Alemannenstraße in Wuppertal-Elberfeld
zwischen August- und Hochstraße

Die sogenannte "Nordstadt" nördlich der heutigen "Hochstrasse" war um 1850 so gut wie unbebaut. Durch dieses landwirtschaftlich geprägte Gebiet führte eine wichtige Verkehrsverbindung, die aus der Elberfelder Innenstadt herausführende "Straße nach Neviges und Werden". Alle anderen Straßen waren in der Regel Feldwege.
Zustand um 1850 (Quelle: Pogt, Historische Ansichten aus dem Wuppertal)


Die heutige "Alemannenstraße" war ursprünglich ein kurzer Feldweg, am Bildrand oberhalb des Hauses 508 zu erkennen.
Erstmalig eingerichtet wurde die Straße am 7.11.1871 unter dem Namen Hermannsstraße, noch vor der Jahrhundertwende umbenannt in Hermannstraße, umbenannt 1935 in Alemannenstraße. Zuvor einige kurze Anmerkungen zur Umgebung:





Straßen und Wege

Zur Verdeutlichung der Straßen und Wege sowie der projektierten Straßen, hier einige Abbildungen mit farbiger Einzeichnung.

Der ebenfalls zu erkennende ehemalige katholische Friedhof wurde nur kurzzeitig zwischen 1809 und 1845 genutzt (nach Schließung des damaligen Friedhofs auf dem heutigen Elberfelder "Neumarkt" und der Neuanlage an der Hochstraße). Heute ist dort, zwischen Friedrichschulstraße und Höchsten, ein Spielplatz.

Bei Betrachtung der Karte mit der Überzeichnung durch heutige Straßen (grün) und Wege (rosa) fällt auf, daß die alten Wege nahezu vollständig erhalten geblieben sind. Wirklich "neu" sind nur die um 1850 projektierten Straßen, wie Ludwig-, Albrecht- oder Friedrichschulstraße, wobei gerade die Ludwigstraße eine deutliche Schneise durch den damaligen Grundstücksbestand schlug.
Wenige Wege sind vollständig verschwunden, so kann man feststellen, daß z.B. gegenüber der Einmündung der Wülfrather Straße der Hauseingang neben dem Haus Nr. 25 im Grunde Rest eines alten Ackerweges ist.

Bemerkenswert auch das im Plan von 1850 zu findende Haus Nr. 508 (1864/65: Eigentümer "Frische Erben"). Es ist zur damaligen Zeit das einzige(!) Gebäude im Nahbereich der Alemannenstraße. Nach Abschaffung der Numerierung nach Sektionen und Häusern erhielt dieses Gebäude die Adresse "Hochstraße 21". Das Gebäude existiert heute nicht mehr, auf dem Bauplatz befindet sich jetzt das Eckhaus "Ludwigstraße 106".
Die "Monatsschrift des Bergischen Geschichtsvereins" (16. Jg. 1909, S. 40) berichtet über dieses - im Volksmund angeblich »Moskau« genannte - Haus:
"Alte Elberfelder erinnern sich wohl noch dieser nicht allgemein bekannten Bezeichnung für den kurzen Teil der Hochstraße zwischen der Ludwigstraße und der Hermanstraße. Dort stand von langen Jahren ein kleines Häuschen, dessen Dach man bequem mit der Hand erreichen konnte. Das Häuschen war mit Stroh bedeckt, welche mit dicken Moospolstern überzogen war. An den Wänden wurchs üppiger Efeu. Da man nun in Elberfeld elende Hütten gerne éKau' (Vogelskau usw.) nannte, erhielt unser Häuschen den Namen Mooskau = Moskau, Muskau."


Projektierte Straßen



Überzeichnung mit heutigen Straßen

Die Bebauung des oberen Abschnitts der Alemannenstraße - damals Hermannsstraße - vollzog sich in einem Zeitabschnitt von rund 50 Jahren in der Zeit von ungefähr 1860 bis 1910.

