgebaut war.

Das Darlehn verschaffte aber auch nur eine sehr kurze Verschnauf­pause, denn gerade ein Jahr weiter war der Streit mit dem Rheinber­ger Hof- und Baurichteramt wegen der Lieferung von 6 Malter Zinsha­fer wieder voll ausgebrochen. Diese Abgabe war sehr umstritten und wurde von Impelman verweigert; wahrscheinlich war er auch gar nicht in der Lage diese Abgabe zu leisten. Der Hofrichter Sixtus von Al­dringen nötigte dem Abt von Camp, Laurenz Bever, eine Grundsatzer­klärung zu dieser Abgabe abzugeben. Der Abt bestätigte, daß als Be­standteil des richterlichen Gehaltes für die Abtei aus dem Impelman­hof 6 Malter Zinshafer jährlich abzuführen waren. Sollte der Hof aber der Abtei verloren gehen oder ihr die Bestimmung darüber entzo­gen werden, so sollte sich der Richter bitte an den zuständigen Hof­besitzer halten. Daneben bestand ein Abkommen, wonach der Abt den Zinshafer direkt an den Baurichter lieferte und anschließend bei Im­pelman zurückforderte. Dieser Vertrag wurde aber schon nach wenigen Jahren Laufzeit von der Abtei gebrochen und der Baurichter wieder an Impelman selbst verwiesen[76].

Die Turbulenzen des 30jährigen Krieges sind uns aus der direkten Um­gebung des Hofes nur in einem Fall überliefert, darüber hinaus sind sie aber an den vielen Aufzeichnungen über Mißstände und Streitig­keiten ablesbar. Aus dem Jahre 1632 ist ein Ereignis mit den beson­ders gefürchteten Croaten überliefert, die damals in Eversael Quar­tier bezogen hatten. Die Bauern waren durch viele schmerzliche Er­fahrung gewitzt genug und hatten Wachen gegen die Plünderer und Ma­rodeure aufgestellt. Als nun die sogenannten "Fuchsschwänzer" von Eversael losstreiften und in die Gegend des Plisshofes kamen, dem Nachbar des Impelmannhofes, stießen sie auf eine Bauernwache, der es gelang, den Soldaten eine Schlappe beizufügen. "Dieterich Backes, Jacob Brauns und Bogen Knecht hetten große gegenwehr gethan, Endlich auch Einen von den croaten mit einer blawen Bochsen von hinten durchschossen, welchen dessen Camerathen unter die armen ergriffen und weggeschlefft." Dies geschah auf dem Rossenrather Leichweg, auf Mullendick beim Plisshof.

 

 

DER HOF UNTER JOHAN, BEEL UND WILHELM IMPELMAN

 

In der Zeit von Ausstellung der Schuldverschreibung, dem 23. Novem­ber 1627, bis zum 26. Juni 1632 verstarb der letzte auf dem Hof ver­bliebene Sohn, Dietrich Impelman. Der Altbauer Gerhard war mittler­weilen 77 Jahre alt geworden und nicht mehr in der Lage den Hof in vollem Umfang selbst zu bewirtschaften. Es trat nun eine neue Person als Bauer auf dem Hof zur Impel ins Blickfeld, Jan Impelman, der als Ehemann der Tochter Sibilla (Beel wie die Mutter) in den Hof einge­heiratet hatte[77]. Johan oder Jan hat sich dem ortsüblichen Brauchtum entsprechend nach dem Hof benannt. Seinen tatsächlichen Familienna­men konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen. Aber ähnlich sei­nem Schwiegervater war auch er ein streitbarer Mensch der keiner Meinungsverschiedenheit aus dem Wege ging und darum häufig in den Gerichtsprotokollen[78] zu finden ist. Mit den Brüdern Peter und Goerd Lemmen stritt er vor Gericht mehrere Monate um die Einhaltung eines Verkaufsabkommens. Bei den Brüdern stand ein Pferd zum Verkauf und der Käufer sollte als Preis dafür 15 Malter Wintergerste geben, nach einer anderen Aussage wurden 20 Reichstaler und 2 Malter Winterger­ste verlangt. An dem Tier waren etliche Menschen interessiert und deshalb hielten sich dort am Verkaufstag auch der 36jährige Gerrit Mühlenfeld aus Impelmans Nachbarschaft sowie der 90jährige Jürgen oder Georg Ebbinckhaus aus Hüls, ein Kaufmann, und der 28jährige Pferdehändler Mathias Nelissen, ebenfalls aus Hüls, auf. Sie bestä­tigten, das Impelman 20 Reichstaler geboten hatte und später noch bereit war 1½ Malter Wintergerste oben drauf zu legen. Nun hatte das Pferd aber einen Körperschaden, der den Wert ziemlich minderte und wohl auch die anderen Interessenten abschreckte. Impelman hatte ge­sagt, ohne den Schaden sei das Pferd gut 40 Reichstaler wert. Dem Käufer wurde angeboten, das Pferd zurückzunehmen wenn der Schaden sich nicht innerhalb eines Jahres auskurieren ließe. Daraufhin hatte Impelman erzählt, sein Schwiegervater, der alte Gerhard Impelman, könnte "etwas Meistern" und sollte den Schaden wohl heilen. Danach soll das Pferd an Johan Impelman verkauft worden sein, was die Brü­der aber bestritten. Da das Prozeßende ebenso wie eine klare Zeugen­aussage zur Beobachtung des Verkaufsabschlusses fehlen, bleibt es ungewiß ob das Pferd nun auf den Impelman Hof gekommen ist oder nicht.

Ein Jahr später, am 20. April 1633, mußte Jan Impelman erneut vor den Schranken des Gerichts erscheinen denn den Kirchmeistern der Re­pelener Kirche war aufgefallen, daß der Impelman Hof zwei Morgen Land in Erbpacht hatte und der Kirche dafür jährlich 1 Malter Roggen schuldig war. Diese Forderung wies Jan Impelman mit der Bemerkung zurück, die Kirchmeister sollten den Beweis dafür erbringen und wenn sie Recht hätten sollten sie sich ihre 2 Morgen Land abmessen. Tatsächlich legten die Kirchmeister Abrechnungen aus dem Jahre 1546 vor aus denen der Sachverhalt eindeutig abzulesen war; daraufhin be­handete das Gericht Jan Impelman von Amts wegen mit den strittigen Ackerflächen und sprach den Kirchmeistern ausdrücklich das Recht an der Kornrente zu.

Auch im Zusammenleben mit seinen Nachbarn bemühte Jan Impelman die Gerichte und wollte die Durchfahrt über den Impelmans Hof verbieten lassen. Ein schlechtes Gewissen wegen nicht bezahlter Schulden besaß er nun auch nicht und selbst aus den Reihen seiner Schwäger mußte erst das Gericht bemüht werden, um ihn zur Schuldanerkennung zu zwingen.

Auch in den Jahren als der Schwiegersohn Johan die Geschicke des Ho­fes lenkte waren Schulden in größerem Umfang an der Tagesordnung und wurden durch die schlechten Zeiten diktiert. So mußte für den Hof am 12. Juni 1633 ein Darlehn in Höhe von 400 Reichstalern beim Schult­heißen Johan Breckheren zu Moers aufgenommen werden, das der Abt von Camp am 13. Dezember 1633 in Rheinberg bestätigte. In dem Schrift­stück des Abtes wird Johan mit seiner Schwiegermutter Beele als "Gewinnsleute" bezeichnet, er war also schon mit dem Hof behandet.

Ein Jahr weiter erlebt der Streit zwischen Hof, Abtei und Baurich­teramt in Rheinberg um 6 Malter Zinshafer eine neue Auflage.

Sicher hätten die Handwerker um den Impelman Hof wegen seiner schlechten Zahlungsmoral einen großen Bogen gemacht, wäre es nicht in diesen Zeiten überall ähnlich gewesen und wer sein Geld wollte mußte vors Gericht ziehen. Dorthin wandte sich auch Daniel Breymans, der Schmied von Repelen, und überließ dem Gericht[79] einen Auszug aus seinem "Rechenbuch" in dem neben einer Aufsummierung bis zum 22.10.1632 in Höhe von 39 Dalern u.a. vermerkt war: "an ein Fleisch­gaffel verdient 2½ Stüfer" oder "ein perd beschlagen mit zwey ney Isers" was zum Schluß bei Einreichung der Klage vor Gericht am 28.3.1635 immerhin eine Summe von 40 Dalern und 4 Stüfern ausmachte.

Mit seinem Nachbarn Derrich Wyntgens (möglicherweise sind zu diesem Zeitpunkt schon die Personen Kohl und Wyntgens identisch, siehe die Person des Zeugen Derrich Cohl beim Schafdiebstahl 1618) geriet Jan Impelman am 28. März aneinander, ebenfalls im Jahre 1635. Er hatte ihm ein Pferd verkauft, vielleicht war es das Roß aus dem Prozeß von 1632, und dieser Abschluß war anscheinend nicht ganz sauber gewesen. Das Gericht zwang ihn das Pferd zurückzunehmen und dem Nachbarn in­nerhalb eines Monats den Verkaufspreis in Höhe von 50 Dlr 12½ Stübern zurück zu erstatten.

In dieses Jahr 1635 muß der Tod des alten Gerhard Impelman, nunmehr 80 Jahre alt, gefallen sein, wahrscheinlich in den Herbst. Denn im Januar des nächstfolgenden Jahres wurden Auseinandersetzungen zwi­schen dem ältesten Sohn Gerhard, der zu den Soldaten gegangen war sowie dem Schwiegersohn Jan Impelman vor Gericht ausgetragen. Der Bruder ging die Rechtmäßigkeit bestimmter Punkte im Ehevertrag (der sogenannten Heiratsberedung) seiner Schwester an, die anscheinend erst zu diesem Zeitpunkt zum Tragen kommen, was im Grunde nur beim Tod des Altbauern der Fall gewesen sein konnte. Auch hier bricht das Gerichtprotokoll wieder ab, ohne die Dinge weiter zu verfolgen. Eine Bestätigung des Todes vom Altbauern Gerhard Impelman bringt zusätz­lich ein Bruchstück einer Aufzeichnung aus einem Prozeß den Gerhart Coenen anstrengte um die Bezahlung einer Rechnung zu erhalten. Jan Impelman wies diese Forderung zurück, weil sie vor seiner Zeit ent­standen war; dafür rückte nun die Schwiegermutter ins Blickfeld des Gerichts weil der Schwiegervater verstorben war.

Allerdings verstarb auch diese bald nach ihrem Gatten und so standen im Jahre 1637 neue Behandigungen auf dem Impelman Hof an. Da 2 Ster­behände zu besetzen waren ließ sich die Ehefrau Beel des Johan Im­pelman eintragen[80]; des weiteren muß noch ein in dieser Ehe gebore­ner Sohn, Wilhelm Impelman, eingetragen worden sein. Ob der derzei­tige Bauer, der eingeheiratet Schwiegersohn Johan Impelman auch be­handet war, ist nicht erwähnt. Verschiedenes läßt aber darauf schließen, daß zu diesem Zeitraum die Rechte am Hof an drei Personen gleichzeitig übertragen worden sind.

 


 Johan        ?                            Sibille Impelman
 genannt Impelman
 *                                         *
 + vor 1651                                + 1651 - 1656

                 oo  wann, wo ?

   *              Wilhelm                + vor 1664         
   *              Petronella             oo mit Theis Diemers
 
   *              Schwester (Lutgera?)   oo mit Arnd  Husman
;
                                            (aus Budberg)

 

Johans Schwager Gerhard mit dem er sich noch 1636 vor Gericht herum­zankte starb vor dem Jahr 1641. Danach bemühte sich ein Bruder der Witwe, Johan von Hüls, die Rechte eines Kindes aus dieser Ehe gegen­über Johan Impelman durchzusetzen:

"Johan von Hülß zeigtt claglich an, wie daß Impelman seiner Schwe­ster kindt zum abstandt zuu geben fersprochen siebentzigs vunf dlr, patt denselben ad solutionem capitalis cum interesse anzuhalten. An­walt übergab Verdragszettell und quitungs und patt ferner nit be­schwehrtt zuu werden.

In sachen Johannen von Huls % Impelman ist verglichen daß Beclagter dem Kinde solle herauß geben 12½ dlr imgleichen von 75 dlr pension und wann es zu seinen Manbaren Jahren kommen so solle ihm ahn stat der pension so viell herauß geben davor es nohtig ein handtwerck lehrnen könne. Alles laut davon ertheilten Contracts Actum den 23. oktobris 1641."

Johan genannt Impelman stirb relativ jung schon vor dem Jahr 1651, in dem Wilhelm und (seine Mutter) Beele als Inhaber des Hofes ge­nannt werden und an den Abt herantreten um erneut eine Genehmigung zu erhalten den Hof als Sicherheit für ein Darlehn zu stellen. Mit dieser Genehmigung konnten die Gläubiger zwar kein Eigentum am Hof erwerben, doch das Erbnutzungsrecht sowie alles beweglich Eigentum konnte versteigert werden. Im Ernstfall mußte das Kloster zähneknir­schend hinnehmen, das die Pachtrechte eventuell geteilt und der Ge­samtbesitz dadurch zerstückelt wurde um ihn besser loszuschlagen; das Kloster konnte darum auch die Zustimmung den Hof als Sicherheit zu verpfänden verweigern. Wilhelm und Beel erhielten aber die Er­laubnis vom Abt und in der Aufzeichnung findet sich eine Aufstellung zur Verwendung des Darlehns in Höhe von 800 Reichstalern. Das Geld war bei dem "viellEhrenTugendreichen Herrn Cornelius von Heringen, nunmehr Witiben H. Doctoren Flodroff S. und deßen Erben" geliehen. Es wurde zum einen damit das Darlehn aus dem Jahre 1633 getilgt in Höhe von 400 Rtlr, dann eine Obligation vom 4.Mai 1650 in Höhe von 400 schlechten Tlr., eine Obligation vom 28.12.1650 in Höhe von 100 schlechten Tlr und zuletzt eine Schuldverschreibung vom 11. Januar 1651 in Höhe von 300 schlechten Talern. Diese schlechten Taler mach­ten zusammen ebenfalls 400 Rtlr aus, was eine Gesamtsumme von 800 Rtlr ergibt. Diese Summe sollte in einem Zeitraum von 10 Jahren zu­rückgegeben werden. Das es sich dabei eher um einen frommen Wunsch als eine wirtschaftlich fundierte Chance der Hof-Sanierung handelte muß sicherlich nicht erwähnt werden. Dennoch muß die Abtei gerade auch unter dem Gesichtspunkt der aufkommenden Friedenszeiten darin eine bessere Möglichkeit gesehen haben, als die Impelman Familie mit ihren offenen Zahlungsverpflichtungen im Regen stehen zu lassen, also eine Versteigerung des Hofes hinzunehmen.

 

THEIS IMPELMAN UND DAS ENDE EINES FAMILIENSITZES

 

Der letzte Bauer des "Hofes ter Impel" in einer Jahresfolge wo der Hof ununterbrochenen als Familiensitz diente war Theiß Deimers, ge­nannt Impelman. War der Hof schon beim letzte Wechsel über die weib­liche Linie vererbt worden, erfreute sich der Hoferbe Wilhelm eben­sowenig oder zumindest nur recht kurz an einer Tätigkeit als Land­wirt wie seine Onkel, die Söhne des alten Gerhard. Er starb früh und wird 1664 ebenso wie eine Gertrud, wahrscheinlichlich seine Frau, als tot bezeichnet[81]. Der Hof wurde abermals in weiblicher Stamm­folge vererbt. Wilhelms Schwester Peterken, das ist die ortsübliche Kurzform für Petronella, nahm Mathias Deimers zum Ehemann und dieser konnte am 18. Mai im Jahre 1656 das Erbpachtrecht für eine der drei Pacht- oder Sterbehände am Hof vom Kloster für sich gewinnen[82]. Theiß bezahlte von den 35 Talern Gewinngeld 25 und blieb die restli­chen 10 Taler bis zu seinem Fortgang schuldig. Das Schicksal, sein ganzes Leben in immer wieder neuen und höheren Schulden leben zu müssen, ereilte auch diesen Bauern auf dem Impelman Hof. Er türmte von all seinen Vorgängern den höchsten Schuldenberg auf und mußte erleben wie unter seiner Bauernschaft der Hof in die Zwangsverstei­gerung geriet.

Im Jahre 1663, am 8.12. strengte er einen Prozeß gegen seinen Stief­vater an, Hendrich Diemers, der ihm seinen Kindteil vorenthielt. Es fehlen aber auch hier weiterführende Nachrichten. Der Mangel an Bar­geld machte sich immer und überall bemerkbar. Neben eigenen "echten" Schulden traten Zahlungsverpflichtungen aus Rechtsverhältnissen so­wie "Altlasten" seiner Vor-Bauern. Schon am 29.11.1662 findet sich eine Obligation, in der er "zur Abgutung seiner mitgedelingen" sowie zur Bezahlung der "gewinnsgerechtigkeit" und der "satisfaction der landherren steuer" ein Darlehn von 800 Talern bei dem "Edlen und Manhaften Herrn Wilhelm Conrad Ruychaver, zu Diensten der Vereinig­ten Herren Staaten (Holland), Fäntrager under itzigem Gubernatoren Reyser der Stadt Mörß, und jüffraw Anna Elisabeth Becker, seiner Hausfrawen" aufnimmt. Für dieses Darlehn versäumt er rechtzeitig beim Abt die Erlaubnis einzuholen, möglicherweise dachte er an kurz­fristige Rückzahlung. Doch als er 1664 vor der Aufgabe steht die Sterbehände von Wilhelm und (dessen Frau?) Gertrud zu übernehmen, macht er sich diesmal rechtzeitig zum Kloster auf und holt sich noch vor dem erneuten Darlehn die klösterliche Erlaubnis über die vollen 1600 Taler[83]; die zweiten 800 Taler gab's dann ebenfalls bei Ruycha­ver. In diesem gleichen Jahr hatte er auch von der Witwe des Predi­gers Theodor Scriba einen Kredit von 100 gemeinen mörsischen Talern erhalten. Auch das Jahr 1666 ging nicht vorüber, ohne das Theiß 116 Taler bei Ruychaver aufnahm, wieder zu 5 prozentiger Verzinsung.

Das Rechnungsbuch des Klosters Kamp für das Jahr 1667 enthielt den Vermerk, das Theis seinen Pflichten nicht nachgekommen war, "weilen die Frau schwer ein Jahr lanck bettlegerich gewesen". Dazu war auch vermerkt, daß Theis Impelman zusammen mit dem Hausmans Hof die "Winterswicksbentgen" gepachtet. Der Gedanke, daß die Jahre in denen nicht von einer neuen Geldaufnahme gesprochen wird seien wirtschaft­lich in erfreulicheren Bahnen gelaufen, ist sicher nicht richtig. Die Bewohner von Impelmans Hof hatten alle Hände voll zu tun ihre Gläubiger zu vertrösten die alle Augenblicks an die Türe klopften. Eine Möglichkeit mit damaligen Mitteln seine Forderungen durchzuset­zen war der Arrest, der auch beim Impelmans Hof vollzogen wurde. Ge­org von Essen, damaliger Schultheiß von Moers ordnete am 25.9.1668 an: "Der Bott solle Impelman einen arrest verkündigen auff seine früchte in der scheuren und alle mobilia damit die HH Vom Camp wegen Ihrer forderung und verursachten unkösten sich daran können erho­len."

Die letzte Obligation fand ich aus dem 1671 zu Gunsten von Willem Bauman dem er für 100 Taler zu 5 Prozent als Sicherheit ein 4 Morgen großes Ackerstück bot.

In diesem Jahr 1671 beginnt auch ein Rechtsstreit mit dem Rheinber­ger Bürgermeister Zamora. Dieser hatte in Budberg an den dort leben­den Arnd  Husman;s eine Forderung von 150 Talern gehabt, die ihm das Budberger Gericht auch bestätigt hatte. Nur, Arnd  Husman; oder Haus­man besaß nichts Bares und gab darum eine alte Forderung weiter, die bisher nicht eingelöst worden war. Arnd Hausman aus Budberg hatte ein Mädchen vom Impelman Hof geheiratet, eine Schwester[84] von Petro­nella, der Ehefrau des Theiß, die noch ihren Kindteil vom Hof zu er­halten hatte: 130 Taler 10 Stüber. Diese Forderung präsentierte nun der Bürgermeister Zamora am 12. September dem Theiß Impelman. Vor Gericht machte Petronella geltend, daß das Kindteil doch schon be­zahlt sei, sie hätten bei Junker Ingenhoven dazu sogar eine Obliga­tion unterschrieben und sie könnten darum nicht gezwungen werden diese Schuld ein zweites Mal zu zahlen. Das Verfahren zog sich bis in den März 1672 hin und endete damit, daß sich der Bürgermeister mangels Zahlungskraft mit einer Obligation zu Frieden gab, zu der Theiß von Amts wegen gezwungen wurde. Parallel dazu lief seit dem 16. Dezember 1671 bis ins Jahr 1673 ein Prozeß des Vermögenverwal­ters der Pastorenwitwe Scriba, die auf der Suche nach ihren entlie­henen 100 Talern war.  Seit 1667 waren keine Zinsen mehr gezahlt worden und die Witwe drängte auf Vollstreckung.

Das Jahr 1672 sollte das letzte werden, das Theiß und seine Familie in Ruhe auf dem Hof verbringen durften. Die Gläubiger gerieten in immer größere Unruhe und schon im Februar rechnete das Kloster sei­nem Leibgewinnspächter die Rückstände aus und schickten seine Nach­barn zum Impelman Hof um dem Theiß die Forderungen zu überbringen und vorzulesen. Im Jahr 1673 war dann entgültig Schluß. Die Familie mußte, anscheinend im Herbst, den Hof verlassen den sie und Ihre Vorfahren nachweislich schon vor 1541 bewohnt, wenn nicht sogar noch seit einem sehr viel früherem Zeitraum besessen hatten, worauf viele Tatsachen hinweisen.

Im Jahre 1673, wahrscheinlich nach Martini denn es wurde auch vom "jetzt laufenden Pachtjahr" gesprochen, verfaßte das Kloster folgen­den Schriftsatz:

 

Campische Praetention und Schuldforderung

ahn Ihren pfaechter Theiß zum Impell, die Ihme auch auff dem Hoff Anno siebenzig zwey den 2 ten February in beysein und über sichere

Gezeug in hac forma exhibiert worden.

1.Ahnfancklich ist der Halfman mit seinen Erben von Ao 60 bis dem  Jahr 65 inclusive dem Gotteshaus schuldig plieben:

Roggen 13½ malder, item Gersten 7½ malder wie auch boichweitzen 1 malder.

2.Ferners in Zeit das ich underschrieben bin in der Kelnerry bedi­nung gewesen pleibt er schuldig von die Jahr 1666-67-68-69-70-71- ahn Roggen 9 3/4 Malder, item Gersten 20¼ Malder und dan 2 Malder Boichweitzen.

Summarum                 Roggen            23 - 1 - 0

                        Gersten           27 - 2 - 1

                  Boichweitzen         3 - 0 - 0

Der Roggen ist Ihme damals erlaßen pro Malder

gegen 5½ Taler          thut der Roggen 127 Tlr - 26 St -  2 Dn

die Gerst pro Mlt gegen 5¼ Taler facit  144 Tlr - 20 St -  4 Dn

item der Boichweitz pro Mlt geg 4 Tlr    12 Tlr ---  St ---  Dn  

 

Rest. dan Impelman weg. seine Pachten

bis dem Jahr 72 inclusive ad            284 Tlr - 16 St -  6 Dn

 

3. Zum drieten hat des Closter ein Obligation, darab No.1 copiam au­thenticam beylege, auff theißen gewin und gewinsgerechtigkeit schla­gendt von 200 dhlr hauptsummen, darab von Ao 1640 bis Martini 73 das interesse restiert; thut Capitael und interesse zusammen

                                    ad  540 Tlr ---  St ---  Dn

(Die alte Schuld aus dem Jahre 1627, aufgenommen von Gerhard III.)

 

Weilen nuhn vielfaltig so müntlich und persohnlich wie auch nicht weniger schriftlich besagten pfechtern und Debitoren der Zalungsfall ahngemahnt, auch mit amtlicher Arrestierung, darab sub No. 2do co­piam beystelle, Ihnen zur Zalung gemeint ahnzu...., aber vergeblich ohngesehen er die Scheur außgedroschen und die früchten ahnderwahrts verpracht. So hab nochmalen Ihme Rechnung Ao 72 den 2ten Februar durch seine beyden Nachparen Henriches auff Stromors

und Derick Haußmans in händen gestält und ahngemahnt damitten sich bester Maeßen resolviren könte, wan nicht die distraction erfahren wolle, woemitten es unser Seiten wegen angefallner bedrükten? Krigs­zeiten bis dato verplieben.

                                 facit   85 Tlr - 17 St -  6 Dn        

                                 facit   75 Tlr 

                                 facit    8 Tlr

                                         20 Tlr                 

                               Lateris  188 Tlr - 17 St -  6 Dn

                                        284 Tlr - 16 St -  6 Dn

                                Lat 3.  550 Tlr -    St      Dn

                             Summarum  1023 Tlr -  4 St -  4 Denar

 

4. Zum 4.restirt Impelman de Ao 1672 den volligen Pacht

           Roggen   7 - 0 - 0

           Gersten  5 - 0 - 0

           Bweitzen 1 - 0 - 0

5. Ihm gleichen zum fünften aus disem Jahr '73

           Roggen   1 - 2 - 1

           Gersten  5 - 0 - 0

   und d iezlaufenden pachten de Ao 74

                            Summarum     Roggen   13 - 2 - 1 

                                         Gersten  15 - 0 - 0

                                         Bwtz      2 - 0 - 0

Thut der Rogg pro Malter 5 Tlr

Item die Gerst pro Mlt   5 Tlr

Item das Boichweitzen ad 4 Tlr

                 

                            für Roggen   65 Tlr 17 6/8 St (??)

                            für Gerste   75 Tlr                     

                            Für Bwtz      8 Tlr                     

 

6. Item hiesige beyrechnung zum Sexten steht von Theißen annoch zu­purificiren (???) erstlich auss dem gewinn so er Ao 56 mit Herrn Ab­ten S.Polenio für 35 Rtlr gemacht erfind sich nuhr allein das 25 Rtlr erlegt habe, die übrige 10 Rtlr schreibt besagter Hr. S. in seinem manuali Ihmen zu restiren. Stehen auch bis dato aus unbe­zahlt, dan er Theis ihm gelichen annoch nit ihn gewinsboich inge­schrieben, facit dieses interesse salvo    20 Rtlr - 0 - 0

 

Was sonsten Theis und seine Erben verwirckt in dem einige Morgen Zahl in specie 2 morgen ahn theiße planck in achter gewin inscio et Monrio? ......... anderen verkauften und in gewinn würcklich(?) auß­gethaen, auch das durch verkauffung des Mirgels auß dem Hof das Erb und Ersch...... hie durch mercklich ver....... und de.....irt wie auch das bey uns in den ........  der Verkauffung hat verschwigen? willen? oder verschwigen? hiesiges goit ein Camps pacht und dritten Garben hoff zu seyen, das darhaus beygelechten sub No. 3tio auszuch der Originael registeren wie ihn gelichen meiner mehrmaligen ohnmä­henige? ....... bekante.

Summarum deroselben Forderung und Schulden. 877 Rtlr 24½ St

Pro Extractu subscripsit

fr Franciscus de Broich[85], Kelner zu Camp

 

Einige Anmerkungen zu den veruntreuten Ländereien fanden sich auf einem Stück Konzeptpapiers[86], das der Kellner beschrieben hatte. Da­nach hatte Theiß ohne Wissen und gegen den Ausdrücklichen Willen des Klosters Land an verschiedene Nachbarn abgegeben, darunter auch an Johann tho Pliss, wozu das Kloster gezwungenermaßen im Nachhinein seine Zustimmung gab.

 

Aber damit nicht genug, Theiß hatte ja auch anderen Orts Schulden und dafür war Land aus dem Impelman Hof zur Sicherheit gegeben wor­den. Es findet sich ein Verzeichnis, das das Kloster aufstellen ließ um sich einen Überblick zu verschaffen.

 

in Rheinberg                                  Tlr    St     Dn                 

Rosenbaum ohne Zinsen seit 1673                26    23      0

...... ohne Zinsen seit 1664                   56     0      0

Johannen Damp? ohne Zinsen seit '73            54    22      0

Joh. Isbrandt ohne Zinsen seit '65             11    22      0

in Moers 

Junker Ruchaver  1700 und Zinsen 300         2000     0      0

Junker Alet??     400 und Zinsen 50           450     0      0

Wilhelm Seits? zu Mörs ohne Zinsen            200     0      0

die Pastorenwitwe 100 und 20 Taler Zinsen     120     0      0

Hertz der Jud   ohne Zinsen                   100     0      0

item Gritgen Dimers 50 Taler und 12 Zinsen     62     0      0

Asdunck and Nip                                50     0      0

....... ad                                    100     0      0

Item nobis restat ad Ingenhaven die Rinder??  480     0      0

 

item d Rameker ad                              20     0      0

item d hameker                                 22     0      0

item d bysenbender ad                          15     0      0

Plissen ad                                      8     0      0

item die 2 mrg ad theiß planck die der Schariaet gekauft

 

Nach dieser Aufstellung lautet das Ergebnis 3774 Tlr 7 Stüber; die mehrfach korrigierten Aufzeichnungen melden allerdings eine Schul­densumme von 32301 Tlr (3230 Tlr) und 7 Stübern. Die Summe ist im Grunde dabei völlig belanglos, sie hatte eine Größenordnung er­reicht, die von Theiß Impelman nicht mehr zu bezahlen war.

 

Nach dieser Endabrechnung verlieren sich die Spuren von Theiß Diemers, der auf dem Impelman Hof einheiratete und dort seinen fi­nanziellen Untergang erlebte, ebenso damit die Nachrichten über die­sen Zweig der Impelmanfamilie.

Eine Eintragung im reformierten Kirchenbuch von Repelen geben mögli­cherweise einen Fingerzeig auf den Verbleib eines Sohnes von Theiß Impelman:

 

Getauft wurde am 29.2.1683 in der Familie Impelman, nu Bekkers,
                     Jan,  t'kind
             Gerret vaeder, Greth moeder
Paten waren:    Hendrik Elis, Willem Campse, Arndt Waters
                Beel Waters und Gerdruth(?) Kohlen

 

Das Beckers Gut war eine schon 1469 erwähnte Katstelle bei Rhein­kamp, die dem Kloster St.Barbara Garten in Rheinberg gehörte.

 

KOOL UND PLISS AUF IMPELMAN

 

Nachdem der Hof eine Zeit leer gestanden und sich kein Käufer gefun­den hatte, hatten die Nachbarn Kool und Pliss überlegt, den zwischen ihnen liegenden Impelman Hof gemeinsam zu erwerben und damit ihre eigenen Höfe abzurunden. Doch kaum hatten sie den Beschluß gefaßt, erkannten sie welche Probleme ihnen der Hof verschaffte und sie setzten sich umgehend mit dem Kloster in Verbindung und verfassten eine Bittschrift in der es hieß: "Wohlgeborener Ehrwürden, Euer Wohlgeboren Ehrwürden haben jüngsthin ex oculari inspectione, q (quod?) omnium probationu fortissima, ersehen die merkliche und große depeculation (deprecation?) des also genannten Impelmans Hofes und Guthes, wie das die gehuster verwüstet und verfallen, die lande­reien ungebauwet, begraset, mit sträuch und disteln bewachsen, d nit dan mit grosser anlage bauwkösten zum bauw wird können bequehmet werden, ....es eine unmöglichkeit ist bey sothaner Verwüstung und begrasung daß Landt in diesem Jahr zu d Winterschaar zu aptiren..." Sie teilem dem Kloster mit, das es Ihnen unmöglich sei, die Anzah­lung von 1000 Reichstalern "in diesen beschwerlichen und geltlosen Zeithen" aufzubringen und versuchten insbesondere durch Hinweis auf die vielen Probleme und die Unmöglichkeit, derzeit einen fähigen und finanzstarken Pächter zu finden besondere Konditionen auszuhandeln.

In der Zwischenzeit murrten die Gläubiger des Theiß Impelman. Sie hatten die Kredite im Vertrauen darauf gewährt, daß ihnen eine Si­cherheit durch die Nutzungsrechte am Hofes zugesprochen war, doch zögerte die Abtei ihre Zustimmung zur stückweisen Versteigerung der Nutzungsrechte zu geben, denn außer den zahlungsschwachen Nachbarn war kein ernsthafter Interessent in Sicht. Von allen Gläubigern war die Witwe Ruychaver, Anna Ellisabeth Becker, am regsten und sie machte dem Abt bittere Vorwürfe zulange zu zaudern anstatt zu ver­steigern. Sie schrieb ihm, daß er durch sein Abwarten: "nicht allein den Käuffer abgeschrecket, sondern auch verursacht habe, daß der Hoff und dessen landerey verlassen und ohnbesamet lygen plieben". Der Witwe war vor allem daran gelegen daß der Hof, sei es als Ganzes oder in Stücken, neue Besitzer fände, mit deren zu zahlenden Gewinn­geldern sie und andere Gläubiger befriedigt werden sollten. Als dann schließlich der Hof an die beiden Nachbarn ausgegeben wurde, rich­tete die Witwe ihre Forderungen an diese und Pliss und Kool standen schneller vor Gericht als Ihnen lieb war. Schon am 26.4.1674 wurde gegen Pliss ein Arrest über alle "drittel bey liegende, fahrende, gereyde und ungereyde gutteren" durch den Landboten ausgesprochen. Sie besaßen nicht das notwendige Kapital, die Forderungen der Witwe zu erfüllen, die sich ihrerseits nicht vertrösten lassen und statt Pliss und Kool den Hof einen zahlungskräftigeren Käufer sehen wollte. Der Prozeß endete mit einer Vertagung, denn der Abt war ab­wesend und wurde vor Gericht benötigt. Eine Wiederaufnahme findet sich nicht, doch wurden etliche Ländereien abgetrennt und separat verkauft, sprach doch der Abt Andreas Holtmans davon, daß das Impel­man Gut durch den Vorsitzenden des Gerichtes in Moers auf Veranlas­sung der Gläubiger des Bauern zerstückelt und geteilt worden war[87]. In diesem Abspliss muß auch die Entstehung des Mühlenbruch Hofes be­gründet liegen. Trotzdem besaß der Resthof immer noch eine Größe von 131 Morgen, wie die Vermessung aus dem Jahre 1693 durch den Geometer Johan Buickers ergab. Mit den beiden Höfen Pliss und Kool konnte sich die Abtei noch im Jahre 1674 einigen. Eine Urkunde des Klosters teilt mit, das "Andreas Holtman, Abt, Thomas Bachman, Prior, Franziskus ten Broich, Kellner, und der ganze Convent des Klosters Camp bekunden, daß Sie in Betreff der Streitigkeiten mit Johan Plyß und Petrus Kooll als Käufer des Impelmans Hofes einen Vergleich ge­schlossen haben, Rheinberg am 22.11.1674". Da während der Streitig­keiten die Familie Pliss vor Gericht durch die Witwe Pliss vertreten wurde, kann es sich bei Johan Plyss nur um den Sohn gehandelt haben, der der höheren Lebenserwartung wegen als Käufer eingesetzt wurde.

 

 

GEORG UND MARGARETE HILGERS, GENANNT IMPELMAN

 

Die Nutzungsrechte an diesem Hof müssen im Laufe der folgenden 24 Jahre ganz an den Pliss Hof gefallen sein, denn von dort wurden sie im Jahre 1698 wieder weiter verkauft an Georg Hilgers und seine Frau Margarete, die anscheinend nicht aus dem Kirchspiel Repelen stamm­ten[88]. Zu Zeiten dieser Familie wurde von den Ländereien des Hofes eine Karte angelegt auf der alle Impelman Äcker die Bezeichnung "Jurien Impelman" tragen, wie Georg Hilgers von der Nachbarschaft genannt wurde.

Auch er und seine Frau bewiesen auf dem Hof keine glückliche Hand und es dauerte nicht lange, bis sich die Schulden türmten und die überlieferten Schriftstücke wieder von Pfändung sprachen. Von Beginn seiner Pachtzeit an lieferte er der Kellnerei seine Fruchtabgaben nur teilweise ab. Zwischen 1699 und 1707 lieferte er überhaupt nichts. Zu Begin des Jahres 1608 wurde eine Aufstellung gemacht, in der seine Pachtrückstände, von Malter in Taler umgerechnet, mit ei­ner Summe von 320 Reichstalern 18 Stübern beziffert wurde. Bemer­kenswert die Malterpreise, die starken Schwankungen unterworfen wa­ren.


Es wurden folgende Getreidepreise gerechnet (pro Malter in Talern)

Jahr        Roggen              Gerste             Buchweizen 

1697                     8 Tlr  - St                                k.A.                                       k.A.
1698                     12 Tlr 24 St                             7 Tlr 15 St                             7 Tlr 14 St 
1699                     12 Tlr                                      9 Tlr 15 St                             8 Tlr
1700                     5 Tlr 10 St                              4 Tlr                                      3 Tlr 22 St
1701                     7 Tlr 14 St                              k.A.                                       k.A.           
1702                     7 Tlr 14 St                              6 Tlr                                      5 Tlr 10 St 
1703                     5 Tlr 26 St                              4 Tlr                                      4 Tlr  - St
1704                     4 Tlr  8 St                               3 Tlr 15 St                             3 Tlr  6 St
1705                     4 Tlr 24 St                              3 Tlr 22½ St                          3 Tlr 22 St
1706                     4 Tlr  8 St                               3 Tlr 15 St                             3 Tlr 22 St
1707                     4 Tlr 26 St                              3 Tlr 15 St                             3 Tlr 14 St
          Zwei Taler wurden als 1 Reichstaler gerechnet

 

Ein undatierter Brief (1707-08) an den Abt aus der Hand des Bernhard Dickhausen, seinerzeit Rheinberger Stadtsekretarius und Notar, wahr­scheinlich auch Rechtsberater des Klosters, beschreibt die Situation mit den Worten, "daß der Besitzer solchen Hoffs täglich ahn Mittelen und Vermögen abnehmen, mithin gedachten Hoff ruinire". Georg Hilgers wird in diesem Brief recht unrühmlich erwähnt; es ist die Rede vom "unvermögen des besitzers oftgenannten Impelmanhoffß" oder vom "liederlichen Emphitenten (Erbpächter)", der nach Leibgewinnsrecht vom Hof zu "verstoßen" sei.

In einem weiteren Schreiben bat er den Abt, ihn am nächsten Morgen, dem 18.4.1708, mit der Karre des Kellners abholen und auf den Im­pelmans Hof bringen zu lassen, um eine Inventarisierung der bewegli­chen Sachen vorzunehmen. In diesem Schreiben stehen noch die weite­ren Verpflichtungen des Georg Hilger aufgeführt, 500 Tlr, dazu 160 Tlr Zinsen, an den Prediger Vinman (Homberg) und an den Herrn Dr. Essen als Vertretung der Erben Knippenburg 1500 Tlr mit 500 Tlr Zin­sen, sowie die Befürchtung, daß der Impelman Hof bei einer Verstei­gerung nicht mehr als 2000 Tlr einbringen werden würde[89]. Dieses In­ventar wurde angefertigt und schon Anfang Juni vertraten der Campi­sche Kellner sowie Dickhausen die Angelegenheit der Abtei vor dem Moerser Gericht.

Am Mittwoch dem 13.Juni 1708 war der Versteigerungstermin direkt auf Impelmans Hof. Nur einige wenige Interessenten hatten sich eingefun­den, darunter jedoch kein Mensch der das notwendige Geld hätte auf­bringen können, wie Dickhausen feststellte. Ihnen wurden die Be­schreibung des Hofes sowie Umfang des Ackergeländes und der Abgaben vorgelesen. Den Käufern wurde angeboten in sechs Wochen einziehen und den Betrag zum Erwerb der Nutzungsrechte in drei Jahresraten zu Martini zahlen zu können. Die Äcker sollten fließend übergeben wer­den damit keine Ausfälle eintraten. Der Notar Becker verkündete den Grundpreis für den Hof mit allen Ländereien in Höhe von 2800 Talern und entzündete eine Kerze[90]. Als darauf alle Interessenten stumm verharrten, bot er als neuen Grundpreis 2600 Taler an. Aber als er selbst einige Zeit später auf 2400 Taler herunterging, blieben die Zuschauer stumm und niemand erhöhte auch nur um einen Taler. Eine weitere Erniedrigung des Kaufpreises wollte der Notar den Gläubigern allerdings nicht zumuten und brach die Versteigerung ab.

Georg Hilger, hier Görgen Impelman genannt, hatte mit seiner Frau dem bisherigen Geschehen schweigend zugesehen und machte nun dem No­tar den Vorschlag, den Hof für 2400 Taler selber zu erwerben und auf den Namen seines Sohnes zu überschreiben. Er bot eine Anzahlung an und wollte den Rest in Ruhe aufbringen. Als Garantie wollte zwei alteingesessene Personen als Bürgen stellen.

Als andere Möglichkeit hätte sich in diesem Augenblick nur noch die Zerstückelung und der portionsweise Verkauf des Hofes angeboten. Nun bot sich aber die Situation, daß dem Gerede des Georg Hilger niemand rechten Glauben schenken wollte, andererseits dem Abt gerade eine Zerstückelung des Besitzes äußerst unangenehm war. Man kam zu dem Entschluß, daß Georg innerhalb der nächsten 14 Tage die Anzahlung aufzubringen hätte, anderenfalls sollte der Besitz geteilt werden; in der Zwischenzeit sollten auf Vorschlag des Dr. Essen Länderei und Gerät vom Landboten inventarisiert und arrestiert werden.