Die Gebäude wurden sukzessive errichtet, z. T. auch wieder abgerissen und die Bauplätze neu bebaut. Aufgrund der Numerierung lassen sich die ehemaligen Gebäude identifizieren. Vor 1870 zeigt sich in etwa dieses Bild:


Am unteren Bildrand ist als "Hochstraße 21" das frühere Haus Nr. "508" zu sehen. Auf dem Gelände der späteren Pfarrhäuser befinden sich andere - möglicherweise landwirtschaftlich genutzte - Gebäude, die Häuser mit den späteren Nummern 43, 35 und 33 fehlen noch. Das Gebäude ohne Nummer neben Haus 24 war damals entweder Hochstraße 15 oder Alemannenstraße 26. Dieses, wie auch die Häuser mit den Nummern 20 und 24 fallen dem späteren Pfarrhausbau zum Opfer. Neben dem Haus 24 führte damals noch ein Nebenweg auf den späteren Bauplatz der Friedhofskirche. Die Bebauung war zu Beginn der 1870er Jahre weit fortgeschritten, denn am 7.11.1871 wurde für diesen Wohnplatz erstmals eine Benennung eingeführt: Hermannsstraße.


Ein Vergleich beider Karten zeigt, daß augenscheinlich die Häuser Hochstraße 19, Ludwigstraße 106, 104 sowie 106a und 104a um 1850 noch eine Einheit bildeten und zum damaligen Haus "508" gehörten.
Eine Einheit bildeten auch die Häuser Hochstraße 17, 17 a und Alemannenstraße 43. Augenscheinlich wurden an den Häusern 17 und 17 a bauliche Veränderungen vorgenommen und das Grundstück bis an das Nachbargrundstück Hochstraße 19 vollständig bebaut.

Die Häuser Alemannenstraße 35, 37 und 39 wurden nach 1907 abgerissen und als Steingebäude Alemannenstraße 35 (1909) und 37 (1911) wiedererichtet unter Wegfall eines Hauses und der Hausnummer 39.

Bilder, wie die damalige Bebauung ausgesehen haben mag, ist ungefähr an den Gebäuden Hochstraße 17 und Alemannenstraße 41 abzulesen.
Hochstraße 17 ist eine "Fachwerkkonstruktion mit Verschieferung der Straßen- und Giebelfassade und sichtbarem Fachwerk an der Hofseite auf hohem Sandstein-Sockelgeschoss" ( Beschreibung: Denkmalliste der Stadt Wuppertal ). Alemannenstraße 41 besitzt ebenfalls "eine verschieferte Fassade und wurde in Fachwerkbauweise" errichtet, wobei besonders interessant ist, daß dieses Haus ursprünglich nur ein Obergeschoß besaß. Das heutige 2. Obergeschoß wurde später hinzugefügt.
Alemannenstrasse 19
Heute ergibt sich folgendes Bild der Bebauung:




Besonders interessant ist die Entwicklung der Häuser mit den Nummern 35 bis 39. Eigentlich müßte das heutige Gebäude Alemannenstraße 37 die Nummmer 39 tragen, denn der Bauplatz des alte Gebäudes Alemannenstraße 37 war für das Neubauprojekt von 1909/1911 geteilt und jeweils zur Hälfte den neuen Gebäuden zugeschlagen worden. Dies war nur möglich, da die alten Häuser 35 bis 39 damals einem gemeinsamen Eigentümer gehörten. Deutlich zu erkennen ist der erheblich vergrößerte Gebäudegrundriß für die Nummer 35. Im Vergleich dazu der gleich gebliebene Grundriß des Hauses 33.
Die alternativ denkbare Variante einer Gebäudevergrößerung durch gleichzeitigen Anbau wie Aufstockung scheint weniger wahrscheinlich.






Häuser 29-35


Häuser 33-35


Haus 35




Häuser 37-43


Häuser 41-43


Häuser 35-43


Häuser 40-42




Fenster mit Informationen zu einzelnen Gebäuden sind abrufbar durch einen Klick auf die jeweilige Grundstückfläche

Alemannenstrasse 33 Alemannenstrasse 35 Alemannenstrasse 37 Alemannenstrasse 41 Alemannenstrasse 43/Hochstraße 17 Friedhofskirche Pfarrhaus


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© by  Florian Speer