Als am 12.Juli ein "Nothgericht" in Moers zusammentrat, war es den Eheleuten nicht gelungen, den geforderten Betrag aufzutreiben. Sie traten vor das Gericht und bekannten, keinen Rat mehr zu wissen wie sie ihre Schuld bezahlen könnten. Sie schilderten vor dem Abt und den anderen Gläubigern ihre Befürchtung, unter Zurücklassung aller Habe vom Hof gewiesen zu werden und mit ihren Kindern auf der Straße stehen zu müssen. Die Sorgen der Impelmans (Hilgers) waren berech­tigt, denn nach den üblichen Rechtgepflogenheiten war es in solch einem Fall völlig normal mit nichts anderem als dem, was sie auf der nackten Haut trugen, fortgeschickt zu werden; auch der Säugling, mit dem die Frau im Dezember niedergekommen war, hätte nichts an der Sa­che geändert. Das Gericht traf daraufhin in Übereinstimmung mit den Gläubigern den Beschluß, den Hof einstweilen nicht zu zerteilen, je­doch mußten die Eheleute alle ihre Rechte am Hof ihren Gläubigern abtreten, durften aber einstweilen wohnen bleiben; auch wurde die Anweisung wiederholt, daß der Landboten unter Hinzuziehung von zwei oder drei gewissenhaften Nachbarn die Ackerflächen und das Gerät der Eheleute taxieren sollte. Anscheinend durfte die Familie noch bis ins Jahr 1711 auf dem Hof wohnen bleiben. Denn in diesem Jahr traten die Gläubiger, denen nun der Hof selber gehörte, wieder an die Abtei heran. Nach einer Notiz des Hofrichters in Rheinberg, bei dem eine Naturalabgabe in Höhe von jährlich 6 Maltern Zinshafer abgeliefert werden mußte, lieferte Georg seit 1707 nichts mehr ab. Auch war er gezwungen seine Tiere zu verkaufen, denn zu der Not des Bauern kamen seit 1702 neue Kriegszeiten. Daneben hatte Georg Hilger wohl auch ein etwas getrübtes Verhältnis zum Ackerbau; er kam auf keinen grü­nen Zweig. Im letzten Moment verfiel er auf einen rettenden Gedanken und suchte für seine älteste Tochter, die schon fast erwachsen war, einen passenden Schwiegersohn der das nötige Kapital zum Rückkauf mit in die Ehe brachte. Er schilderte seinen Gläubigern die Situa­tuion in klarsten Farben und den durch die Ehe möglichen Ausweg. An­scheinend ließen sich diese Überzeugen denn sie wandten sich an die Abtei und beschworen den Abt einem Verkauf zuzustimmen, um den völ­ligen Niedergang des Hofes zu vermeiden. Das Kloster willigte in den Verkauf innerhalb der Familie jedoch nicht ein.

 

 Georg Hilgers          oo           Margarete, gnt.Greth
(Jurien Impelman
)     

  * 1685- 1690   Tochter
  * 1692- 1699    ???
  * 19.03.1701   Hermann   oo 3.7.1735 mit Gertrud Counen
  * 21.03.1703   Goert
  * 16.06.1705   Metgen         Paten:  Willem Franßen
                                        Entgen Achterberg
                                        Gutgen Gysen
  * 16.12.1707   Michel  + 7.5.1731     Michel Smits
                                        Peter Franßen
                                        Beel Mölefeldt
  * 25.02.1711   Neesken
 

 

Der weitere Weg der Familie Hilger genannt Impelman liegt im Dun­klen.

 

 

GERHARD SCHUIRMAN UND SEINE FRAU JENNECKEN KÜPPERS

 

Die Gläubiger des Georg Hilger hatten sich alle Hofesrechte zur Si­cherheit übertragen lassen und gehofft, daß ihr Schuldner seine Ver­bindlichkeiten abzahlen würde. Da sie der weitere Niedergang des Ho­fes in Panik versetzte, drängten sie den Abt, die Ansprüche des Klo­sters hintan zu stellen und die Nutzungsrechte des Anwesens an Im­pelmans Schwiegersohn für einen Kaufschilling von 2400 Talern cle­visch zu verkaufen. Die Abtei sollte zur Abgeltung ihrer ausstehen­den Pachtforderungen einen Betrag von 75 Reichstalern erhalten und des weiteren als Gewinngeld für den Besitzerwechsel jedes Jahr zu­sätzlich zur Pacht einen Betrag von 7 Stübern pro Morgen Ackerlan­des. Trotz fehlender besserer Möglichkeiten konnte sich die Abtei nicht entschließen, diesen Weg einzuschlagen. Über die mündlichen Vereinbarungen legte sich der Abt Wilhelm Norff am 10.10.1711 ein Gedächtnisprotokoll an, in dem er verzeichnete, daß die anderen Gläubiger, der Doctor Essen und der Prediger Vinman ihr gesamtes ausgeliehenes Geld zurück erhalten sollten und dazu ein Viertel der ihnen rechnerisch zustehenden Zinsen. Nun sollte der Hof an einen neuen Bauern ausgegeben werden, darum wurde drei Wochen nach dem Ge­spräch mit dem Abt das Anwesen in einer öffentlichen Versteigerung offiziell angeboten. Am diesem Tag, dem 2.11.1711, ersteigerte Doctor Essen, der die Rechte der Erben Knippenburg vertrat, den Hof als er beim Angebot von 2500 Talern um 5 Taler erhöhte. Hintergrund dieser Aktion war wohl der Wunsch, den Kaufpreis möglichst hochzuhalten, denn der hohe Preis schreckte die Interessenten ab und wäre bei mangelnder Nachfrage automatisch gesenkt worden, was wie­derum nicht im Interesse der Gläubiger lag. Diesen gelang es einen neuen Bauern zu finden.

Vom Jahr 1712 an hießen die neuen Bauern auf Impelmans Hof Gördt Schuirman und Jenneken (Küppers)[91], seine "Ehehaußfraw". Zur feier­lichen Behandung am 25.10.1712 erschien auch der Bruder Henrich Schuirman, möglicherweise war er Bürge. Das immer wiederkehrende Problem der Überschuldung von Höfen veranlaßte die Abtei zu einem Bittgesuch an den preußischen König, der mit Order vom 16.Juli 1716 dem Hauptgericht Moers befahl, Obligationen mit Verpfändung von Klo­stereigentum nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung der Abtei aus­zufertigen. Auch Gördt Schuirman vermochte auf dem Hof kein dauer­haftes Familienanwesen zu begründen, denn im Jahre 1634 machte ein gerichtlicher Verkauf seiner Bauernschaft ein Ende. Dem Ehepaar wur­den auf diesem Hof eine ganze Reihe Kinder geschenkt:

 

 Goerdt Schuirman                         Jennecken Küppers
 gnt. Impelman                                   
* in Repelen                              * in Repelen

                  oo 13.6.1711 Repelen

  * 05.05.1712            Johannes
  * 07.09.1713            Peter      Paten: Peter de Smith

                                       Jan Kool
, Tryn Pliß,
                                       Hend.Schuurman
, Tryn
                                       Horst, Hendr.Dongraath

                                       Greth Impelmans
  * 17.08.1715            Gertrud
  * 17.02.1717            Jenneken
  * 14.03.1718            Metgen     Paten:
  * 24.02.1723            Johannes
  * 19.12.1724            Peter        + 12.3.1726
  * 24.03.1727            Hendrik


 

Die einzigen Nachrichten die sich bisher aus dieser Zeit über den Impelman Hof finden ließen stammen aus der Feder des Hofrichters Ferdinand Felix Schriek in Rheinberg, der die Ablieferungen seiner jährlichen 6 Malter Zinshafer schriftlich festhielt. Danach konnte Goerdt Impelman seine Verpflichtungen im Grunde immer erfüllen; kleinere Unregelmäßigkeiten glich er im folgenden Jahr wieder aus. Der Hofrichter führte seine Aufzeichnungen nur bis zum Jahre 1625; aus der Zeit zwischen 1625 und 1634 fehlen die Überlieferungen. Er starb als Hauptmann in Ungarn. Schriek schrieb seine Aufzeichnungen in niederländischem Dialekt nieder und so wurde aus dem Bauern Im­pelman das "Empelmenneken". Natürlich legte der Hofrichter keinen großen Wert darauf seine 6 Malter Zinshafer selber zu verzehren oder zu verfüttern und suchte darum jedes Jahr einen Käufer. Mal löste Impelman seine Verpflichtung selbst ab, mal fuhr er das Getreide di­rekt an einen interessierten Kunden. So gingen die meisten Lieferun­gen an Wilhelm Asdonk oder an einen Wirt, der in Rheinberg eine Gaststätte namens "Fontain" betrieb; 1722 hieß dieser Wirt Brixius. In diesen Jahren erzielte der Hofrichter pro Malter Hafer:

 

 o.A. -  1 Tlr 25 St
 1705 -  7 Schilling
 1706 -  2 Tlr
 1707 -  7 Schilling
 1711 -  7 Schilling
 1713 -  2 Tlr
 1714 -  2 Tlr 7½ St
 1715 -  7 Schilling
 1716 -  7½ Schilling
 1717 -  2 Tlr
 1718 -  2 Tlr
 1719 -  3 Tlr
 1720 -  7 Schilling 2 Stüber
 1721 -  7 Schilling 2 Stüber
 1722 -  7 Schilling
 1723 - 11 Schilling
 1724 -  3 Tlr weniger 1 "Blomuser" (Blaumüser)
 1725 -  2 Tlr
 der Schilling schwankt in seinem Kurs zum Taler,
 1 Taler = 30 Stüber ; 1 Tlr = 4-5 Schillinge

 

Die Familie Schuirman genannt Impelman hatte spätestens im Jahre 1734 den Hof verlassen. In diesem Jahr wurde ein gerichtlicher Ver­kauf durchgeführt und der Hof den neuen Besitzern zugesprochen,

 

 

GERHARD DORMAN UND ENNEKEN SPOOR

 

Diese neuen Bauern waren bei der Übernahme des Anwesens nicht aufge­klärt worden, daß sie dem Hofrichter in Rheinberg jährlich 6 Malter Zinshafer liefern sollten. Der beschwerte sich daraufhin prompt beim Abt über das Ausbleiben seines Hafers und das Kloster zitierte dar­aufhin seine Pächter und brachte sie dazu, die Abgabe an den Richter nachträglich anzuerkennen. Auf diesem Anerkennungbrief unterzeich­nete Goerden Dormans mit seiner Hausmarke       sowie seine Frau Enneken Spoor und sein Schwiegervater Johan Sporr[92] mit ihren Unter­schriften[93]; dort wird auch ihre Übernahme 1734 erwähnt.

 

 Gerhard Dorman                         Enneken Spoor      
  gnt Goert Impelman                     gnt Enneken Impelman
  *                                      * 2.08.1704 Repelen
  +                                      +
                  oo

                 Kinder           Paten
  * 26.10.1733   Hermann        Peter Raam
, Willem Tremölen
                                 Hendr.Simpelkamp
, Gretgen
                                Vinman
s, Neisken Darmans
  *  6.01.1735   Feiken         Jan Plis
, Jan Kool, Beel
                                Mölegraef
, Christyn Spoor
                                Gretgen Aassdonk

  *  5.04.1736   Jan Hendrich    Miggel Husman
, Gritgen Gom-
                                 pers;, Gritgen Koolen

 

 

Auch diese Eheleute sollten als Bauern auf dem Impelman Hof nicht glücklich werden. Bald türmten sich ihre Schulden und schon im Jahre 1739, nach nur 5jähriger Bauernschaft, unterzeichneten sie am 2.3. eine Resignationsurkunde, in der sie auf alle Erbrechte am Hof wegen aufgelaufener Pachtrückstände verzichteten und die Abtei von jegli­chen Verpflichtungen ihnen gegenüber freisprachen. Bei der im Ver­gleich zu früheren Pächtern recht harten und ungeduldigen Haltung der Abtei mag sicherlich die rege Bautätigkeit des Abtes Daniels und der damit verbundene hohe Geldbedarf eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben. Ein Brief des Rechtsvertreters der Abtei an den Abt schildert die mißliche Lage der abtretenden Bauernfamilie[94]:

 

"Euer Hochwürden mit heutiger ordinari erhaltener Ordre zufolg werde morgen mit Halfen zu Stromeurs  :welcher in conformität von H. Rath von Blecken zu geschwinder Nachricht originaliter angebegener (angegebener?) avis die jagd wie vorhin für sich anzupfachten ge­dencket:  auff Moers hinfahren und von meiner Verrichtung mit näch­stem gehorsamst zu referiren nicht ermanglen. Sonst hat Impelman kurtzhin eine von mir nidergeschriebene renunciations acte passirt und mit seinem Eheweib unterschrieben, mithin Krafft dessen auff sein ehemahlen erworbenes Erbpachtsrecht, auch die in 20 mrg ohnge­fehr besäheten lands bestehende winter schahr feyerlichst dergestalt verzihen, daß die Abtey ohne heraußzahlung einiger Heller für schul­den, außer etwa 21 Taler für teils liedlohn des Impelmans Knecht theils Schmiedt und Zimmerman, so auff Impels Hoff vor und nach ge­arbeitet haben, mit dem Hof nun ihres gefallens nicht nur schalten und walten mag, sondern auch dasjenige, waß etwa von desselben distrahirten mobilien, gebenermaßen anligenden H.v.Bleckens schrei­ben nach, überschiessen mögte, zu ihrer indemnisation zu empfangen hat, obwohl es hart eingehet, daß Impelman  :welcher gewiß mit sei­ner armen fraw und 4 unmündigen Kindern, welchen alles von denen HH Moersischen (Beamte der Grafschaft) abgenohmen auch nicht einmahl ein bett belassen worden, zu bejammern ist:  solches surplus nicht zu genießen haben solte, indeme seine nachbarn und verwandten ihm auß consideration vielen auffm Hof erlittenen unglücks an pferden und sonstigen schadens ziemlich vorgeschossen, und nun etwas wider zu bekommen keine Hoffnung sehen. Impelmans fraw hat auch bey der renunciation beweglich angehalten, umb mit ihrem Mann und armen Kin­dern auffm Hof noch einige zeitlang wohnen zu dörffen, und weil zwar ein pfächter sich in mittels hier angemeldet, nach genohmenen etli­chen Tägen Bedenckzeit aber dato noch nicht erschienen, auch niemand ist der auch nur 1 Pistole gegen die alte Erbpfachten, wegen über­massiger Schatzung (Steuer) und Dienstgeldern ad 96 Tlr et ultra be­lauffende, für den Hof kaufflich anbiethen wolte; alß hat mann vor guth angesehen, daß H.Kellner durch latschafften Eingesessene theil der Abtey Knechten das am Impelmans Hof noch zur Zeit ungebawet li­gend Land arbeiten und besähen lasse, umb die Schatzung und sonstige moersische Praestanda darauß nicht nur zu erzwingen, sondern auch die Abtey des Rückstands halber möglichst in etwa zu indemnisiren. Impelman will für die Hewer inzwischen mit arbeiten und maynet, daß ihm könte erlaubt werden einen Kathen auff ein zum Hof gehöriges Stück Lands  :so darzu von alters berechtiget wäre:  mittel assi­stence seiner Verwandten künftig Jahr oder zu end dieses zu erbawen. Eß ist aber von seithen der abtey aller zeithero gehandelt theils salva rati habitione Rma.D.V.abbatis beschehen, theils aber, wie be­sonders letzterers nun ad referendum angenohmen worden.

Dem H.Rath von Blecken hat mann von vorgangener renunciation Im­pelmans noch nichts wisßig gemacht, solches wird aber morgen geschehen müssen mit der Anfrag, ob darzu gerichtl.moers. Confirmation nöthig seye. Waß darauff und sonstig von gedachtem H.Rath vernehme, solle nächstens gehorsambst berichten, der nebst demüthiger Empfeh­lung von HH Priore, Kellnere und sambtl.Hbhrwl.Convent mit tiefster Submission beharre

Ewer Hochwürden Wohlgeboren

Mehr(?)gebiethen Herrn Praelaten

untertänigst treu gehorsambster Diener Wilhelm

Camp, den 7ten Marty 1739"

 

Dem Brief ist nichts hinzuzufügen, er gibt eine klare Aussage über die Verhältnisse in der damaligen Zeit.

 

 

HENRICH STIVEMEURS UND MARIA ZENCKELMAN

 

Die nächsten Bewohner des Hofes, ab 1739/40, waren Henrich Sti­vemeurs und seine Ehefrau Maria Zenckelman, die aber schon 1741 ihre erste Abmahnung wegen unbezahlter Pacht erhielten. Sie besaßen den Hof nicht mehr in Erbpacht, sondern hatten einen Zeitpachtvertrag, den sie je nach Laufzeit alle 6 - 12 Jahre erneuern mußten. Von ih­nen ist ebenfalls nur sehr wenig überliefert. Außer der bereits er­wähnten Abmahnung existiert nur noch ein Pachtvertrag, der am 11.8.1748 mit einer Laufzeit über 12 Jahre abgeschlossen worden ist. Dieser Vertrag weist einige Änderungen im Vergleich zu den früheren Leibgewinnsverträgen aus. Abgesehen von einer festgeschriebenen Laufzeit fehlen die Abgaben an die Budberger und die Repelener Kir­che sowie an den Hofrichter in Rheinberg. Geblieben waren die Ge­treideablieferung von 7 Mlr Roggen und 5 Mlr Gerste; statt 1 Mlr Buchweitzen waren 6 Mlr Hafer gefordert. Dazu mußten in den ersten vier Jahren der Vertragslaufzeit jeweils 5 Hammel geliefert werden, danach noch zusätzlich 200 Buschen Winterstroh pro Jahr. Endlich wa­ren noch der Abtei 4 Dienste im Jahr mit einer zweispännigen Karre abzuleisten. Das Kloster hatte bei Hinzug des Ehepaares auf den Hof eine Grundausstattung an Inneneinrichtung und Werkzeugen im Werte von 405 Taler gestellt, und erhob zur Abzahlung dieses Betrages zu­sätzlich zur Pacht einen Mindesttilgugsbetrag von 50 Talern, als Zinsleistung dafür "anneben ein für allemahl zwey fette Kälber". Zu­sätzlich wurden in den Vertrag noch einige Auflagen mit hinein ge­nommen: Holzhauen durfte Henrich Stivemeurs nur mit Genehmigung; er hatte die "Wassergräben ums Haus zu reinigen und zur Fischerei be­quem zu machen" und sollte weiter noch alle Jahre eine bestimmte An­zahl von Eichen und Buchen "an dienlichen platzen posten" (an ge­eigneten Stellen pflanzen). Das Kloster versprach bei Naturkatastro­phen wie "Wasserlauf, Mausebiß und Hagelschlag" einen Nachlaß der Abgaben.

 

 

IN PRIVATER HAND - LAMBERT HECKES UND TRIN FRANTZEN

 

Nur kurze Zeit nach Abfassung des Pachtvertrages trennte sich die Abtei von ihrem Pächter und ihrem Impelman Hof. Ob nun Henrich Sti­vemeurs den Hof wegen des neuen Eigentümers wechseln mußte, oder ob sich die Abtei den Hof vom Halse schaffte weil auch dieser Pächter keinen Erfolg hatte, ist nicht berichtet. Ein nicht unterschriebenes und nicht datiertes Dokument bestätigt den Verkauf an Lambert Heckes und Trintgen Frantzen für 1100 Reichstaler clevisch[95]. Ein beigeleg­ter Zettel erklärt, das dieses Schriftstück vom Prior Friedrich Brand aufgesetzt worden war, die Unterschrift aber wegen des Todes von Abt Daniels unterblieben war. Es wurde also im Herbst 1749 ver­fasst. Termin des Wechsels war der "künftige Maytag". Bei einem Streit mit dem Rheinberger Hofrichter wollte das Kloster die Seite des Käufers vertreten; nach einem negativen Urteil sollte dieser dann aber alleine die weitere Verantwortung tragen. Ein Jahr später, Brandt wurde in der Zwischenzeit zum Abt gewählt, verfaßte er dieses Vertragsprovisorium noch einmal in neuer, klarer Form[96]. Er teilte mit, daß der Ordensgeneral seine Erlaubnis zum Verkauf gegeben hatte und den Käufern alle Rechte an diesem Hof bis auf die Zehntbarkeit übertragen worden waren. Er dankte dem Ehepaar in dieser Nieder­schrift für die gute und vollständige Bezahlung und wünschte ihnen Glück.

Die Eheleute mußten für den Hof wie alle ihre Vorgänger Geld aufneh­men und ließen am 7.12.1750 eine Obligation für Balthasar  Willemsen; ausstellen, "per Cessionem von Pieter Jentges am 19.11.1751" über 600 Flr(?). Sie wurde am 17.12.1761 gelöscht. Im Unterschied zu all den Familien die in der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts den Hof bewirtschafteten und sich dabei ruinierten gelingt es dieser Familie das Anwesen länger und über mehrere Generationen zu bewahren. Die Familie stellt sich wie folgt dar:

 

 Lambert Heckes                               Trin Frantzen
 *                                            *  
 +                                            + vor 1762
                         oo

      *                Agnes

 

        ??                                      Agnes Heckes
                                        gnt. Agnes Impelmans  
 *                                            *
 + vor 1762                                   +
                         oo

      * 1738/39        Peter
                       Gerhard
                       Metgen     oo 1762 mit Hornemann
[97]
                        

 

Die Eheleute waren schon ziemlich alt als sie den Hof übernahmen und haben darum die Führung des Anwesens bald auf ihre Tochter Agnes und ihren Ehemann übertragen. Als dann im Jahr 1662 der Enkel Peter, seine Großmutter Trin Franzen und sein Vater waren bereits gestor­ben, die Agnes Borgemeister heiraten wollte, wurde ein umfassender Eheberedungs- und Übergabekontrakt geschlossen. Dieses Vertragswerk regelte die Übergabe an die nächste Generation, nämlich an Peter und seine Braut, sowie die Versorgung der vorangegangenen Generationen; zugleich mußten die Geschwister abgefunden werden.

 

 

EINE EHEBEREDUNG MIT HOFÜBERGABE

 

Moers d 1.Februar 1771

In Gottes Namen Amen !

Kund und zu wißen seye hiemit männiglichen, wie das heute dato ein bündiger und aufrichtiger Übergaab- und Eheberedungs Contract ge­troffen und geschlossen worden, zwischen die Ehrbare Agnes Impelmans an einer und ihren respeen. Sohn Peter Impelmans und Agnes Borgemei­ster beide Verlobte anderentheils nemlich zum

Ersten geloben und versprechen beide Verlobte Persohnen einander nach vorhergegangenen öffentlichen und gewöhnlichen Kirchen procla­mation und Priesterliche Copulation zur Heiligen Ehe zu nehmen und wehrenden Ehestandes sich so zu verhalten und zu vertragen, gleich­wie es frommen Eheleuten eignet und gebühret, wozu Gott seinen Segen gnädiglich verleihen wolle,

Zweitens sollen und wollen beide verlobte Persohnen Peter Impelman und Agnes Borgemeister den im Kirchspiel Repelen gelegenen Impel­manns Hoff mit allen ein und zubehörigen Ländereyen, Wiesen, Benden und Holtzgewächs ge- und ungreide Güter, Recht und Gerechtigkeiten, Last und Unlasten, nichtes überall ausbeschieden, sondern wie die Mutter Agnes Impelman denselben in Besitz und Abnutzung gehabt, von Stund an in eigenthümlichen Besitz nehmen, jedoch mit dem ausdrück­lichen Vorbehalt, daß Annehmeren

Drittens davor einmahl vor all eine Summe von 2150 Taler, schreibe zweytausend Einhundert und fünfzig Tlr Moersisch, ausgeben und fol­gendermaßen an denenjenigen so solche zu fordern haben, nemlich die noch vorhandenen Hofes Schulden, welche sich ohngefehr zu 2000 Tlr belauffen, auszahlen oder davon die Zinsen entrichten, so dann auf Martini 1764 an den Sohn Gerhard fünfzig Taler und demnechst an die Tochter Metgen welche sich mit Hornemann verheyrathet auf Martini 1766 ebenfalls 50 Tlr bezahlen sollen;

Viertens behält sich die Mutter zur Leibzucht aus ihre in Gebrauch habende Cammer, Wand feste, Dach und Gläser Dichte, Eßen und Trinken mit dem Besitzer wie es Keller und Küche vermag, ein Stuhl am Feuer, desgleichen jährlich ein fleßen (flachsen) Hemd, und ein blau ge­färbten fleßen und einen Wercken (Werg) Schürtzeltuch, ein paar wül­len Strümpf, aufs andere Jahr, welche aber jährlich geflickt oder versöhlt werden sollen, nicht weniger eine fleße blau gefärbte Schürtz, alle zwey Jahr ein halb Elle Halbtuch zu mutzen (Mütze?), aufs andere Jahr ein paar Schuhe und ein wüllen Hemd, desgleichen ein paar gestrickte Strümpf, mithin für dieses mahl nur eine Tägli­che rothe Boye Sehl[98], dahingegen aber jährlich 50 Hühner und 50 En­ten Eyer, die Halbscheid von dem diesjährigen wachsenen Flachs, in Zukunft aber nur ein Spindt Leinsaamen, welche Besitzer sayen und gleich sein eigen Leinsaamen behandeln, daß davon kommende Flachs der Mutter rein überliefern, dagegen aber soll Besitzer den Saamen ziehen, überdem behält sich dieselbe ohngefehr einen Morgen Landt am Campschen Weg gelegen und auf Kohlen Landt ausschießend aus, welches Besitzer gleich sein eigen Land bauen, aufs dritte Jahr misten und jährlich zur Saat bestellen und das davon kommende Korn rein aufm Söller liefern soll.

Und weiter ein

Fünftes: Der Groß Vatter Lambert Impelmans, noch am Leben und in An­sehung deßen wegen seiner Leibzucht noch nichts reguliret worden, als behält derselbe sich ebenfalls für seine Leibzucht aus, die an­jetzo in Gebrauch habende Cammer, Wand feste, Dach und Gläser Dichte, Eßen und Trinken mit Annehmern wie es Keller und Küche ver­mögen, ein Stuhl beym Feuer, so dann jährlich zwey fleße Hemder und ein wüllen Hembd, wenn Er solches von nöhten hat, Jährlich ein Lei­nen Camisohl und Box, desgleichen ein Paar gestrickte wollene Strümpf und ein paar Leinen dito ein paar neue Schuh, wenn er solche Nöthig hat, ein neuen Huth, aber nur für dieses mahl, so dann gleich der Übergeberin Agnes Impelmans ein Morgen Landt, gelegen nahe beim Hauß, am Campschen Weg und auf Kohlen Land ausschießend, welches Be­sitzer aufs dritte Jahr misten und jährlich zur Saat bestellen, auch das davon kommende Korn rein dem Gros Vatter aufm Söller liefern soll.

Und weiter nun auch

Sechstens noch zwey Abständern Nahmentlich Gerhard und Metgen vor­handen, welche ihre Ausrüstung von diesem Hof noch zu fordern haben;

So ist deshalb verordnet worden, daß dieselben von Annehmeren fol­gendes an ihre Ausrüstung genießen sollen, nämlich an den Sohn Ger­hard ein schwartzen Lackenschen Rock und Box die Elle zu zehn Schil­linge, ein braun Lackens Camisohl die Elle zehn Schillinge ein Cali­nincken?? Camisohl oder fünf Dahler, ein Huth oder Zehn Schilling, ein Paar wüllenen gestrickte Strümpf und ein Paar Schuhe, eine neue Eichen Kiste oder zwölf Dahler, ein Bettstatt von Weiden Holtz mit Eichene Posten, ein Ober und Unterbett, nebst Pülf[99] und ein Paar Küßens[100], zu diesem Bettwerk 40 Pfund Federn[101], ein Doppelstemges fleßen Bettziech, ein Paar dito Kustziechen, ein Paar fleßen und ein Paar wercken Bettlacken, item zehn Schaafe, welche der Besitzer so lange der Sohn Gerhard ohnverheyrathet bleiben wird, durch füttern soll, und ein tragend Rind. So dann der Tochter Metgen ein blauen Lackenschen Rock mit Corden, die Elle 10 Schillinge, 1 schwartze Cronrasche Schürtze oder 8 Dahler, ein Reilif[102] mit Fisch Bein von schwartz Lacken, ein schwartz Calniencken wüllen Hembd, so mit ihren bestehen kann, ein schwartzen Cronraschen Schürtzeltuch, ein paar Schuhe, eine neue Eichen Kiste oder 12 Daler, ein Bettstatt, Ober- und Unterbett nebst ein Paar Küßens, Pülf, Bettlacken, Küstziechen, Bettziechen nebst ein tragend Rind.

Gleich dem Bruder Gerhard bekomt und gegeben wird,

Siebentens: sollen die Abständere so lange sie unverheyrathet blei­ben bey Annehmeren Eheleuten ihren frey Ein und Ausgang auf den Hof nebst Eßen und Trinken genießen, und was dieselbe an ihre Kleider zu machen oder zu flicken haben, solches soll Besitzer beköstigen und bezahlen.

Sollten nun

Achtens: die Übergeberin Agnes Impelmans oder der Groß Vatter Lamert Impelmann krank oder bettlägerig werden, so soll der Besitzer ihnen wie es sich gebühret aufwarten und verpflegen und falls Sie zu ster­ben kommen, standes mäßig zur Erden begraben lassen; was dieselbe nachlassen, solches soll vom Besitzer und Abständere geteilt werden, nach derselben Beiden oder Einer Todt aber, soll die ihm accordirte Leibzucht wieder in dem Guth zurückfallen.

Sollte wider Vermuthen die Übergeberin mit Annehmeren sich nicht vertragen können, so soll es ihr freystehen von dem Impelmans Guth abzuziehen und die ihr vermachte Leibzucht anders wohin verzehren zu mögen, bey denenjenigen so selbige einziehen wird, sollen aber ge­halten seyn, besagter Übergeberin für die Leibzucht begraben zu la­ßen, was dieselbe aber überdiese noch nachläßet, soll unter ihren Kindern in diesem Fall freundlich geteilet werden. Da ferner

Neuntens sich nun zutragen wird, daß Abständere bey dem Besitzer aufm Hof bettlegerig oder krank werden, als dem sollen dieselbe von Besitzer ordentlich verpfleget und aufgewartet und wann sie zu ster­ben kommen, ehrlich und standes mässig begraben werden und soll in diesem Fall der Besitzer die Ausrüstung vor die Begräbnis behalten und die Abstandsgelder mit dem noch lebenden Abständer freundlich durchtheilen.

Zehntens nimt der Bräutigam seine vielgeliebte Brauth zu sich auf den ihm übertragenen Hoff und bringt derselbe weiter zu was Er würk­lich hat.

Eilftens versprechen die Brauth Eltern derselben zur Erleichterung des Ehestandes mitzugeben nebst standes mäßiger Ausrüstung die Summa ad Ein hundert und fünfzig Dahler nebst demjenigen was ihr sonsten gleich ihren übrigen Geschwistern von Borgemeisters Guth zu Bornheim gebühret, umb damit ihr und der ihrigen Besten zu befördern.

Zwölftens damit nunheut oder morgen, wann von beyden Verlobten, ei­ner oder ander ohne Leibes Erben solte zu sterben kommen, kein Un­ruhe weder Streit entstehen möge, so ist schließlich verordnet, daß wann in diesem Fall der Bräutigam verstirbet, die Brauth den Im­pelmans Hof erblich behalten, und falls die Brauth auf gleichen Fall zuerst dieses Zeitliche segnet, der Bräutigam alles dasjenige was dieselbe nachgelassen und ihr durch Erb und Sterbefälle überkommen könnte und mögte, erben und behalten. Es soll aber zu beiden Seiten Kist und Kleider aus gekehret werden.

 

Somit dieser Contract in Gottes Nahmen beschlossen, von Contrahenten mir Notario und Tagesfreunden, nachdem solchen Partheyen nochmahlen klar und deutlich vorgelesen, eigenhändig unterschrieben worden. So geschehen auf Impelmans Hoff den 23.Octbr.1762

Dieses ist    Lamert Impelmans als Großvatter gezogenes Merck

Agnes Empelmanns(!) Übergeberin

Peter Empelmann(!) Annehmer

Dieses ist    Agnes Borgemeisters, Brauth und Annehmerin

Gerret Empelmans(!) Abständer

Metgen Empelmanns(!) Abständerin - Peter Hörnmann

Dieses ist    Jan Borgemeister als Vatter von der Brauth gezogenes Merck

Rot Börgemeister

Dieses        ist Michel Schmitz gezogenes Hand-merck

Jacob Keesen, Gerhard te Pelden, Bernd Bajen, Encken Borgemeisters, Gretgen Schmetz, Gritgen Keesen, Tilman Maas, Hendrich Schinck,

Dieses ist    Herman Drinhaus gezogenes Merck, Johannes Mühlenbruch, Gört Schinck,

Jan Kol als Zeüge

Jürgen Berns als Zeuge

Beglaubigt:                 G.Haetjens, Notar

als Abschrift beglaubigt:   G.Haetjens, Notar

          

 

PETER IMPELMAN

 

Die Ehe des Peter Impelman mit Agnes Borgemeister währte nicht lange, und schon 1768 plante der Witwer eine neue Ehe einzugehen und eine Mutter für seine beiden Mädchen zu finden. Als er allerdings die Jennecken Bonecamp heiraten wollte, mußte er in Moers zu Gunsten der beiden Kinder erster Ehe eine Grundschuld von 100 Reichstalern auf den Hof eintragen lassen. Dabei stellte der Notar am 25.1.1771 den genauen Hofbestand fest; seit der Vermessung von 1693 hatte er erneut an Substanz verloren und besaß nunmehr nur noch eine Größe von 70 Morgen. Da in den Überlieferungen des Klosters Kamp verzeich­net ist, daß Lambert Heckes den Hof in der gleichen Größe übernommen hatte wie ihn dessen Vorgänger Henrich Stivemörs bewirtschaftet hatte, müssen die fehlenden 61 Morgen zwischen 1711 und 1739 abge­trennt worden sein, denn auch Georg Hilger besaß noch 131 Morgen Land. Die Familie des Peter Impelman stellt sich so dar:

 

 

 Peter Impelman                      I.  Agnes Borgemeister
 * 1738/39                                    *
 + 25.07.1810                                 +
                      I. oo 25.10.1762
                            
                                    II. Jenneken Bonecamps

                                              *
                                              +
                      II.oo 22.05.1768

aus Ehe I.
      *     1763       Trinneken oo Peter Hannesen
 aus Orsoy
      *     1766       Oeltgen 

aus Ehe II.
     
*    1770/71     Agnes   oo I. A.Maas oo II. Evert Vieg
      * 15.08.1772     Beel    oo 13.8.1801 Peter Schink
   
      *                Jan
      *                Lisbeth
      *                

 

Als Impelman älter wurde, übergab er den Hof an seine Tochter Agnes und ihren Ehegatten Arnold Maas. Die Ehe dauerte nur sehr kurze Zeit, denn schon nach gut 1½ Jahren war Agnes Impelman Witwe gewor­den. Sie nahm 1796 den Evert Eickschen, genannt Vieg, zum neuen Ehe­mann[103].

 

 Arnold Maas                                 Agnes Impelman
  * 23.01.1767                                * 1770/71
  + 13.10.1795 an der Ruhr                    + vor 1816

 Evert Eickschen
, genannt Vieg
  *  1771
  +
                       I. oo 19.1.1795
                      II. oo 28.8.1796

aus Ehe I.  *  7.02.1795 Peter

aus Ehe II * 15.5.1797 Gertrud oo 1.6.1823 Peter Steinhoff
[104]
                                                (gnt. Jenck)
            *      1802 Jenneken    + 28.11.1803
            * 18.7.1804 Tillmann
            *           Jennecken

 

Peter Impelmann lebte noch 1802, als seine Enkelin ihren frühen Ehe­stand begründete.

 


KLEIN - IMPELMANN

 

Die 1763 geborene Tochter Trinneken des Peter Impelman aus seiner Ehe mit Agnes Börgemeister gründete mit ihrem Ehemann Peter Hannesen einen neuen Familienzweig. Peter stammt aus Orsoy und war der Sohn von Johann Heinrich Hannesen (+ vor 1810)  und seiner Ehefrau Elisa­beth Stockfelds. Möglicherweise war eine Auszahlung der Eheleute nicht möglich und so ließen sie sich mit einigen Ackerstükken abfin­den, erbauten sich in der Nähe auf ihrem Gelände ein Haus und nann­ten sich fortan zur Unterscheidung Klein-Impelmann.

 

 Peter Hannesen                  Trinneken (Klein) Impelman
 gnt.Kleinimpelman
 
  *  ca. 1766 Orsoy                   * 1763
  + 19.3.1810 Repelen                 +

                  oo I. ca 1786
                  oo II. n.1810 
 
  * ca 1787                              Jenneken      oo 1802  Herman Hüskes

  * ca.1789                              Elisabeth     oo 1810 Michael Schmidt

  * ca.1790                              Heinrich      oo 1813   Sophia Hessel
  [105]
  = 19.12.1792            Peter        
  = 27.10.1797   Agnes         oo 1821 Heinrich Friedrichs

  = 30.04.1799   Diederich     oo Marg.Hahnes
 (in Beek)[106]
  = 17.11.1800   Gerhard
  * ca.1803      Hermann
  = 15.03.1803   Oeltgen
  * 23.02.1804   Margarete     + nach 10 Monaten 17 Stunden
  = 29.11.1806   Johannes

Die Mutter Trinecken Klein Impelmann
 heiratete in II.Ehe
Eberhard Kahman
 

 

Als am 21.9.1802 die Tochter Jenneken Klein-Impelman im Alter von nur 15 Jahren den 21jährigen Ackersknecht Herman Hüskes aus Rhein­kamp heiratete, werden dafür sicherlich massive Gründe vorhanden ge­wesen sein. Der Bräutigam war am 22. Januar 1781 in Götters-wicker­ham als der Sohn des Tagelöhners Herman Hüskes und dessen Ehefrau Elsken geboren worden. Zu dieser Zeit galten die französischen Ge­setze und das Aufgebot mußte an der Tür des Verwaltungshauses ange­schlagen werden. Da kein Einspruch erfolgte, wurde die Ehe vom Bür­germeister Diedrich Weyermann geschlossen. Dabei anwesend waren der Vater Peter Klein-Impelman, der Großvater Peter Impelman, der Onkel Evert Vieg-Impelman, sowie ein Bekannter des Brautpaares, Arnd Kö­stermann.

Der Hof Klein-Impelmann existiert heute noch, allerdings unter dem Namen Klein-Bongard. Auch der Name Klein-Impelmann hat sich bis heute noch in Duisburg Trompet erhalten.

 

 

IMPELMANS KATE

 

Die 15 Jahre alte junge Ehefrau des Hermann Hüskes erbaute mit ihrem Ehemann auf einer kleinen Parzelle eine Kate. Das Ehepaar nannte sich fortan Impelman auf Impelmans Kate. Der Ackerknecht mußte jetzt für eine kleine Familie sorgen und verkaufte seine Arbeitskraft, an die umliegenden Bauern, er wurde Tagelöhner. Die kleine Parzelle warf darüber hinaus etwas an Gartenfrüchten ab. Es läßt sich fol­gende Familienentwicklung feststellen:

 

 Hermann Hüskes                 Jennecken Klein-Impelmans
 gnt. Impelman                            gnt. Impelman
 * 22.1.1781                              * ca. 1787
 +                                        +
                oo 21.9.1802 Standesamt Repelen
   
    *  31.01.1806      Trinken    (gestorben)
    *  10.02.1807      Trinken
    *  10.12.1808      Tillmann
    *  13.10.1810      Peter

 

 

ERBTEILUNGEN UND ZERFALL DES HOFES

 

Kurz bevor die jungen Eheleute heirateten, wurde am 23.6.1802 von Notar Lepine ein Inventar in französischer Sprache aufgestellt um Ordnung in die Ansprüche der verschiedenen Impelmänner gegeneinander zu bringen[107]. In der Impelman Kate lebte die Enkelin des Altbauern Peter Impelman mit ihrem Ehemann und auf Klein-Impelman lebte ihre Mutter, eine Tochter des Altbauern, mit ihrem angeheirateten Ehemann Hannesen. Auf dem alten Impelman Hof lebte neben dem Altbauern Peter Agnes, eine Tochter aus zweiter Ehe, mit ihrem zweiten Ehemann Eber­hard Eickschen genannt Vieg und ihren Kindern, darunter dem Peter Maas, einzigem Sohn erster Ehe. Klein-Impelman wurde allem Anschein nach als Erbteil aus dem Impelmans Hof herausgelöst und Impelmans Kate entstand wohl wiederum auf einer Parzelle von Klein-Impelman. Mit dem Tod des Altbauern Peter Impelman und dem seiner Tochter Agnes fehlte ein Mittelpunkt der den Zusammenhalt des Hofes garan­tiert hätte, denn alle Interessenten hatten nur ein Teilinteresse am Bestand des alten Hofes, stammten sie doch aus anderen Familien. Der Kontakt zu Klein-Impelman wird wohl mit dem Tod von Agnes einge­schlafen sein. Evert Eickschen genannt Vieg vereinbarte mit Gertrud Hackstein[108], die in einer anderen Quelle[109] Gertrud Hillen aus Ru­meln genannt wurde, einen Heiratsvertrag mit gegenseitiger Schenkung und verehelichte sich am 21.1.1816. Auf dem Impelman Hof bildeten sich wiederum zwei Pateien, zum einen Peter Maas, zum anderen sein Stiefvater mit seinen Halbgeschwistern. Peter Maas, sein Stiefvater Evert Eickschen bzw. Vieg, sowie die Halbschwester Gertrud mit ihrem Ehemann Peter Steinhoff, betrieben alle nebeneinander Landwirtschaft auf dem ImpelmanHof. Peter Maas muß sich mit seinem Stiefvater an­scheinend nicht gut verstanden haben, denn im Jahre 1825 kam es zum Bruch oder man schaffte aus Vernunftgründen klare Verhältnisse.

Am 14.11.1825 setzte Notar Lepine in Moers einen Abfindungs- und Teilungsvertag auf, nach dessen Vollzug wiederum ein Teil des Hofes, nämlich 21½ Morgen Land, herausgelöst wurde und der die Trennung von Peter Maas bedeutete. Dieser einigte sich mit Evert Impelman während einer Übergangszeit einen Teil der Scheune und 2 Apfelbäume nutzen zu dürfen, währenddessen Evert Anspruch auf die Nutzung eines Häus­chens auf einem nahen Acker als Hochwasser-Notquartier erhielt. Die­ses Haus hatte Evert anscheinend selber gebaut und Peter Maas sollte dafür in den nächsten 8 Jahren 300 Taler dafür bezahlen. Zuletzt wurde noch vereinbart, daß Evert Vieg sich die vier besten Obstbäume zum Fällen aussuchen durfte während Peter Maas dafür eine Eiche er­hielt.

Im Jahre 1828, am 22.11., stimmten die letzten, bis dahin noch un­mündig gewesenen Kinder des Evert Vieg dem Vertrag zu, der damit endgültige Rechtkraft erhielt. Peter Maas hatte auf seinem geerbten Ackerland aus dem Impelman Hofe einen neuen Hof errichtet, der heute noch, in der 5. Generation nach Peter Maas, unter dem Namen Platzen besteht aber nur noch zu Wohnzwecken benutzt wird.

 

Peter Maas           oo 1823         Oeltgen Kleinbongard

  * 9.04.1821       Elisabeth
  * 5.08.1825       Agnes
  * 3.06.1829       Arnold
  * 18.6.1831       Johanna
  * 4.01.1834       Arnold
  * 18.9.1835       Matthias

       Welfonder     oo 1847           Elisabeth Maas
 * 1815                                  * 1821
 + 1862                                  +

      * 19.04.1847  Peter
      * 23.12.1848  Gottfried
      * 07.09.1850  Conrad
      * 16.03.1853  Matthias

Conrad  Welfonder;                             oo        Ohlmann

Matthias  Platzen;                    oo        Sophie  Welfonder;

Heinrich  Platzen;                    oo        Grootepaß

Sohn Heinrich  Platzen;

 

 

LÖTTERS HOF

 

Mit dem Tod des Evert Eickschen oder Vieg, wurde der verbliebene Rest des Impelman Hofes wiederum den Belastungen einer Erbteilung ausgesetzt. Die Kinder Gertrud, Jenneken und Tilmann mußten sich den Hof teilen; möglicherweise kam sogar noch ein Nachzügler aus einer späteren Ehe hinzu. Hatte der Hof 1771 noch einen Bestand von 70 Morgen und rechnet man den Anteil von Klein-Impelman (wieviel?) so­wie den Anteil von Peter Maas (21½ Morgen) ab, so werden höchstens noch 30-40 Morgen zu Verteilung angestanden haben. Dazu kamen womög­lich noch Schulden bei Peter Maas, der Geldforderungen aus dem Erb­anteil seines Vaters Arnold Maas hatte die auch 1825 teilweise noch nicht beglichen waren. Der Hof wurde restlos zerschlagen und zer­teilt. Als schließlich die Gebäude mit ein wenig Land veräußert wer­den sollten, wurden sie von Heinrich Lötters vom Löttershof in Baerl gekauft.

Die Hofgebäude waren in schlechtem Zustand und die Ackerflächen zählten nur wenige Morgen, darum war Heinrich Lötters sehr bemüht Ackerland zu kaufen[110]; beim Erwerb war der Hof so klein gewesen, daß trotz mehrmaligen Nachkaufs von Ackerland nur noch eine maximale Größe von 38 Morgen erreicht wurde. Als er mit seiner Ehefrau, die aus einer alten Schmiedefamilie stammte, den Impelman Hof bezog, wa­ren umfangreiche Baumaßnahmen notwendig und die Söhne des Ehepaares lebten zu Anfang im Baumgarten in einem kleinen Häuschen mit Brun­nen, das heute nicht mehr existiert. Der Hof war ein typisches nie­derrheinisches Bauernhaus, mit dem Eingang zum Wohnbereich im Nord­giebel und der Einfahrt in die Stallungen an der Südseite. Öffnete man die Haustüre, betrat man die Wohnküche, von der eine steile Treppe auf den Söller führte. Mittelpunkt der Küche war der Bussem, ein großer offener Kamin in der Mitte der dem Eingang gegenüberlie­genden Wand, dessen Reste noch lange im Obergeschoss des Hauses zu sehen waren und dort erst nach 1945 entfernt wurden. Eine Pumpe för­derte das Wasser aus einem Brunnen direkt in die Küche. Ein weiterer Brunnen, mit Zugbalken, lag im Innenhof. In der Küche befand sich auch das Butterfaß, das von einem Hund in einem Laufrad außerhalb des Hauses über eine Achse in Bewegung gehalten wurde. Die Stube war von der Küche aus begehbar, lag aber eine Stufe höher. Sie war also eine "Opkammer", wenn auch bei einer Stufe Höhenunterschied nur in bescheidenem Maße davon gesprochen werden kann. Darunter lag, noch heute vorhanden, ein uraltes massives Tonnengewölbe, von der Küche aus zugängig.

Heinrich Lötters riß den vorderen Wohnbereich mit der Küche ab, und erbaute an dieser Stelle ein modernes Querhaus vor den alten Gebäu­derest, mit einer Haustüre in der Mitte, also ungefähr dort, wo sie sich auch bisher befand. Dieser moderne Gebäudeteil hatte rechts und links einen Wohnraumzuwachs ergeben, allerdings einen Verlust an Tiefe im Vergleich zur ehemaligen Küche, die bis in den heutigen Vorgarten reichte. Der Boden muß noch voll altem Gemäuer stecken, denn der Pflanzenwuchs ist dort sehr unbefriedigend. Die alte Scheune, die parallel zum Wohnhaus steht, war damals in sehr schlechtem Zustand und die neuen Bauersleute besserten zumindest das Gemäuer umfangreich aus, wenn sie nicht sogar die Reste abreißen mußten und dafür den heutigen Bau an die gleiche Stelle setzten. So stehen heute diese Bauwerke auf gleichem, jahrhunderte altem Stand­ort wie ihre Vorgängerbauten. Es lassen sich auch Spuren von Gräben feststellen, die in der Vergangenheit zugeschüttet wurden. Ob es sich dabei um Reste derjenigen Anlagen handelt, die ehemals den Hof vor ungebetenem Besuch schützten, wie uns das Gerichtsprotokoll von 1606 berichtete, ist nicht sicher zu sagen. Dennoch erstaunlich, wieviel Spuren noch zu finden sind. Wie treffend auch der Name Em­pel, =Wohnplatz an feuchtem Ort, gewählt war, können die heutigen Bewohner bestätigen; erst seit in den 20ger Jahren dieses Jahrhun­derts eine Heizungsanlage eingebaut worden war, konnte die kühle Feuchtigkeit zurückgedrängt werden, die überall im Hofgemäuer saß und den Hofleuten das Leben schwer machte.

 

 Heinrich Lötters    oo  7.4.1827     ?  Holländer
  * 1800                                *
  + 28.6.1863                           + 14.10.1888

 

 Heinrich Lötters    oo 8.11.1864     Elisabeth Küppers
  * 20.10.1839                        * 8.1.1836 Rumeln
  + 25.11.1920                        + 16.3.1909
     

 

.Wilhelm Lötters     oo 8.11.1902     Gertrud Tremöhlen
  * 28.4.1877                         * 1872 Repelen
  +                                   +

 

 Heinrich Lötters    oo 1938          Maria Bifang


                   Sohn Wilhelm

 

Die Familie Lötters, die nun in der 5.Generation den Impelman Hof bewohnt und bewirtschaftete gab 1966 die Landwirtschaft auf und nutzt den Hof nun ausschließlich als Wohnsitz.

 

EINE ALTE KARTE

 

Einige Anmerkungen zu der bereits mehrfach erwähnten Karte (HStA: Kloster St.Barbara Garten, Rheinberg, 1-6) scheinen mir notwendig zu sein. Bei der Frage nach dem Hintergrund des Entstehens dieser Karte fällt auf, daß diese Karte nicht die Äcker eines einzelnen Hofes zum Inhalt hat, auch nicht den Besitz eines einzelnen Grundherren, son­dern sie zeigt ein ganz bestimmtes geographisch festumrissenes Ge­biet, ohne Berücksichtigung grundrechtlicher Besonderheiten. Alle Parzellen oder Äcker dieses Gebietes sind durchnumeriert, ohne Be­rücksichtigung der Hofzugehörigkeit. Die Karte kann also nur einem übergeordnetem Zweck gedient haben, der Erhebung des Zehnten oder der Landessteuer. Angesichts verschiedener Bemerkungen zu Randgrund­stücken, deren Zuständigkeit in anderen Händen lag, bin ich über­zeugt, daß es sich hier um die Zehntkarte des Klosters Camp betref­fend den Impelschen Zehnten handelt. Das ergibt dann wiederum Aus­kunft darüber, was ehedem zum "Impelschen Feld", dem Wohnplatz Impel oder Empel gehört hat. Beachtenswert bei dieser Karte sind die Fülle von Details, die Informationen geben über Höfe, Hecken, Gräben, Sandkuhlen und Gehölze. Faszinierend wie genau der damalige Wegever­lauf verzeichnet wurde, denn diese Karte läßt sich ohne größere Pro­bleme mit einer heutigen Karte in übereinstimmung bringen. Der Koh­lenhucker Weg hieß früher in seinem südlichen Teil "die Hammstraat" (vom Metschenhof bis zur Kreuzung Plißstraße). In seinem nördlichen Teil der nach Klein Bongardt abbiegt trugt er früher die Bezeichnung "Wegg na de Hoybenden". Der Dillschen Weg trug seinen Namen auch schon um 1700 (Deelse Wegg), doch endete er damals in einer Sand­kuhle, die sich ungefähr da befand, wo heute die Häuser an dieser Straße liegen. Der Name dieses Weges deutet auf einen heute unterge­gangenen Gehöftnamen: Delscher Hof, der im Bereich des heutigen Witthofs gelegen haben soll (erwähnt Cop.Camp.Nr.53 vom Juni 1275). Es ist durchaus denkbar, das in noch weit früheren Zeiten dieser Weg schon einmal eine Durchgangsstraße war, dessen Fortsetzung auf der anderen Autobahnseite in der Benden Straße zu finden ist. Der heu­tige Mönchsweg war um 1700 Durchgangsweg und führte direkt auf den Impler Berg zu. Der Name, er erinnert heute an die Mönche aus dem Kloster Kamp, lautete früher "de Campse Wegg". Die heutigen Fahrwege Plißstraße und Asdonkshofstraße waren früher ein zusammenhängender Weg, der "Rossenrayer Lykwegg" der am Impeler Berg den früheren "Campschen Wegg" kreuzte und nach Repelen führte. Eine weitere Über­einstimmung der alten Karte mit den heutigen Gegebenheiten läßt sich im Verlauf der Gemeindegrenze finden, die parallel der Asdonkshof­straße verläuft und dann hinter dem Impler Berg weiterführt. Diese heutige Gemeindegrenze entspricht auf der Karte der damaligen Lan­desgrenze Kurfürstentum Köln/Grafschaft Moers.

Die erwähnte Karte ist die Kopie eines Originals im Xantener Zehntatlas.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zweites Heft

 

IN BUDBERG

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier wenden wir uns dem weiteren Schicksal des Arnt Impelman zu, der nach dem Tod des Mevis Wolters in Rheinberg einen neuen Anfang als Soldat gemacht hatte. Nach der Einnahme der Stadt durch die nieder­ländischen Truppen mußte er erneut den Wohnort wechsel und ging darum mit seiner Familie in das schwer vom Krieg zerstörte Budberg.


BUDBERG

 

Der Ort war schon in frühen Zeiten bewohnt, was vorgeschichtliche, römische und letztlich auch fränkische Bodenfunde belegen. Ur- kund­lich liegt die früheste Erwähnung im Jahre 1003, als der Vasall Wen­zelin den Königshof (curtis) zu Budberg auf dem Tauschwege aus der Hand des Erzbischofs erhält. Später finden sich in Budberg neben dem Kölner Erzbischof noch verschiedene andere größere Grundherren: Klo­ster Kamp, Kloster St.Barbara Garten Rheinberg, Maria im Kapitol (Köln), die Familie von Aerscheyt (Aerschot aus Süd-Brabant), die Grafen von Neuenahr, die Grafen von Bentheim, die Grafen von Moers. Von der Familie von Aerscheid erwarb Dietrich von Moers 1334 das Kirchenpatronatsrecht, später auch noch deren Budberger Höfe. Schon 1294 hatten die Moerser Grafen Anspruch auf das Budberger Ge­richtswesen, daß sie mit den Kölner Erzbischöfen in Gemeinsamkeit ausübten.

Politisch war Budberg eine "Zwei-Herrlichkeit" (Kondominium) im ge­meinsamen Besitz von Moers und Köln. Die Moerser Grafen sahen dieses Verhältnis so, wie "...wo auch ein gulden apfel vom himmel fiele,dass derselebe zugleich durchzutheilen und davon die gerechte halbscheidt einen jeden herren, ausgenohmen der kirchengift so uns allein competiret, zuzustellen wäre..."[111]. Das Steueraufkommen der Herrlichkeit wurde geteilt, der Zehnt ging nach Köln (Kellnerei Rheinberg) und der Zoll nach Moers. Der Ort besaß die Ortsteile:Dorf Budberg, Bauerschaft Vierbaum, Weiler Pelden, später noch das Dorf Eversael. Im Norden grenzte die Zweiherrlichkeit Budberg an das köl­nische Amt Rheinberg, westlich und südlich mit Repelen und Rheinkamp sowie nordöstlich mit Eversael an die Grafschaft Moers und südöst­lich mit Orsoy an das Fürstentum Kleve.

 

 

GERICHTSHOHEIT BUDBERG

 

Seit frühester Zeit finden wir ein Schöffengericht in Budberg, des­sen Gerichtsgerechtigkeit zumindest zeitweise an den "Hückelhof" an­gebunden war und dem jeweiligen Grundherren zustand. Als im Jahre 1334 dieser Hof mit dem daranklebendem Kirchenpatronatsrecht von der Familie von Aerscheyt an den Grafen von Moers verkauft wurde, be­hielt sich die Familie die zugehörige Gerichtsbarkeit vor.[112]                                                             

Im Laufe der Zeit wurde der Gerichtbezirk anscheinend verkleinert und Köln und Moers besaßen die Gerichtshoheit gemeinsam. Während des 30-jährigen Krieges fanden die Gerichtssitzungen zeitweise nicht mehr statt[113] und die Gerichtstätigkeit wurde vom Hauptgericht Moers mitübernommen, was ich in den Gerichtsprotokollbüchern dort fest­stellen konnte. Erst 1640 wurde ein neuer Anfang gemacht und die Protokollbücher (2 Bd.) schildern viele interessante Details aus dem Dorfleben bis ins Jahr 1748[114]. Auf Grund der Zweiherrigkeit war das Gerichtwesen sehr umständlich. Bis zum Anfang des 19Jhd. tagte das Gericht immer in doppelter Besetzung  (Schultheiß, Schreiber, Schöf­fen), die einen von Köln,die anderen von Moers, Kosten entstanden natürlich dadurch in doppelter Höhe; besonders teuer waren dabei die Verpflegungskosten wenn die Gerichtsleute über Mittag blieben. Den Mißstand der überhohen Kosten schaffte  eine Konferenz 1692 ab; seit dieser Konferenz finden wir aber auch unter den Schöffen keine Bud­berger Bauern mehr, die bis dato zumindest einen, wenn nicht alle Schöffen stellten. Letzter Richter für Budberg von moersischer Seite war der Advokat Weinhagen, der sich während der französischen Beset­zung (1794-1814) noch sehr für das Dorf einsetzte.In Apellationssa­chen waren abwechselnd das Gericht in Moers oder das Hofrathcolle­gium in Bonn zuständig.

Tagungsort des Gerichtes war in der Zeit des 30jährigen Krieges und danach: "Impelmanns Behausung". In den letzten Jahren des Bestehens tagte das Gericht in einer Dorfwirtschaft [115] , worüber sich der Richter Weinhagen schon bald nach seinem Amtsantritt beschwerte, zumal keinerlei Aufbewahrungsmöglichkeit für die Gerichtsbücher vor­handen waren.                                    

Das Gericht war für alle Bereiche des Rechtslebens zuständig, also auch für Strafverfahren, und konnte zumindest noch im 17.Jhd auch Todesurteile verhängen und vollstrecken, was in zwei Fällen auch wohl geschehen ist. Eine Hinrichtungsstätte lag immer gut sichtbar am Hauptdurchgangsweg, hier vermutlich in dem Winkel der heute von der Bischof-Ross-Straße und der Eversaeler Straße gebildet wird.  

 

 

BEVÖLKERUNG UND BÄUERLICHES RECHTSLEBEN

 

Bäuerliche Grundeigentümer gab es in Budberg vor 1800 nicht mehr.
Alle Aufsitzer auf den Höfen waren Bauern auf Grund von erbeigentüm­lichen Leibgewinns-Verhältnissen; sie erhielten ihren Hof aus der Hand von Lehensleuten und diese wiederum aus der Hand des Grundher­ren. Nur im Ausnahmefall finden wir Bauern, die ihren Hof direkt aus der Hand des Grundherren zu Lehen hatten und selber bewirtschafteten (Ilt-Hof
; Hausen-Hof). Höfe und Land konnten sogar mehrmals unterbe­lehnt werden, so daß der eigentliche Bauer erst an  4. oder 5. Stelle dieser Kette stand. Der Hausen Hof (Husen, zwischen Eversael und Budberg) war Sattelhof der Kirche "Maria im Kapitol" zu Köln, und es mußte sich der Lehnnehmer dieses Hofes verpflichten, jeder­zeit die Deputierten des Capitels, falls sie nach Rheinberg reisten, unterzubringen und zu verpflegen[116]. In der Überzahl waren aller­dings kleine und kleinste Anwesen, sogenannte Katen, die bei gege­benem Anlaß aus den größeren Höfen herausgeschnitten worden waren und selten mehr Ackerland als 1-5 Morgen besaßen. Die Katenbewohner konnten sich nur kümmerlichst aus ihrer Anbaufläche ernähren und ar­beiteten in der Regel noch zusätzlich als Tagelöhner oder Knechte oder konnten ein Handwerk ausüben.

Waren vor dem 30jährigen Krieg einzelne Höfe möglicherweise jahrhun­dertelang von den gleichen Familien bewirtschaftet worden, brachte doch der Krieg einen allmählichen Wechsel zum Pachtsystem, das über einen vorbestimmten Zeitraum lief und dann erneuert werden mußte. Verständlicherweise brachte dieses System die Möglichkeit einer ste­tigen Anpassung und Erhöhung der Pachten und führte auch zu einer  stärkeren Bevölkerungsfluktuation.

Handel und Handwerk findet sich erst im 19.Jhdt schriftlich in Bud­berg erwähnt, doch gab es aber schon seit jeher die Berufs-kombina­tion Bauer-Handwerker oder Bauer-Händler.

Traditionelle politische Organe (wohl noch aus fränkischer oder ger­manischer Zeit sind die Bauernbank, die Bauernsprache und der Baurmeister (nicht Baumeister!) mit den Gemeinsleuten. Die Bauernbank ist die Institution oder der Ort, an dem die Bauernsprache stattfand, eine Art Vollversammlung der ansässigen Bauern. Es muß dabei noch unterschieden werden zwischen den Pächter-Bauern und den Bauer, die ihren Hof auf Grund eines Lehns oder einer Leibgerechtigkeitverhältnisses besaßen, den sogenannten "Beerbten". Der Baurmeister war ein gewählter Gemeindevorsteher und Sprecher, dem zur Hilfe oder auch Kontrolle die beiden Gemeinsmänner zur Seite standen. Baurmeister und Gemeinsmänner stammten in der Regel aus den Kreisen der Dorfprominenz. Die Bauernsprache wurde von der Kirche argwöhnisch betrachtet und teilweise auch verfolgt. Zum einen fand diese Veranstaltung i.d.Regel am arbeitsfreien Sonntag statt und konkurrierte entweder mit dem Gottesdienst am Vormittag oder mit den Andachten, Betstunden und Unterweisungen in der Kirchenlehre die an den Sonntagnachmittagen stattfanden. Besaß und beanspruchte der Ortsgeistliche im Allgemeinen die lokale Führungsautorität (neben den Bewohnern der Adelssitze), so bedrohten Veranstaltungen wie die Bauernsprache, an der die Kirche nicht teilnahm, diese Stellung.

 

 

DIE BUDBERGER KIRCHE

 

Nach heutigem Wissenstand soll die Kirche im 9.Jahrhundert als frän­kische Saalkirche auf einem teilweise künstlich aufgeschüttetem Hü­gel unter Verwendung römischer Bautrümmer errichtet worden sein. In der Nähe muß sich ein römisches Landhaus oder Bauerngut befunden ha­ben, denn die dort gefundenen ungestempelten Ziegel weisen auf eine private, nichtmilitärische Nutzung hin[117].

Der Name "Saalkirche" entspringt der frühen rechteckigen Form des Innenraums, die schon nach dem 11.Jhdt nicht mehr benutzt wurde. In aller Regel sind die heute noch vorhandenen Saalkirchen auf Grund vieler verschiedener Umbauten kaum noch als solche zu erkennen; das Budberger Bauwerk hat sich als einzige Kirche dieser Gegend seine Ursprünglichkeit erhalten können, obwohl auch hier Veränderungen  stattgefunden haben. Der Innenraum wurde vergrößert, ein Turm wurde angebaut.Dieser ist so überproportioniert, daß möglicherweise bei seiner Errichtung eine umfassende Kirchenerweiterung geplant war.

In spanischer Zeit, wahrscheinlich in der Zeit der Eroberung von 1606, brannte die Kirche ab. Alles Holzwerk, Dach und auch die Türen gingen dabei verloren und die Kirche stand bis zum Wiederaufbau (ab 1638) als Ruine leer. Später, im 18.Jhd., wurde sie umgebaut und dann 1817 und 1952 jeweils renoviert. Als einen Taufstein aller frü­hester Zeit, wahrscheinlich aus dem 9.Jhd., identifizierte man ein Trümmerstück aus Drachenfelstrachyt, das jahrelang auf einem nahen Hof als Prellstein diente. Unter den Glocken im Kirchturm befindet sich eine, die Annenglocke von 1524, die schon zweimal vor dem Ein­schmelzen zu Kriegszwecken gerettet wurde. "Im Jahr 1583 den 23.April hat der wolgeborene Graf Adolff zu Neuenar und Mörß Kriegs­volck zu Budberg gesandt und die Klocken im Thorn gesinnen zu behuff des Kriegs und Anderer sachen, dafur das zu gemeinem Nutzen die Kirchmeister und Pastor zum Grafen sich verfügten und fur die Kloc­ken gelobet und aufnehmen musten wie dann überantwortet sein dem Grafen funff-Vierthel Dahler (125), darvon man Jährlich zu Orsoy be­zahlen muß zwey malter Rogken und Zwey malter gerstens. Darvon auch zu Bergk, Issum, Menslar gleichfalls die Klocken geholet sindt."[118] Das zweite Mal bewahrte das Kriegsende 1945 die Glocke vor dem Schmelztiegel; sie stand schon in der Gießerei und wurde 1949 wieder zurückgegeben.Im Jahre 1638 war zur Reparatur eine Umgießung notwen­dig geworden; möglichweise war sie beim Kirchenbrand in den Turm ge­stürzt und hatte dabei einen Sprung erhalten. Diese Glocke hat mit ihrem Klang das Leben all unserer Budberger Vorfahren begleitet.

 

 

CHRISTLICHE GEMEINDEN ZU BUDBERG

 

Die Kirche war dem hl. Lambertus, ehedem Bischof von Lüttich, und der hl. Gertrud geweiht. Der Höhepunkt der Lambertusverehrung am Niederrhein lag bei den Eigenkirchen des Adels um das Jahr 1000. Die Budberger Kirche, ungefähr aus dem 9.Jhdt., zeigt dazu Übereinstim­mung. Sie ist ehemals Eigenkirche eines ansässigen Adeligen gewesen, der des Kirchlein auf eigenem Grund und Boden errichtet hatte und dem deshalb das Vorschlagsrecht für die Besetzung der Pfarrstelle zustand. Vor der Saecularisation besaß jedes Kloster, jede Pfarre, einen bestimmten Grundstock von Land, Häusern, ggf. mit Leibeigenen, Wachszinspflichtigen, Hörigen; dieser Besitz mußte durch seine Er­täge (Pachten,Abgaben,Dienste) den jährlichen Finanzbedarf von Kir­che und Pfarrer decken. Interessanterweise finden wir in Budberg einen großen Teil des Kirchlichen Grundbesitzes außerhalb der Ge­meindegrenzen. Die Rechte an diesen Eigenkirchen konnten mit den Hö­fen, an denen sie klebten, verkauft werden. Eine alte Urkunde von 1334 zeugt davon, daß Arnold von Aerschot seinem Verwandten Dietrich von Moers den Hückelshof verkauft hatte, an dem das Kirchenpatronat für Budberg hing.Später verkaufte dieser dann den Hof weiter, wobei er sich das Patronat ausdrücklich selber vorbehielt. Schließlich war der Hof Eigentum der Karmeliter in Moers geworden, denen wiederum im Jahr 1558 der damalige Moerser Graf den Hof abkaufte [119]. Möglicher­weise geschah das sogar aus politischen Gründen, weil die Moerser Grafen, der lutherischen Konfession zugetan, nicht den geringsten Zweifel an der Berechtigung ihres Budberger Kirchenpatronats aufkom­men lassen wollten. Zur Zeit der Kirchengründung war Budberg sicher­lich noch kein Dorf, doch wuchs es im Lauf der Zeit dazu heran; die Kirche war Mittelpunkt und  Keimzelle für eine Dorfgemeinschaft. Nachdem die Kirche den Charakter einer Eigenkirche verloren und einen eigenen Pfarrer bekommen hatte, gehörte sie bis mindestens zum Jahr 1250 als Filialkirche nach Rheinberg (ebenso wie die Kirche in Orsoy). Der Bistumsherr war der Erzbischof in Köln, das zuständige Dekanat war Duisburg und Archidiakon war der Propst von St. Viktor in Xanten. Vor der Reformation bestanden in Budberg zwei Vika­rien[120], wovon eine zu einem Marienaltar gehörte, und es gab eine Schützenbruderschaft, der anscheinend das ganze Dorf angehört hatte und die nach der Glaubensspaltung keine Existenzberechtigung mehr hatte. (Wahrscheinlich bestand sie bis 1650/1680). Das Schützensil­ber, Platten und Kette, war noch 1788/89 vorhanden und ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Gunsten des Neubaues der katholischen Schule um 1790 verkauft oder eingeschmolzen worden[121]. Finden wir heute in alten Urkunden des Mittelalters Namen von Budberger Pfarrern, so ha­ben wir es in aller Regel nicht mit Geistlichen, sondern nur mit dem Inhaber der Pfarrstelle zu tun. Was dem Hohen Adel die Titel und Äm­ter von  Pröpsten, Äbten und Bischöfen waren, das galten dem Bürger­tum  und dem Kleinadel die Pfarrstellen: eine Möglichkeit unver­sorgte Kinder unterzubringen um diesen ein gesichertes Leben zu ver­schaffen wenn das väterliche Erbe bereits vergeben war. Diese wie­derum beschafften sich dann einen Geistlichen aus armen Verhältnis­sen, der die seelsorgerische Arbeit für einen Hungerlohn übernahm. Mit der Reformation änderten sich diese Zustände, die auch in der katholischen Kirche angeprangert worden waren. Nach dem Wunsch der Moerser Grafen sollte auch Budberg lutherisch werden und den ersten Pfarrer, dem nachgesagt wurde "er sei mit der Sekte gänzlich behaf­tet", erhielt Budberg 1544 mit Johann Tilken. Ihm folgten wieder zwei katholische Geistliche, Theodor Olisleger und Heinrich Fluin und erst der "abtrünnige" Karmelitermönch J.Eusebius Neomagus (1568-71) aus dem Kloster Moers führte in Budberg die Reformation ein. Ar­nold Impelmann, 1673 als 80jähriger in einem Verhör zu dem Reforma­tionsgeschehen im Dorf Budberg befragt, sagte aus, von seinem Vadder gehört zu haben, daß "Johann Eusebius Nimwegen (=Neomagus) in seinem habet auff den Predigtstuhl gangen undt der halben seines Habiti halber der Witte Pastor genent worden; derselbe hette folgendt bey erstandener Un-ruhe von der Catholischen Glauben deflektiret ad Lu­theranismum; hätte auch vorhin in Unzucht gelebet Undt ein Kind er­wecket, welch Kind er wohl gekennt." [122] Auf Grund der Zweiherrig­keit durfte nach den Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens von 1555 (Wem das Land, dem die Religion) ein Wechsel der Konfession in Budberg nur mit Zustimmung von Moers und Köln erfolgen. Die tatsächlichen Verhältnisse dieser Zeit waren jedoch anders. Perma­nente Unruhe durch die Kriegsereignisse in den Niederlanden und die vielerorts übliche konfessionelle Mischform, bei der ein Laie kaum noch zwischen modernisiertem Katholizismus und Lutheranismus unter­scheiden konnte, halfen bei Einführung der Reformation in Budberg. Zwar bekam Neomagus Schwierigkeiten mit den kurfürstlichen Beamten in Rheinberg, dennoch hielten sich die Streitereien in Grenzen. (Möglicherweise waren sie auch Grund dafür, daß Neomagus schon nach drei Jahren nach Homberg ging). In Budberg trat Wilhelm Valck aus Orsoy an seine Stelle. Er war lutherischer Pastor und zu seiner Zeit soll auch das ganze Dorf lutherisch geworden sein (möglicherweise katholisch/lutherische Mischform). Er verfaßte 1582 die Kirchenbü­cher neu, war verheiratet und hatte Kinder. Er liegt in der Kirche begraben und soll 1611 gestorben sein, ist aber schon 1610 nicht mehr auf dem Convent der Moerser Pfarrer vertreten. Der Kölner Krieg, der die Einführung der Reformation in Budberg begünstigt hatte, führte auch zu dem bereits erwähnten Bittgang des Pfarrers und der Kirchmeister um den Wiedererhalt der Glocken. Zu einem bis­her nicht genau bekannten Zeitpunkt wurde durch Kriegsgeschehen die Budberger Kirche zerstört. Nimmt man allgemein an, daß dieses Ereig­nis zwischen den Jahren 1583 und 1597 liegt, bin ich allerdings der Auffassung, daß dieses Ereignis erst in den ersten Jahren der drit­ten spanischen Besetzung Rheinbergs zu suchen ist. Wäre die Kirche früher abgebrannt, so hätte Pastor Valck sicherlich ihren Aufbau be­gonnen oder aber seine Gemeinde gewechselt; mit Sicherheit hätte er nicht zwischen 14 und 28 Jahren in einer Ruine gelebt und sich dort auch begraben lassen, ohne für den Wiederaufbau zu sorgen. In dieser Zeit hat er das Kirchenbuch geführt und eigenhändig Behandigungen sowie auch verschiedene Kleinigkeiten dort eingetragen. Einen Kir­chenbrand hätte er mit Sicherheit nicht verschwiegen. Wir haben also dieses Ereignis in der Zeit kurz vor oder kurz nach dem Tod des Pa­stors Valck einzuordnen. Ein Pfarrer, der nach einer Dienstzeit von ca. 40 Jahren sicherlich beliebt war, ist entweder in der unzerstör­ten Kirche oder aber in einer "frischen" Ruine bestattet worden, von der man glaubte sie bald wieder aufgebaut zu haben. Die Zerstörung der Kirche ist sicherlich auch der Grund, warum nach dem Tod von Pa­stor Valck kein Nachfolger benannt worden war, obwohl Moers damals politisch neutral war und eine funktionierende Verwaltung hatte. Es existiert ein alter Stich mit dem Datum 1.10.1606, auf der der Kirchturm von Budberg, der bei dem Brand die Spitze verlor, noch un­zerstört zu erkennen ist[123]. Ich bin überzeugt, daß das Brandereig­nis zwischen 1606 und 1612 stattfand. Es besteht auch die Möglich­keit, daß die Pfarrstelle nach dem Tod von Valck nicht mit einem ge­eigneten Pfarrer besetzt werden konnte und darum frei blieb und die Kirche der Brandschatzung des Dorfes um 1624 zum Opfer fiel.

Zur Gleichstellung schlecht besoldeter Pfarrer führte man in der Grafschaft Moers 1612 ein Egalement durch. Die Kornrenten, die zum Einkommen des Budberger Pfarrers gehörten, wurden dem Prediger von Vlyn, Alexander von Prato zugewiesen. Sprechen auch verschiedene Quellen von einen Kombination der beiden Kirchgemeinden, so waren doch die tatsächlichen Verhältnisse anders. Pastor de Prato war eher ein rechter Materialist, was eindeutig aus den Beschwerden an die Moerser Klasse zu entnehmen ist. In Budberg ist er in seiner Eigen­schaft als Seelsorger nicht ein einziges Mal gesehen worden, wenn man den vorliegenden Zeugenaussagen glaubt. Er schickte aber seinen Sohn Samuel vorbei, um die Kornrenten einzufordern.

In dieser Zeit orientierten sich die Budberger in Religionsangele­genheiten wieder nach Rheinberg zur katholischen Seite hin, was sich auch nicht änderte, als dort 1633 mit Wechsel der Besatzer der re­formierte Glaube Einzug hielt.

 

 

PAROCHIALZWANG UND KIRCHHOFSWESEN

 

Bis ins 19.Jhd bestand der sogenannte "Parochialzwang",d.h.dem Pa­stor des Kirchspiels in dem ein Mensch geboren war, stand das Recht auf Sakramentsspende (und Empfang der zu entrichtenden Gebüh­ren=Stolgebühren) zu. Nur mit Zustimmung des Pfarrers konnten diese Amtshandlungen in einer anderen Pfarre aufgeübt werden. Diese Rege­lung verhinderte einen wirtschaflichen Wettbewerb der einzelnen Geistlichen untereinander und ermöglichte eine uneingeschränkte so­ziale Kontrolle der Gläubigen, denn um an einem anderen Ort in eine Kirchgemeinde aufgenommen zu werden, bedurfte es eines Zeugnisses des früheren Pfarrers.

Durch die Reformation ergaben sich nun Probleme: ein großer Teil der Budberger Bevölkerung (um 1650 fast wieder 100 % ) waren katholisch und schienen das auch bleiben zu wollen. Es dauerte darum fast noch 30 Jahre (bis ca 1680) bis die reformierten Prediger sich durchset­zen konnten und alle Bewohner ihre Zuständigkeit akzeptierten. Gin­gen die Katholiken vorher einfach nach Rheinberg, wurden sie ab 1675 von Moers dafür mit ungewöhnlich hohen Geldstrafen belegt. Selbst die Bereitschaft zur Doppelzahlung und Doppeltaufen wurde nicht ak­zeptiert. Strafen bis zu 19 Talern je Taufpate sind nachweisbar. Da nun zwischen 1672 und 1700 die evangelischen Kirchenbücher von Bud­berg fehlen, und die Katholiken sich in dieser Zeit nicht nach Rheinberg in die Kirche wagten, sind die Budberger in dieser Zeit kirchenbuchmäßig nicht beurkundet. Danach finden sich wie auch in der Zeit zwischen 1666-72 Doppeltaufen. Später hatten die katholi­schen Bewohner Gelegenheit ihre kirchlichen Zeremonien in der Rhein­berger Gemeinde zu feiern, mußten aber dem Budberger Pfarrer sein "Jura" bezahlen.

Interessanterweise finden sich bei Trauerfällen fast umgekehrte Zu­stände. Die katholischen Einwohnerschaft beharrte stets auf dem Be­stattungsrecht (teilweise Familiengräber) auf dem Budberger Fried­hof, daß ihnen von evangelischer Seite anscheinend auch nicht ernst­haft streitiggemacht worden ist. Darüber hinaus lagen auf Grund des niederrheinischen Brauchtums fast alle Arbeiten und Aufgaben bei Be­stattung in den Händen der Nachbarschaft -ohne besondere Beachtung der Konfession- und nur zum geringeren Teil in den Händen der Kir­che. Trotzdem führte die unterschiedliche Umgangsweise mit den lie­ben Verblichenen auch zu manchem Streit. Eine Kirchenvisitation im Jahr 1715 stellt heraus, daß "die Papisten bey Begräbnis ihrer Toten durch Aufsetzen der Kreuze, Niederfallen auf dem Grab und anderen Ceremonien große Ärgernüß geben". Im Laufe der Zeit einigte sich die Rheinberger mit der Budberger Kirche und in den Katholischen Fami­lien fand die Einsegnungfeier durch den katholischen Priester in den eigenen Häusern statt. Am darauffolgenden Tag wurde dann der Sarg zum Budberger Friedhof getragen oder gefahren und der evangelische Pfarrer begleitete dann unter Glockengeläut die Leiche zum Grab und ließ ein Lied aus dem evangelischen Gesangbuch singen.

Als der Parochialzwang abgeschafft war, kündigte der münsteraner Bi­schof (oder regt dazu an) dieses Abkommen auf und leitete damit den letzten Konfessionsstreit in Budberg ein. Der damalige Pastor Delank sollte zwar seine Gebühren erhalten, jedoch von seiner Lei- chenpre­digt und der Begleitung zum Grab Abstand nehmen.Delank war aber an­scheinend ein Prinzipienmensch und er zeigte die gleiche sture Ver­bissenheit wie die katholische Seite: er lehnte das Geld ab, blieb zu Hause und bestrafte die katholischen Leichen mit Ent-zug des To­tengeläutes. Es gab darum in Budberg einen ziemlichen Streit, in den auch unsere Familie verwickelt, war und der anscheinend bis zur Schließung des Friedhofes andauerte. Die münsteraner Bistumverwal­tung, die diesen Streit ausgelöst hatte, ließ prüfen,ob ein Prozeß um das Totengeläut zu gewinnen wäre; die Rechtsberater waren aber wohl sehr skeptisch und rieten den Budberger Familien davon ab. Zu Zeiten des evangelischen Pastors Ross, zu Beginn des 19.Jhd schien aus gleichem Anlaß ein Konfessionsstreit auszubrechen, den aber die­ser besonnene evangelische Pfarrer, der sich ohne Rücksicht auf Kon­fessionszugehörigkeiten sehr für das Dorf einsetzte, auffangen konnte.[124]

Der Friedhof schien schon 1890 zu klein gewesen zu sein (18a 77m2)
und sollte geschlossen werden, was allerdings erst 1915 nach langen Kämpfen zwischen Pastor Delank
 und den Gesundheitsbehörden durchge­setzt werden konnte. Werden in der Argumentation zur  Schließung als Begräbniszeitraum "400 Jahre" angeführt, so ist das höchstwahr­scheinlich falsch. Mit Sicherheit ist der Platz rings um die Kirche seit ihrem Bestehen zu Beerdigungen genutzt worden und wir erhalten somit einen Zeitrahmen von 800 - 1000 Jahren, in denen dort beerdigt worden ist. Der Kirchenhügel kann im Grunde nur aus Bestattungsre­sten bestehen. Der damalige Kreisarzt bemängelte die nur wenige Me­ter vom Friedhof entfernte Lehrerwohnung, in der sich Moder breit­machte; ebenso, daß sich eine Bäckerei in nur kurzer Entfernung be­fand. Vor allem wurde aber die willkürliche Belegung als störend empfunden. Auch wenn sich die Gemeinde durch die Anstellung eines Totengräbers bemühte die Sitte des "Grabmachens" durch die Nachbarn zu unterbinden, gab dieser jedoch zu Protokoll, daß er bei jeder Be­erdigung auf Knochen stoße, die herausgewühlt einen üblen Geruch verbreiten würden.                  

 

Alle Empelmänner -sofern sie in Budberg gestorben sind- haben dort ihre letzte Ruhestätte gefunden; der letzte war Johann Empelmann, der 1898 dort beerdigt wurde. Heute stehen noch verschiedene Stei-ne um die Kirche und errinnern an vergangene Generationen. Aller-dings kein Stein unserer Familie. 

 

 

SCHULEN

 

Schon vor dem 30-jährigen Krieg gab es in Budberg eine Schule; in anderen Zusammenhängen findet sich eine Zeugenaussage von 1619, wo Peter zu Vierbaum aussagt, auf welchem Weg er als Kind von Vierbaum nach Budberg zur Schule gegangen ist.[125] Ob das Schulwesen auf Grund der Reformation in Budberg einzog, oder möglicherweise schon vorher dort seinen Platz hatte (wie in Rheinberg) ist unbekannt.

 

Lehrer war der Küster, der keine besondere Lehrbefähigung benötigte und nur sehr kärglich dafür besoldet wurde. Teilweise erhielt er sein Gehalt in Naturalien, teilweise bekam er kostenlos Land zuge­wiesen, das er dann bebauen durfte; Bargeld gab es nur selten. Der sogenannte "Frei-oder Wandertisch" war bis ins 19.Jhd. üblich. Großen Einfluß übten die unterschiedlichen Jahreszeiten auf den Un­terrichtsablauf aus: fand im Winter der Unterricht noch ganztägig statt, so fiel er im Sommer oft völlig aus, weil die Kinder zur Feld- und Hirtenarbeit benötigt wurden und der Lehrer seinen Acker bestellen mußte.

Als Pastor Willmanns 1650 seinen Dienst antritt, brachte er einen Küster mit, der Schule halten sollte. Dieser, oder sein Nachfolger, wurde 1671 getadelt, weil er ungeschickt gewesen war. Als Budberg 1672-75 in "katholischer Hand" war, fand dort auch katholischer Schulunterricht statt, und der ausgesperrte reformierte Prediger be­klagte sich, daß verschiedene reformierte Eltern ihre Kinder lieber in die katholische Schule schickten als in die reformierte Schulen in Orsoy oder Rheinberg. Mit Sicherheit wurde der katholische Unter­richt bei Übernahme der Kirche 1675 durch den reformierten Pastor wieder eingestellt. Um 1747 wurde wieder eine katholische Schule aktenkundlich; möglicherweise hatte sie schon einige Jahre vorher bestanden. Auf dem Hof "Große Hardt",den der Pächter Albert Biene­mann bewirtschaftete, unterrichtet der Lehrer Scholten die katholi­schen Kinder in einer Schule "privater" Natur. Die Einwände der re­formierten Kirche gegen diese "Neben- oder Heckschule" hatten nur geringen Erfolg. Mit Unterbrechungen und teilweise ausschließlichem Sonntagsunterricht wurde der Schulbetrieb dort in einem separatem Gebäude fortgesetzt. Unsere Vorfahren mußten mit den anderen katho­lischen Kindern täglich mehrmals den langen Weg bis ans Dorfende zur "Großen Hardt" machen. Der reformierte Prediger Brüning setzte sich 1786/89 sehr für die katholischen Schulkinder ein und es gelang ihm, den Bau einer neuen Schule zusammen mit dem Kölner Amtmann in Rhein­berg, Hofrath Erlenwein, ins Leben zu rufen. Dieser Neubau entstand in den 90ger Jahren des 18.Jhd in der heutigen Eversaeler Straße, schräg gegenüber dem Haus unserer Vorfahren. Diese Schule wurde dort 1844 abgerissen und an gleicher Stelle neu gebaut;1929 bezog die Schule ein neues Gebäude an anderer Stelle.

 

 

RHEINLÄUFE, HOCHWASSER UND KATASTOPHEN 

 

Die unmittelbare Nähe Budbergs zum Rhein brachte alljährlich im Herbst die Gefahr von Hochwasserkatastrophen mit, die nicht nur Höfe und Menschen vernichten, sondern auch die Landschaft radikal umge­stalten konnten. So sollen durch Veränderung des Strombetts Eversael und Drießen auf die linke Rheinseite gekommen sein; angeblich floß der Strom früher zwischen Budberg und Eversael. Der heutige soge­nannte Sommerdeich bestand möglicherweise in damaliger Zeit dort in anderer Form schon als Uferbefestigung. Weitere große Veränderungen müssen zwischen 1425 und 1590 stattgefunden haben, als ein ganzes Dorf das östlich von Eversael lag durch die Hochwasserfluten ver­schlungen und der Siedlungsplatz durch Stromlaufveränderung dauernd überschwemmt wurde. An das Dorf Ruberg erinnern heute nur noch ein gleichlautender Familienname und ein Weg, der von Eversael gradewegs in den Rhein führt. Folgt man diesem Weg auf die andere Flußseite, so stößt man auf den Ort Stapp. Die letzte Urkunde, die den Ort als existent erwähnt, stammt vom 13.6.1425 (Kamp). Ein ähnliches Schick­sal hatten die Dörfer Lindekum bei Baerl (möglicherweise zu gleich­zeitig mit Ruberg) und Halen bei Homberg.  Hochwasserberichte liegen aus allen Zeiten vor, angefangen beim Chronisten Einhardt (815 n.Chr.), über die Jahre 1709,1729,1740,1769/70, und 1784 -vor allem aber über die Jahre 1799 und 1855 die immense Katastrophen brachten. Konnten die Menschen sich und ihr Vieh meistens retten, -oftmals in letzter Minute in den Schutz der Dorfkirche, die etwas erhöht liegt-, so wurden häufig die Häuser und das Vermögen der Bauern vernich­tet. brachen alle Deiche und wurden die Felder zugesandet, so war über viele Jahre dort kein Anbau mehr möglich.

Floß der Rhein auch vorher schon nur noch mit einem Nebenarm an der Zollstation und Festungsstadt Rheinberg vorbei, so bildete sich beim Hochwasser 1668 eine neuer Hauptarm heraus, der völlig über klevi­sches Territorium führte. Als die Preußen Rheinberg von 1703 - 1715 besetzt hielten, verschütteten sie den noch existierenden Nebenarm so vollständig und so gründlich, daß Amt und Stadt Rheinberg fast völlig vom Fluß abgeschnitten waren und die Zollstelle damit hinfäl­lig wurde. Die aufblühende Stadt versank in völlige Bedeutungslosig­keit und kleinstädtische Erstarrung, was ihr aber dadurch viele Ele­mente ihres historischen Stadtbildes

bewahrte. Die Neigung des Flusses sein Bett zu verändern, sich von Rheinberg abzuwenden, wurde schon recht früh bemerkt; schon vor    dem Jahr 1400 stellte man fest, daß der Rhein, der direkt um Budberg herumfloß, Land anspülte und daß dadurch Verschiebungen in der Grenzziehung eintraten. Budberger und Rheinberger setzten deshalb dort einen Grenzstein, wo die alten Grenzen an den Rhein stießen : den "Essemer Stein", der bald zum ständigen Ausgangs oder Zielpunkt für Grenzbesichtigungsgänge wurde. Diese fanden al-
le paar Jahre statt und hatten den Sinn, daß die "Alten" den "Jungen" die Grenzziehung erklärten und einprägten, denn es gab keine sichere Möglichkeit die Grenzen dauerhaft festzuschreiben. Diese Grenzbesichtigung
en wurden auch "Grenzbeleidungen" genannt.

 

 

DER 30-JÄHRIGE KRIEG IN BUDBERG

 

Schon seit 1606 war Rheinberg wieder von den Spaniern besetzt, die sich im Dreißigjährigen Krieg auf Grund der Bemühungen ihres Brüsse­ler Statthalters Albrecht (spanische Niederlande) auf die Seite des Kaisers schlugen. Durch eine starke Garnison blieb Rheinberg anfäng­lich von den Kriegereignissen verschont, doch hatten umliegende Dör­fer, wie auch Budberg, sehr stark zu leiden. Kaum waren die Mansfel­dischen Truppen und die kaiserlichen Soldaten des Grafen von Anholt durch die Gegend gezogen, so trafen am 4.August 1624, die Ernte war noch nicht eingebracht, wiederum kaiserliche Soldaten ein. Der Graf vom Berge hielt sich dort bis zum 23.August auf, hauptsächlich in Budberg und Eversael; seine Soldaten hausten schrecklich gegenüber jedermann. Sie brachen Kirchen und adelige Häuser auf, plünderten, stahlen das Vieh direkt von der Weide und tyrannisierten die Landbe­völkerung. Verbarrikadierten sich die Rheinberger in der Stadt und mußten von den Mauern zusehen wie ihre Felder abgeerntet wurden, so blieb der Landbevölkerung nur die Flucht. 

Nach einer späteren Aussage der Frau zur Wolfskuhlen, der Catharina Spieß, mußten sie die Flucht ergreifen[126]. An anderer Stelle sagten die Zeugen Gerhardt Boulmans und Wilhelm Kaymanß aus, daß das ganze Dorf restlos abgebrannt sei[127]. Der Rheinberger Schultheiß Eschen berichtete dem Kurfürsten "sie hätten nit gehaußet als Christen son­dern als turcken wären gewesen"; besonders traurig, wenn man über­legt, daß es sich um Soldaten der eigenen Partei  handelte.

 

Arnt Impelmann hatte sich langsam in die Dorfgemeinschaft eingelebt und war im Ansehen bei seinen Mitbürgern gestiegen. Seine Wohnung lag anscheinend recht zentral, denn schon vom Jahre 1643 an tagte das Gericht regelmäßig in "Impelmanns Behausung". -Diese zentrale Lage nutzte auch Friedrich Heinrich, der Prinz von Oranien, Anführer der Niederländischen Generalstaaten, der 1642 im Impelmannschen Haus abgestiegen sein soll, als er mit seinen Truppen im Budberger Gebiet weilte[128]. Auch wenn Budberg nach der niederländischen Eroberung Rheinbergs (1633) von kriegerischen Ereignissen verschont geblieben zu sein scheint, so zogen doch immer wieder Kriegsvölker vorüber: Tilly, Pappenheim, der Landgraf von Hessen-Kassel, die Kroaten und viele andere.

Das bereits erwähnte Jahr 1642 brachte eine große Schlacht nicht allzuweit von Budberg entfernt: Französisch-Weimarische Truppen un­ter dem Befehl des Marschalls Guebriant verbanden sich mit hessi­schen Kriegsvölkern und schlugen auf der Hülser Heide bei St.Tönis (Krefeld) die Armee des kaiserlichen Generals Lamboy vernichtend und nahmen diesen gefangen. Anschließend plünderten Hessen und Franzosen das Land gnadenlos aus. Vieh, jegliche Nahrungsmittel, Baustoffe wie Glas oder auch Maueranker, metallenes jeglicher Art, alles, alles wurde mitgenommen, -auch wenn dabei Häuser und Hütten eingerissen wurden (Budberg, zur Hälfte Eigentum des reformierten Prinzen von Oranien als Grafen von Moers, wird wahrscheinlich verschont worden sein). Keinerlei Hemmungen hatte man im Umgang mit dem Leben der an­sässigen Bauern: In Homberg steckten die Soldaten die Klosterkapelle an, trotz oder gerade wegen der darin verborgenen Menschen. Eine Mutter warf ihren Säugling aus dem Fenster, der dadurch als Einziger überlebte während alle anderen verbrannten. In Rheinberg stellten sich die holländischen Besatzer nur sehr halbherzig vor die einhei­mische Bevölkerung um sie gegen die eigenen Parteigänger zu schützen und so wurden besonders die Einrichtungen der katholischen Kirche, vor allem das Nonnenkloster St.Barbara Garten das zum Auffangbecken der flüchtenden Landbevölkerung geworden war, heftig bedrängt. Eine der damals lebenden Nonnen schrieb darüber in ihr Gebetbuch[129]:

 "Anno 1642 op sante antonius dach, do ist der lambo (Lamboy) ver­schlagen bei seyntonis (St.Tönis), do seynt die hessen en die fran­cossen in dat cols (kölnische) landt komen;o lieven herr, wie hat et do zu gegangen, sy hebben gedottet, gehauen, gestechen, geschandile­sert, dat ich dat net geschreiben en kan also gering; do der lambo was verschlagen, do is gans cols landt gan lauffen in solcher ha­sten; was die menschen haden gelt, gut, kue, pert, alle kleider, nachke (nackt) und barfuß seynt sey gan lauffen; der heute rich (reich) was, morgen was er eyn betdeler, wer kreigen wart, der wart vermortet, gestechen, geschlagen, geschant, dat der vader en moder van ihren kindern en kinder van ihren elteren net en wusten, der eyn ran heher, der ander daher, do is viel volchs heher komen, dat unse closter so vol is gewessen, dat wer net en wusten, war wy ons laeten solden. Do seynt wir van unse spincameren (Spinnkammer) af gegangen en hebben die den volch in gegeben en heben den calden winter op den reuender gesponen en heben so menigen schrechen geleden, dat wir duck minden, wir mosten sterven en wir seyndt omzeyngelt (umzingelt) gewest wie ein bestenstop (besten= Vieh) in water, dat nemandt heher nach daer wart condt komen. onse closter ist duck so vol reuter (Reiter) gewest, des paters huß was vol: dat gasthuß (Armenhaus/Siechenhaus) was vol: dat knechtenhauß was vol duck mal 1 man, duck mal 11, man duckmael 25, den mosten unse susteren (Schwestern) kochen, dat durden den eynen dach nae den anderen, sey comen myt fackelen des nachtes doer dat closter, dat wir sorgden, sey solden dat aenstecken. sy drunken sych soe vol, dat wir net wal selfen dorsten wachen. Die haußleut musten wachen in soner banicheit (Bangigkeit), dat sey des nachtes op den dormter (Dormitorium = klö­sterliches Schlafgemach) quamen (kamen) en wolten hebben, die suste­ren solten dar comen oder sey wolten gaen lauffen. wir haben so menygen (manchen) schrecken gehadt en so menngen doet gestorben, als die klocken gingen arm uber arm. dan lieffen wier alte samen op den coer, daer wolten wir samen bey ein sterven, dan was daer so gekreit (Geschrei) en soe gekarm (Gejammer) fan den leutten en van ons, dat wy ons all in den dot gaven en reypen  all te mal: o heer, gewaer vadder meyn, in dyn handen bevele ich meinen geist.

 op pingst abent worden wy bestrumpt en heben so eyn geschoeten, dat wy meynden, wy mosten all sterven en den salvengart worden iii teyn (13) ontwe geschoeten, so hat er sich myt den haußleuten geweret. do sey saegen, dat sey nit eyn en conten kommen, staken sey vur den closter eyn hauß an en meynden, die leut solten komen leßen (löschen) dat hauß, dat sey dat closter kreygen, dat deiden
die leut net, do mossen sey en wech. Onde sey hebben ons 4 pert aff genomen, die so schon waren, als men mit ogen an sien mocht en do scheinen sey, sey wolten ons die pert weder geben en dat was niet mer dan eyn bedrog (Betrug) en doer voel bittens wil soe gaven sey ons 2 pert weder niet van den onsen en die aff nomen sey ons weder: en dan hoffen wir solten noch wonen bleiben en golden dan weder eyn pert en das worden wir dan weder quit en dan lenden un borgden wir all gelt en golden dean weder eyn pert also lang, das wir 7 pert op eyn iar quit worden.

op h.cruce dag im herstmant op eynen sonnendach (Sonntag, 14.9.1642), do die miß aut was, do worden wie geplondert; do ist sone volck hier gewest, dat men niet wal daer doer gehen kont: do sey in dat closter quamen, do haben sey nit anders gekreißen en ge­hullet (gekreischt und geheult) als lewen (Löwen) en rasende honde, dat wir niet anders en wusten als te sterven, eynen haußman bleib dot, 2 susteren worden op dat hemp aut getoegen, der pater wart auß getoegen en in den ruck gestecken (gestochen), eyn suster wart in die hant gestecken, viel worden geschlagen, dat sie meynden, sey mo­sten dot bleiben, wir seynt noch got sey lob en dank ongeschant dar von komen. dat plonderen durende van den morgen te vii uren biß iiii uren, wir worden so reyn auß geplondert, dat wir niet eyn bißgen broetß en beheilden, sey haben ons alles aff genomen, wal 25 kuepe­sten (Kuhbiester=Rindvieh) an kue on an reinder (an Kühen und Rin­dern), wal ann 40 verken klein en grot, alles, alles haben sey ge­nommen, wir haben niet ein hon (Huhn) behalden, dan eyn (nur ein) verken en eyn klein verkens, dat was op dem dormder en was in den hals gestecken, wir haben niet behalden boeter noch kuiß (Käse) noch fleiß noch eyer noch geinerley (keinerlei) speiß, bet noch laken, der eyn hat ein bet behalden, der ander net, onse motter lach in sickhauß (Siechenhaus) en hadt eyn bein gebrocken en noch eyn su­ster, die was auch krank; ons motter bat en schreyende, dat sey irer wolten erbarmen, der eyn nam ir dat bet van den leyf (Leib), der an­der lacht (legte) et weder op, den lesten schotten sey yr van den bet op dat stro (zuletzt schütteten sie sie vom Bett auf das Stroh); do dat plondern ower was, do seynt wir alte gaerre (?) gan lauffen, der gan kont, des anderen dachs seynt sye weder komen en heben dat geholt, dat des sonnendachs bleiff leigen, do waren noch eynigen su­steren die kranken en alten, die niet gan en konten en eynigen ge­sonden; die batten den soldaten om gottes wil ein stuckens brotz (Brots), do seynt die susteren so gar verstreuet, der eyn heer, der ander daher, der eyn bleib eyn halff iar aut, der ander eyn iar, der drey 2 iar, der eyn quam nu, der ander dan."

 

Fast zur selben Zeit stellte in Kevelaer ein Kaufmann ein kleines Heiligenbild auf, daß bald den Ruf der Wunderwirkung genoß und viele Gläubige des Niederrheins anzog, was schon 1644 auf dem Konvent die Krefelder Ältesten zu bitteren Klagen veranlaßte. Trieben die Kriegsnöte -ungeachtet aller Gefahren- große Pilgerscharen auf die Straße, so lebten andere, anscheinend der überwiegende Teil, recht ausschweifend und enthemmt, als sei jeder Tag der letzte. An Hand der Klagen der evangelischen Geistlichkeit läßt sich ein buntes, fast schon bizarres Treiben in diesen Jahren feststellen. -Es fanden sich bei Taufen bis zu 30 Paten, die von den Eltern aufgeboten wur­den, um für das Kind eine möglichst hohe Zahl von Versorgungsquellen zu erschließen; die Beerdigungen waren nur selten von stiller Trauer bestimmt,-sie arteten in der Regel zu Gelagen aus, wobei die Gastge­ber miteinander um die Bewirtung  wetteiferten, soweit das in diesen harten Zeiten möglich war. Die Entheiligung des Sonntags sowie die Unzucht brachten die Geistlichkeit regelmäßig in Harnisch. Starb ein Ehepartner, so hielt der überlebende Teil die Trauerzeit nicht ein und fand auch häufig einen Pastor, der seinen Segen zu einer raschen Heirat gab. Beim Sonntagsgottesdienst wurde es Sitte, kleinere Pau­sen einzulegen und im Gasthaus gegenüber einen Schnaps zu trinken. Die Pastöre ließen deshalb durch den Gerichtsboten oder die Gemein­deältesten die Kneipen kontrollieren. Mit Entrüstung wurde zur Kenntnis genommen daß die Weiber an den Tagen, an denen das Abend­mahl ausgegeben wird, sich wenige Stunden später mit "warmen Bier einfüllen", daß gespielt und getanzt wurde, insbesondere sogar von Knechten und Mägden. Konnten die Pastoren in ihren Gemeinden die Gasthäuser während des Gottesdienstes schließen, so blieben die Leute der Kirche ganz fern; viele trafen sich beispielsweise in Binsheim, wo zwei Wirte auch des Sonntags zapften. Volksfeste gehör­ten zu den Hauptfeinden der Geistlichkeit. Das gottlose Treiben zu Fastnacht, Kirmes oder Schützenfest wurde mit Ausdauer aber ohne Er­folg bekämpft. Die Gotteshäuser waren wegen der Kriegsschäden oft in schlechtem Zustand, und es war nicht selten, daß dort unter der Wo­che Vieh eindrang und es sich gemütlich machte. Auf heftigste Gegen­wehr stieß aber die Landbevölkerung, als sie es sich zur Mode machte den Haus- und Hofhund mit in den Gottesdienst zu nehmen. Der Pastor von Baerl beklagte sich über eine mitgebrachte Elster, welche "unter der Predigt in die Kirche fleuget und den Gottesdienst verhindert". Die Hunde im Gottesdienst werden auch in späteren Zeiten nochmal ge­meldet, so in der Gemeinde Wallach, wo jedes Bellen mit 2 Stübern für die Armenkasse belegt wurde.

 

 

ARNT IMPELMANN

UND DAS BUDBERGER SCHÖFFENGERICHT

 

Am 7.5.1640 beginnt in Budberg ein Gerichtprotokollbuch, angelegt von der Hand des moersischen Gerichtsschreibers Grundtscheidt. Da bis zu diesem Datum viele Budberger Angelegenheiten in den Gerichts­büchern von Moers zu finden sind und ebenso eine Bemerkung im Budberger Gerichtsbuch unter dem 30.6.1646 darauf hinweist, scheint es in Budberg auf Grund der Kriegsverhältnisse zeitweise keine Ge­richtsverhandlungen gegeben zu haben. Möglicherweise ist der Beginn des Protokollbuches auch der Neubeginn des Budberger Gerichtslebens.

Von Beginn an hatte das Gericht alle Hände voll zu tun: Schläge­reien, Beleidigungen und Beschimpfungen, Diskussionen die innerhalb einer Familie mit dem Messer geführt wurden, und vieles andere war zu verhandeln. Einen breiten Raum nahmen Geldgeschäfte und Verpach­tungen ein. Arnt Impelmann pachtete einen Morgen Land, die Katlack genannt, auf sechs Jahre und muß dafür 50 Dlr zahlen (7.5.1640). Bei weiteren Verpachtungen findet sich auch Frantz Boulmanns, der Ge­meindeland umsonst erhielt, weil der Gemeindehir-te bei ihm schlief.                                           

In diesen Jahren -eigentlich schon seit den 1620ger Jahren- beschäf­tigen Streitigkeiten über die Nutzungsrechte an Schafsweiden die Ge­meinde, wie auch noch in vielen folgenden Jahren. Neben den Nut­zungsrechten waren auch Wegerechte strittig, die von den verschie­denen Herden unterschiedlich genutzt werden durften. Gegen die ge­meinsame Herde der Dorfgemeinschaft stehen die Einzelherden der grö­ßeren Höfe: wie der Hof zur Hard, der Laermannsbauer, von Ilt, oder Junker Ingenhove auf Haus Cassel.       

Das Jahr 1641 brachte für Budberg einen richtigen Kriminalfall. 

Thomas Tymmermanns aus Rheinberg verreiste am 8.März nach Köln und darum wurde ihm von seinen Schwestern, seinen Schwägern und Freun- den das Geleit bis nach Budberg gegeben. Dort nahm man einen "Abschiedsdrunck", der anscheinend recht üppig ausgefallen war. Auf dem Rückweg nach Rheinberg gerieten die beiden Schwäger in hef- ti­gen Streit. Pierre Kerckhoff, "Ehevogt" von Columba Pliesters gnt. Timmermann, wurde von Hendrich Timmermann, "Ehewirt" von Elßgen Tim­mermanns, als "Schelm" beschimpft und zog darum sein Messer. Der Gegner hatte auch ein Messer dabei und es kam zu einer Rangelei, die keiner der Zeugen genau beobachtet hatte. Kerckhoff erhielt eine tiefe Stichwunde, an der er in kürzester Zeit verblutete. Nach aus­führlichen Verhören wurde festgestellt, daß sich Kerckhoff bei die­ser Auseinandersetzung die tötliche Verletzung selbst zugefügt haben mußte. -Ähnliche blutige Streitereien, die oft ihren Ursprung in al­koholischen Exzessen hatten, begegnen uns noch öfter und sind beson­deres Sorgenkind der Pastöre, wie besonders die Protokolle der evan­gelischen Synode Moers zeigen. 

 

Neben den Moerser und Rheinberger Beamten, die dem Budberger Gericht vorsaßen, fand sich unter den Schöffen auch ein Einheimischer: Wilhelm Dahmen, genannt Ilt. Als dieser abtrat, wurden am 23.8.1646 zwei neue Schöffen bestimmt, Cornelius Hillen und Arnt Impelmann; Gerichtsbote wurde Court Francken. Wahrscheinlich mußte Arnt diesen Schöffen-Eid schwören: "Ich Arnt gelobe und schwere einen eydt zu gott und auf sein h.evangelium, das gericht meines gnedigen herren grafen zu Neuwenar und Moers zu rechter zeit und platz zu bekleiden, gerichtliche processen treulich zu dirigiren, neben und mit dem schultheiss und anderen scheffen ein urtheil und bescheid nach mei­nen besten verstand sprechen zu helfen, dass auch männiglich zu sei­ner sachen erörterung förderlichst geholfen werde, solches alles nit zu unterlassen, entweder um lieb und leyd, freund, magschaft, gunst, gab, nutz oder furcht, noch einige andere dinge, wes das auch seyn mögte, die parteyen nicht zu übernehmen in den urtheil fassen oder einigen anderen stücken keiner parthey anhang zu machen, zu rathen noch zu warnen des gerichts ratschläge, niemand der partheyen zu of­fenbahren keine verschreibung, vollmachten oder einige andere briefliche documenta ohne vorgegangene verlesung, bevor der einhalt sich wahr befunden, wan der schultheiss erst gesiegelt, der gebühr zu verzieglen und fort alles mit rath und rechten wissen des schul­theissen und meinen mitscheffen zu thun und  lassen, was einen from­men und aufrichtigen scheffen seines ampts und rechts wegen gebüh­ret, alles getreulich und ohne einig gefehrt."[130]

 

Kaum zum Schöffen ernannt, stand Arnt Impelmann stellvertretend für sein Pferd vor den Gerichtsschranken und mußte sich für den Tod sei­nes Knechtes Niklas verantworten. -Tieren, die sich gegen Menschen versündigt oder die mit Menschen gesündigt (Unzuchtsfälle) hatten, wurde selbstverständlich der Prozeß gemacht. Gehenkte Ziegen gehör­ten ebenso zur Gerichtspraxis wie der berühmte "Hahn von Basel", der 1474 ein Ei gelegt haben soll und darum vom Scharfrichter geköpft wurde. Ei und Vogel verbrannte man, "dan man forcht, esz wurd ein wurm (Drache) daruz".- Der Prozeß lief für Impelmanns Pferd noch recht glimpflich ab: es wurde des Landes verwiesen.

"Domini fisci zeigt an, daß impelmans Pferd deßen kecht Claeßen an daß haubt geschlagen, darauf der todt erfolget dahero gemelter (genannter) Impelman denen H (Herren) abtracht zu machen schuldigs. Beklagter sagtt daß es casus infortunitus gewesen in denen Meeren und Hinxten (Mähren und Hengste) in der Zahl von achten zusammen ge­wesen und man nit sagen kann, welches von allen pferden den knecht geschlagen, und patt Ihmen deshalb zu absoluiren und nit zu ente­stieren.Darauf wird die sach biß uf den negsten Gerichtstag gestalt, ab alstan beßre Information einzunehmen suspendirt." --- 13.12.1646 Redemptio Arnten Impelmans pferd, sodessen knecht todt geschlagen haben solte.16.10.1646 : "-Als beide chur- und fürstliche HH (Herren) Beambten gegen Arnten Impelman praeleudirt daß dessen pfert seinen knecht Niclaesen also verletzet, daß er daran gestorben, da­hero daß pferdt zu töten seie, hingegen gemelter Impelman excipyrt nicht allein daß dieß unglück unter vielen pferden in der weide sich zugetragen und zu zweiffelen ob sein pferdt daran schuldigs, sondern auch daß der knecht lange an der verletzung kranck gelegen, kostbahr verpflegt undt unterhalt vonnöhten gehabt, derwegen er als auch von­wegen bezahlungs des Chirurgi in großen schaden gerahten, undt daß pferdt zuverkauffen sich erbotten , gestalt die unkosten darauß zu bezahlen mit bitt Ihme selbigs pferdt zu dem ende redimiren zu la­ßen.- Demnach haben die HH Beambten Ihme vergunt daß pferdt mit ze­hen Rix Dlr (Reichstaler) zu redimiren, die unkosten zu bezahlen undt das pferdt außerhalb der herlichkeit Budbergs, Graffschaft Mo­erß undt Ambt Berck zuverkauffen. Niederbudtberg den 13 dec:1646."[131]

 

Zu gleicher Zeit bemühte sich die Dorfgemeinde Ordnung in ihre Kir­chenbücher und Kirchengelder zu bringen. Diese Kirchmeisteraufgaben lagen bisher in den Händen von Johan von Ilt, der daß Amt von seinem Vater übernommen hatte, und der Juffer von Wolfskuhlen[132], der Frau Catharina Spieß, verwittweten Hambroich. Diese war schon ziemlich alt und hatte auf Haus Wolfskuhlen die schriftlichen Unterlagen der Kirchengemeinde in Verwahrung. Neben dem heute noch vorhandenen "neuen" Buch, das der Pastor Valck 1582 geschrieben hatte, gab es wohl noch das "alte" Lagerbuch sowie das "kleine Buch". Um neuen Schwung in den Kirchenaufbau zu bringen  wurden Johann von Ilt und Arnt Impelman im Jahre 1646 zu neuen Kirchmeistern bestimmt, die die alte Dame per Gerichtsbeschluß zwingen mußten die Kirchenunterlagen herauszugeben (13.12.1646). Die Juffer zu Wolfskuhlen, die sich um den Wiederaufbau der Kirche sehr verdient gemacht hatte, starb zu Beginn des Jahres 1647 und die nachfolgenden Prozesse ihrer Gläubi­ger mit ihren Erben nahmen auf lange Zeit die Kräfte des Budberger Schöffengerichtes voll in Anspruch. -Die Beauftragung von Johan von Ilt und Arnt Impelman mit den Kirchenangelegenheiten hatte wohl nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Deshalb, und vor allem in Erin­nerung des Ärgers mit der Frau zu Wolfkuhlen, beschloß das Gericht am 9.5.1647 eine Kiste bauen zu lassen, in die die Kirchenpapiere und auch andere, die politische Gemeinde betreffende Unterlagen ge­legt werden und zu der drei unterschiedliche Schlüssel notwendig sein sollten. Schlüsselverwalter sollten die Schultheiße von Moers und Rheinberg sowie die Kirchmeister von Budberg werden. Unter glei­chem Datum begann ein Prozeß der Rheinberger Pfarrgemeinde gegen die Budberger Pfarrgemeinde, der bis zum Dezember 1648 dauerte. Die Bud­berger Kirche schuldete seit alter Zeit der Rheinberger Kirche eine jährliche Abgabe von 3 ½ Pfd. Wachs. Seit 1583 ist die Zahlung die­ser Abgabe unterlassen worden, und das Gericht sollte nun die Rhein­berger in ihre alten Rechte wieder einsetzen; Budberg führte in der Folgezeit diese Abgabe wieder pünktlich aus, was sich selbst noch in den Kirchenrechnungen zu Ende des 18.Jhd. erkennen läßt.

 

 

DER HOF "THEN HUMMEL NIST" ODER HUMMELTEN

 

Fast zu gleicher Zeit wie sein Pferd, stand auch Arnt Impelman selbst im Mittelpunkt des Budberger Rechtsgeschehens. Hatte er  sich 1640 durch einen sechsjährigen Pachtvertrag notwendiges Acker–land beschafft, bemühte er sich 1646 um die Leibgewinnsgerechtigkeit an einem Hof. Laut den Eintragungen des Moerser Gerichtschreibers Grundtscheidt hatte Arnt Impelman bei "brennendem Kerzenverkauf" 500 Taler geboten aber den Hof damit aber nicht ersteigern können. Er suchte darum einen Teilhaber und fand ihn, nachdem Thomas ter Stege abgelehnt hatte, in Gerrit zu Hausen. Sie vereinbarten, je die Hälfte des Gewinngeldes und der Gebühren zu tragen, doch scheint sich Arnt verspekuliert zu haben, und nur wenig später tat er so, als wüßte er von nichts. Der Juncker von Barll, der das Geld zu be­kommen hatte, ließ Gerrit zu Hausen über das Gericht belangen und dieser dann wiederum Arnt Impelman. Zeugen berichteten, Arnt habe sich als "alpischer Lehnsmann" bezeichnet. Vor Gericht führt Arnt zu seiner Entschuldigung an, daß der "abgestorbene Jungs oder Junst (ein Verwandter, Sohn, Vater oder ??) keine mittelen hinderlaßen" und er bietet eine Summe von 7 rix Dlr (Reichstaler) an [133]. Es stellt sich nun die Frage, welchen Hof Arnt ersteigern wollte bzw. ersteigert hatte, denn der Name ist nicht genannt. Da aber laut Ge­richtsprotokoll der Hof dem Lehnskommissar von Alpen zuständig war, also alpisches Lehngut, und der Lehnsherr der Juncker von Barll zu Baerl, kann es sich nur um den Hummeltenhof gehandelt haben; dieser war der einzige alpische Hof neben dem Adelssitz "Haus Cassel", den es in Budberg gab. Es ließ sich feststellen das in dieser Zeit die Grafen von Bentheim, die die Herren von Alpen waren, ihrem Vasall Jörgen von Barll den Hof zu Lehen gegeben hatten. Auch trifft es zu, daß dieser Hof, nahe der Kirche, sehr zentral liegt und darum als Gerichttsstätte gut denkbar ist, was für die häufige Erwähnung des Gerichtsortes "in Impelmans Behausung" spricht. Wenn auch noch ver­schiedene Unterlagen zu diesem Hof vorhanden sind, so berichten sie nur über die Eigentümer und Leheninhaber während Informationen über die Bauern und Hausbewohner, die den Hof tatsächlich bewirtschafte­ten, nur zufällig -wenn überhaupt- zu finden sind.

Der erste Namensträger "Hummelnist" den ich finden konnte war Rutger von den Hommelnist[134], Schöffe in Rheinberg, der am 6.6.1381 sein Siegel unter eine Urkunde setzte. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts lebte in Rheinberg ein Priester Rutger ingen Hommelnist, Präsenzmei­ster der Kirche zu Rheinberg, wahrscheinlich ein Sohn des ersteren (mehrfach erwähnt 1436-1445). Den Hof selbst finden wir erstmals 1423 und 1425 erwähnt[135]. Ein Landadeliger und Kölner Ministeriale, Bertolt von Dript (Drüpt,Tript), wurde von Gumprecht Grafen von Neu­enahr, Erbvogten zu Köln und Herren von Alpen, mit diesem Hof be­lehnt; seine Frau zwei Jahre später. Eine Generation später, am 29.Januar 1469, verpachteten "Bartoltz Sohn", Johann von Dript und dessen Frau Elisabeth drei Kamper Mönchen den Hof zu Asdonck, der in den Hof zu Hummelnist gehörte, als Leibgewinn. Vom Grafen von Neu­enahr gelangte der Hof an die Grafen von Moers. Als mit Walburga von Moers das Haus ausstarb, ging das Haupterbteil an den Prinzen von Oranien, kleinere Herrschaften an entfernte Verwandte. So kam  die Herrschaft Alpen an die Grafen von Bentheim, eigentlich die Familie "von Götterswick" (ein Dorf rechtsrheinisch    gegenüber von Rhein­berg) die sich die Grafschaft Bentheim erheirateten[136]. Zu Beginn des 17.Jahrhunderts, am 11.4.1609 wurde Jörgen Barll mit dem Gut zu Hommelnist belehnt; dieser hatte natürlich den Hof nicht selber be­wirtschaftet sondern einem Bauern weiterverpachtet. Schon im Jahr 1621 war der Junker von Barll in Geldschwierigkeiten und erhielt von den Bentheimer Grafen die Erlaubnis den Hof mit 600 Talern zu belei­hen. Der Sohn Cornelis von Barll läßt am 13.4.1643 sich im Namen seiner beiden Kinder mit dem Gut belehnen, das zu diesem Zeitpunkt eine ungefähre Größe von 65 Morgen hatte. Die nächste Erwähnung ist die Eintragung im Gerichtsbuch von Budberg. Der Junker von Barll suchte einen neuen Bauern für den Hof (möglicherweise hatte Arnt schon vorher auf Hummelnist gewohnt und war in Zahlungsschwierigkei­ten geraten) und bot den Hof über eine Versteigerung (den Kerzenver­kauf) an. Den Zuschlag erhielt Gerrit zu Hausen, der als "Partner" von Arnt Impelman in die Hofversteigerung eintritt, und der als er­ster dann den Kopf hinhalten mußte, als sich herausstellte, daß Arnt kein Geld hatte. Arnt ist anscheinend Bauer  -kein Lehnsmann- auf Hummelnist geworden oder geblieben und hatte wohl wie das Gerichts­buch erwähnt nur eine "Halbscheidt" des Hofes erhalten. Er trug nie­mals den Namen Hummelten (wie für einen Leibgewinnspächter üblich). Im Juni des Jahres 1647 wird die Größe des Hofes durch den "vereydeten landtsmesser zu Meurs",den Mathaeus von der Rennen, auf über 75 Morgen festgestellt. Ein Peter zu Hausen, möglicherweise ein Verwandter des Gerrit zu Hausen, wird am 27.6.1648 auf Empfehlung des Cornelis von Barll belehnt. Die Familie "von oder zu Hausen" muß finanziell recht gut gestellt gewesen sein, denn sie hatten noch weitere Höfe zu Lehen; in Eversael den halben Hof Diependelle oder Soest's Gut genannt, ebenfalls aus dem Besitz der Grafen von Bent­heim, dann den Hof zu Hausen (Husenhof bei Eversael) ein Sattelhof aus dem Eigentum der Kapitularcanonissen von Maria im Kapitol zu Köln [137]. Nachdem Peter zu Hausen gestorben war, wurde am 5.5.1682 dessen Sohn Diederich von Hausen als Vasall vereidigt, ebenso beim Tod des Landesherren und dem damit verbundenen Wechsel des Lehns­herrn am 2.9.1706. Später wurde ein Franz Böegel Lehennehmer bis zum 3.6.1766, dem Stefan von Buchem folgte. Dieser sah sich auf Grund seiner Schulden genötigt, die Nutzungsrechte an diesem Hof mit Ein­willigung der Bentheimer zu verkaufen (Juni 1771). Der neue Lehen­nehmer Gördt Giesen, der den Hof am 5.9.1771 übernimmt, will dort selber einziehen und den Hof bewirtschaften, was völlig ungewöhnlich ist. Darum muß Gerret Hummelten, ein Nachfahre des Arnt Impelmann, zu Beginn des Jahres 1772, unter Anwendung geschärfter gerichtlicher Mittel, den Platz räumen.

 

 

DAS TRAURIGE SCHICKSAL DER MECHTHILD DIENIS

 

Ein besonders trauriger Prozeß, an dem Arnt Impelman als Schöffe teilnahm, war das Gerichtverfahren gegen Metzgen Dienis aus Anger­mundt, ehemalige Magd bei Felthorn. Sie war die Tochter des Johan Dienis zu Angermundt, Soldat unter dem Fürsten von Neuenburg, dem Erben der Grafschaft Berg, und zu Düsseldorf stationiert; ihre leib­liche Mutter war lange tot und sie hatte seit vielen Jahren eine Stiefmutter Greth. Als sie einmal nach "Buechen" (?) geschickt wurde, ein "Iseren" abzuholen habe dort der Schmied, "Hendrich, Sohn des Schmiedes von Homberg, die Schmiede zugethan und seien Willen mit ihr gethan, davon sie schwanger geworden". Als im Jahre 1649 am 24. April das Kind zur Welt kam, ließ die Mutter das Mädchen am 27., einem Dienstag, auf den Namen Henrica taufen. In einem Kirchen­buchauszug heißt es: "Henrica, Henrici Schmits von Hohenbodtberg, mater Mettjen ancilla in boedtberg bey felthorn, Paten: Nicolaus Schleß, Sibilla Damen." Steht sie im Kirchenbuch noch mit der Be­zeichnung Magd, so finden wir sie in den nur wenige Tage jüngeren Gerichtsakten schon als "gewesenen Magd" -sie war als Magd bei Felthorn gefeuert worden, was den damaligen Gepflogenheiten durchaus entspracht. Am 26.Mai trugt der Gerichtschreiber in das Protokoll­buch ein, daß ein "Rumor enstanden, daß ein Kindt bey Vierbaumer Heiden erfunden umbracht sei". Der Verdacht, es handele sich um das Kind der Magd, bestätigte sich direkt. Sie gab an, sie habe vor drei Wochen das Kind (es war 10 Tage alt) dem Vater Hendrich, der "bei des Junckeren Buer zu Buechem Tochter" lebe, "zubringen" wollen. Als sie über die Vierbaumer Heide ging, "hette uf dem wegs quade gedanc­ken bekommen, uf dem wegs wieder umgekehrt und daß kindt bey der Vierboemerheidt liggen laßen". Sie hatte das Kind mit "Wasserfledt" bedeckt und sich dann nicht mehr darum gekümmert und auch als sie einige Tage später an der Stelle vorbeigekommen war, hatte sie nicht nach dem Kind gesehen. Durch ein "budtmedgen" (Botenmädchen?) hatte sie sich ein Schreiben ausfertigen lassen, in dem bestätigt wurde, sie hätte das Kind dem Vater gebracht. Das Gericht ließ nun die Kin­desleiche vom Chirurgen M. Eberhardt Thele besichtigen, der aller­dings erklärt, wegen der starken Verwesung nichts erkennen zu kön­nen. Die Mutter, die daraufhin in Leibarrest (in Budberg!) genommen worden war, "hatt Ihr kindt zu sehen bey der Obrigkeitt anhalten lassen, so ihr zugestimmet worden, und wie daß Kistgen eroftenet hatt Sie daßelbe angetastet und Ihr Kindt zu sein bekandt, ohne daß daß sie daßelbe beweinet oder davon einige commotion gemacht. Darauf anbevohlen daß Kindt zur Erden zubestatten." Nach dem ersten Verhör erfolgte dann am 1.Juni 1649 die Verhandlung unter den Schultheißen Eschen und Essen, den Moerser Schöffen Goor und Becker, den Rhein­berger Schöffen Jost Then und Wilhelm Sewen und den Niederbudtberger Schöffen Dahmen (=Ilt ?), Impelman und Cornelis Hillen. Die Anklage vertrat der Anwalt Welsings und die Verteidigung der Anwalt Joachim von Löwenberg. Der Anklagevertreter forderte ein Exempel zu statuie­ren und entsprechend der "peinlichen Halßgerichtsordnung Caroli quinti" zu verfahren. Diese sieht für Kindesmord "Lebendiges Eingra­ben und Pfählen", in gemilderter Form "Ertränken" vor; die Kindes­aussetzung mit Todesfolge wird aber auch in § 132 der Halsgerichts­ordnung angeführt und dem Gericht ein Ermessensspielraum dabei zuge­wiesen. -Im Namen der armen Frau schilderte der Anwalt Löwenberg das sie Ihr Kind nicht mordtätiger Weise habe umbringen, sondern dem Va­ter bringen wollen. Warum sie das Kind hinter einer Hecke niederge­legt habe wisse sie auch nicht, aber erkenne, daß sie daran "mißtahn" habe; sie bittet "umb den willen Gottes dessen fergibnuß und barmhertzliche gnade festiglich und getrewlich Ihr leben zu beß­ren und hinfüro sulches nit mehr von ihr erhört zu werden". Als der Anwalt Welsing das eigene Geständnis der Metzgen Dienis dagegen hält, verweist Löwenberg auf seine letzten Ausführungen, bittet um Gnade und dann das Gericht "an die Beclagtinne zu statuieren was rechtens". -Angesichts anderer, seitenlanger, wortgewaltiger und nichtendenwollender Verfahren um Vermögensangelegenheiten, wirken die kurzen Ausführungen Löwenbergs und Welsings sehr dürftig, doch war bei der damaligen Rechtslage der Ausgang des Verfahrens schon automatisch vorgegeben. Auch wenn ein Urteilsspruch nicht im Proto­kollbuch verzeichnet ist, so wird Metzgen Dienes wie ein Totschläger verurteilt worden sein, d.h. Hinrichtung durch das Schwert. Über den Hinrichtungstermin schreibt das Protokollbuch:

"Halßgericht gehalten den 5. Juni 1649. Welsings, weilen heudt tags und zeitt deß Thäterinne Metzgen vor recht gestelt werden solle, als pitt publicationem sententiae und mit der execution zuverfahren an­zubefehlen."

 

 

KRIEGSENDE 1648  -  ARNTS BRÜDER

 

Im Jahre 1647, am 14.3., starb der Führer der holländischen Sache, Prinz Friedrich Heinrich. Sein Nachfolger wurde der erst 18-jährige Wilhelm II von Oranien. In Münster und Osnabrück verhandelte man über ein Ende des 30jährigen Krieges und konnte im Sommer 1648 den Vertragstext endgültig festlegen. Für die Menschen am Niederrhein war besonders wichtig, daß gleichzeitig der spanischniederländische Krieg damit beendet wurde, der immerhin gut 80 Jahre (mit Pausen) gedauert hatte und nun mit der Abspaltung der niederländischen Städte und Grafschaften vom deutschen Reich endete.

Im Jahr 1647 scheint auch Wilhelm Impelmann, der nach dem tötlich geendeten Streit mit dem Steuereinnehmer Mewis Wolters im Jahre 1617 die Flucht ergriffen hatte, wiedergekehrt zu sein. Da sich Flucht und Rückkehr nahezu mit den Zeiten des 30jährigen Krieges decken, spricht vieles dafür, daß Wilhelm Impelmann Soldat gewes